Ernte im Winter

geschrieben von mormon | 9 Mär, 2008
      Ich war fast vier Monate arbeitslos gewesen, und nun endlich: Arbeit! Am 12. Januar 1987 sollte ich anfangen. Dennoch - ganz glücklich war ich darüber nicht. Statt dessen spürte ich deutlich, daß ich in die Bundesrepublik fahren und genealogische Forschung betreiben solle. Also betete ich. Beim Beten wurde dieses Gefühl noch stärker. Nicht zu arbeiten war Sünde, die neue Arbeit anzunehmen schien wie eine Sünde. Ich fastete und betete; ich sprach mit meinem Mann, und der sagte: „Wenn du das so empfindest, dann solltest du die Arbeit vielleicht nicht annehmen.” Aber das fand ich auch nicht richtig. Wieder betete ich. Danach sprach ich mit unserem Zweigpräsidenten. Er schlug vor, daß ich zuerst in die Bundesrepublik fahren und dann meine neue Stelle antreten solle, aber das würde mir nur etwa zehn Tage Zeit lassen. Er bot sogar an, uns hinzufahren. „Vom 12. Januar an habe ich eine Woche Urlaub”, sagte er, „und ich wollte immer schon mal Norddeutschland sehen.” Ob ich wohl den Arbeitsbeginn um eine Woche verschieben könnte? Am 2. Januar rief der Zweigpräsident an und teilte uns mit, daß er doch nicht fahren könne, weil der Distriktspräsident unbedingt mit ihm reden müsse. Er würde uns aber gern sein Auto leihen. Mein Mann nahm sich eine Woche frei. In nur zwei Stunden mußten wir eine Mitgliederfamilie in Lübeck wegen der Übernachtungen anrufen, Karten für die Fähre kaufen, das Auto abholen und die Koffer packen. Diese Hast schien unsinnig, aber tief im Innern wußte ich, daß der Herr es so wollte.

   Während dieser Zeit wurde ich eines Wir nahmen die Fähre von Trelleborg nach Travemünde. Schon eine halbe Stunde nach unserer Ankunft waren wir bei unseren guten Freunden in Lübeck. Sie fragten sich: Aber warum denn diese Eile? Schließlich war es immer noch früh am Morgen.

  Wohin sollten wir uns nun wenden? Nachdem wir gebetet hatten, machten wir uns auf den Weg zum Kirchenamt von Bad Segeberg, mit dem ich schon brieflich in Verbindung gestanden hatte. Wir kamen um 9 Uhr morgens dort an. Ein junger Mann empfing uns und erzählte, daß die ältere Dame, mit der ich korrespondiert hatte, vor zwei Tagen in den Ruhestand getreten war. Er selbst war neu und konnte uns noch nicht helfen. Er erwähnte aber, daß die besagte Dame am nächsten Tag mal hereinschauen werde. Ob ich dann wohl nochmal wiederkommen wolle? Ich schickte ein Stoßgebet zum Himmel und sagte: „Fein, aber haben Sie eine Ahnung, was wir heute noch tun können?” - „Ja, vielleicht . . . ja, ich glaube, ich habe da eine Idee”, sagte er, führte vier Telefongespräche und gab uns dann vier Adressen. Die erste war die Anschrift eines Archivs, aber dort konnte man uns nicht weiterhelfen. Die zweite war die eines Geistlichen, aber der war nicht zu Hause. Die dritte Adresse war ein Haus in dem Dorf, in dem mein Vater geboren worden war, aber auch dort klingelten wir vergebens. Wir waren schon recht entmutigt, aber wir sprachen ein kurzes Gebet und klingelten nochmal. Da kam eine Frau aus dem Nachbarhaus und sagte, daß der Mann, den wir suchten, weggefahren sei und erst in einer Woche zurückkommen würde. Wir erzählten ihr, war uns hergeführt hatte. Daraufhin sagte sie, daß er wahrscheinlich doch nicht viel für uns hätte, aber sie empfahl uns, seine Schwester zu fragen, die in der Nähe wohnte. Sie müßte wohl eine Ahnentafel besitzen.

  Wir klingelten bei der Schwester, und eine neunzigjährige Frau kam an die Tür. Wir zeigten ihr unsere Ahnentafel, und sie erzählte uns, daß einst mein Großvater in dem Haus gewohnt hatte, von dem wir gerade gekommen waren. Sie empfahl uns das Museum in Reinfeld, wo es sicher noch weitere Informationen gäbe.

  Der Museumsdirektor hieß uns herzlich willkommen und erzählte uns vieles von der Familie meines Großvaters, was ich selbst noch gar nicht gewußt hatte. Er hatte einen Kaufvertrag des Hauses, bei dem wir zuvor gewesen waren. Er sagte, wenn wir am folgenden Tag wiederkämen, würde er uns eine Kopie des Vertrages und auch Kopien anderer interessanter Dokumente geben. Nachdem wir unserer Tochter das Grab meines Großvaters und das meines Urgroßvaters gezeigt hatten, kehrten wir nach Lübeck zurück.

  Am nächsten Tag, es war Dienstag, suchten wir den Geistlichen auf, der vorher nicht zu Hause gewesen war. Er nannte uns einige Bauernhöfe in der Gegend. Auf einem Stand ein kleines weißes Haus, aber es war gerade niemand zu Hause. Auf vielen Höfen ließ man uns die Ahnentafeln abschreiben.

  Am Nachmittag erreichten wir ein Haus, wo nur die Frau daheim war. Zuerst war sie uns gegenüber mißtrauisch, aber als wir ihr unsere Ahnentafel zeigten, bat sie uns herein. Bald kam auch ihr Mann zurück. Ich stellte bald fest, daß er mit mir verwandt war. An der Kaffeetafel erzählten die beiden von Salt Lake City und den großen Archiven der Mormonen. Der Mann fragte: „Sind sie vielleicht Mormonen?” Wir sagten ja, und er fuhr fort: „Wir auch, obwohl wir nicht aktiv sind.” Wir konnten unser Zeugnis geben. Als wir nach dem Abendbrot gehen wollten, sagte der Mann: „Zu Weihnachten habe ich eine Kantate von Bach gehört. Sie enthält ein Gebet, daß Gott uns seine Engel senden möge. Ich habe zu Gott gebetet, daß er seine Engel zu uns senden möge. Und jetzt weiß ich, daß er mein Gebet erhört hat.” Wie unbedeutend und unwürdig fühlten wir uns da, und doch, wie glücklich! Sie waren die einzigen Mitglieder der Kirche weit und breit, und der Herr hatte uns zu ihnen geführt.

  Tags darauf gingen wir wieder ins Museum. Der Direktor hatte uns Kopien gemacht und eine ganze Ahnenlinie erforscht. Er versprach uns noch mehr Namen, wenn wir gegen Ende der Woche zurückkämen. Als wir das Museum verließen, kam uns die Idee, eine Anzeige in der Zeitung aufzugeben. Anschließend fuhren wir nochmals zum kleinen weißen Haus, aber wieder vergebens. Wir suchten noch weitere Höfe auf und durften zahlreiche Ahnentafelnabschreiben. Jemand erzählte uns von einem Archiv in Lübeck, das aber nur einmal in der Woche geöffnet sei. Dort würden wir wohl weitere Namen finden.

  Der nächste Tag war Donnerstag, und wir hatten nur noch zwei Tage, ehe wir wieder nach Schweden zurückkehren mußten. Wir besuchten einen Mann, an den wir verwiesen worden waren. Er hatte eine Ahnentafel, die uns ein freundlicher Bankangestellter kopierte. Im Postamt lieh ich mir die Telefonbücher all der Orte, in denen wir gewesen waren. Daraus schrieb ich die Namen ab, die ich aus meiner Forschung kannte. Als ich diese Leute dann anrief, waren die meisten bereit, uns zu helfen. Ich erhielt noch mehr Namen. Am Nachmittag verhinderte ein Schneesturm jedoch, daß wir die kleineren Dörfer aufsuchten, also fuhren wir wieder ins Museum in Reinfeld. Leider war der Direktor an diesem Tag nicht da. Nach einem Gebet beschlossen wir, zum Kirchenamt zu gehen. Mein Mann hielt das Auto an, um einen Passanten nach dem Weg dorthin zu fragen - und zu unser aller Überraschung war es der Museumsdirektor! Wir fuhren ihn nach Hause und erhielten noch einige Namen von ihm.

  Am Tag darauf waren wir wieder bei dem kleinen weißen Haus. Diesmal kam ein Mann an die Tür. Er ließ uns einen Stammbaum von etwa 80 Seiten abschreiben, der über 250 Namen enthielt. Auf der Fahrt nach Lübeck sah ich diese Unterlagen durch und entdeckte, daß seine und meine ältesten Vorfahrinnen Schwestern waren. Um halb sechs am Freitag nachmittag hatten wir mit allen Leuten Kontakt aufgenommen, wie wir es vorgehabt hatten. Wir waren dem Herrn für seinen Beistand überaus dankbar.

  Als wir am nächsten Tag Lübeck in Richtung Travemünde verließen, war Schneesturm auf der Autobahn. 15 Zentimeter hoher Matsch auf der Fahrbahn machten das Fahren gefährlich, und wir sagten uns: „Wenn es hier schon so übel ist, wie muß es dann erst in Schweden aussehen?” In Südschweden waren die Straßen aber trocken. So kamen wir sicher nach Hause. Am Tag nach unserer Rückkehr machte ein wilder Schneesturm alle Straßen in der Umgebung unseres Ortes unpassierbar, und so blieb es eine ganze Woche lang. Wären wir nur einen Tag später zurückgekommen, hätten wir eine Woche lang in Malmö festgesessen, rund 200 Kilometer von zu Hause. Das war uns ein Zeugnis davon, daß der Herr unsere Reise eine Woche zuvor gewollt hatte. Ich konnte nun, wie geplant, am 12. Januar meine Arbeitsstelle antreten.

  Doch noch wichtiger als die neue Arbeit war das, was ich mit Hilfe des Herrn in meiner deutschen Heimat vollbracht hatte. Ich war mit den Daten von über 600 Vorfahren* nach Schweden zurückgekehrt, für die das stellvertretende Werk im Stockholm-Tempel getan werden konnte.

  Edith Wiklöf wohnt zur Zeit in Göteborg, Schweden.

  Bei einem späteren Besuch in der Bundesrepublik fand Schwester Wiklöf auf der Rückseite einer Ahnentafel einen Zeitungsausschnitt, der sie zu einer Frau führte, die über 40 Jahre lang genealogische Forschung betrieben hatte. Schwester Wiklöf erhielt von dieser Frau 51 Ahnentafeln mit Daten von insgesamt 7000 Vorfahren, für die die stellvertretende Arbeit im Tempel getan werden konnte.

Meine schwarzen Vorfahren ausfindig machen

geschrieben von mormon | 4 Mär, 2008
Bald nachdem ich mich zur Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage bekehrt hatte, erhielt ich meinen Patriarchalischen Segen. Darin wurde mir geraten, Genealogie zu betreiben. Das überraschte mich, denn weil ich schwarz war, hatte ich immer gemeint, es sei hoffnungslos, Genealogie zu betreiben. Wie sollte ich Aufzeichnungen über meine Vorfahren finden? Sklaven wurden nur als namenloser Besitz aufgeführt.
Doch obwohl ich nicht die Erfahrung, die Zeit und auch nicht das Geld für ausgedehnte Nachforschungen hatte, hatte ich doch meinen Patriarchalischen Segen, der mich aufforderte, meine Vorfahren ausfindig zu machen und zuzusehen, daß für sie die Tempelarbeit getan wurde. So fing ich also an.
Nachdem ich monatelang vergeblich nachgeforscht hatte, hatte ich eines Nachts einen Traum. Ich sah, wie das Bild meiner Ururgroßmutter, das bei uns im Wohnzimmer an der Wand hängt, abgenommen und mir gegeben wurde. Ich hatte bisher vergeblich nach Aufzeichnungen über sie gesucht. Aber der Traum war so lebendig, daß ich das Bild am nächsten Tag gespannt anstarrte und mich fragte, was es für mich bereithielt und warum ich es im Traum gesehen hatte.
Immer wieder zog es mich an jenem Tag zu dem Bild zurück. Langsam, aber immer stärker, spürte ich, daß ich an die Mississippi-Archive schreiben und dort um Informationen bitten sollte. Das schien zwar nicht logisch zu sein, aber ich folgte doch dem Impuls.
Eine Woche später erhielt ich die Kopie einer Urkunde, die die Geburt meiner Ururgroßmutter bestätigte und mir alle weiteren Angaben zugänglich machte, die ich brauchte. jetzt freue ich mich darauf, für sie die errettenden heiligen Handlungen im Atlanta-Tempel an mir vollziehen zu lassen.
Ich habe auf dem Bild im Wohnzimmer früher immer nur meine Ururgroßmutter gesehen. Jetzt erinnert es mich daran, daß ich meinte, es sei unmöglich, Angaben über meine Vorfahren zu finden, der Herr jedoch mir einen Weg dazu wies.

Wie Carol Batey die Geschichte Brad Wilcox erzählt hat, Oktober 1987

Mit dem Wunsch eines Sterbenden begann die Suche nach Fanlilienangehörigen

geschrieben von mormon | 3 Mär, 2008

Mit dem Wunsch eines Sterbenden begann die Suche nach Fanlilienangehörigen, die schließlich vier Jahrhunderte zurückreichte und sich auf zwei Kontinente erstreckte
Dreißig Jahre lang forschte Derteano und sammelte Angaben über seine Familie. Dabei gab er die Hoffnung nie auf, daß er eines Tages den Grund dafür verstehen werde.

Als ich Präsident des Distrikts Barquisimeto in Venezuela war, forderte ich in dieser Eigenschaft die Mitglieder in meinem Bereich immer wieder auf, genealogische Forschungen zu betreiben. Ich selbst widmete mich eifrig dieser Aufgabe, war aber oft enttäuscht, weil einige Unterlagen meiner Eltern und Großeltern in Peru, meinem Heimatland, waren. Ich gab mir große Mühe, Angaben von meinen dortigen Verwandten zu bekommen, aber sie gehörten nicht der Kirche an und hatten deshalb keine große Lust, mir zu helfen. Das größte Problem bestand aber darin, daß meine Vorfahren einmal aus Europa gekommen waren.
Ich hatte aber nicht nur nicht genug Geld, um nach Europa zu fahren, sondern wußte noch nicht einmal genau, aus welchem Land genau meine Vorfahren stammten.
Die Zeit verging, und ich mußte aus beruflichen Gründen nach Valencia fahren. Damals wurde ich sehr geprüft; nicht nur mein Zeugnis von der Kirche wurde auf die Probe gestellt, sondern ich hatte auch mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen. In Valencia hörte ich von einem Schriftsteller namens Kepa De Derteano y Basterra, der denselben Familiennamen hatte wie ich. Bob Steelheart, ein Mitglied der Gemeinde in Valencia, bot an, mir bei der Suche nach dem Schriftsteller zu helfen. Wir sahen also in den vielen Büchern nach, die Derteano veröffentlicht hatte, und fanden schließlich seine Anschrift. Der erste Besuch bei ihm war vergebens - er und seine Frau waren nicht zu Hause. Seine Tochter meinte jedoch, ich sollte es später am Abend noch einmal versuchen.
Wir gingen also noch einmal hin, und diesmal war Derteano zu Hause. Wir führten ein ganz besonderes Gespräch, bei dem wir bald auf unsere Vorfahren zu sprechen kamen. Wir hatten zwar denselben Nachnamen, aber er war spanischer Baske, ich dagegen Peruaner. Derteano zeigte mir seine genealogischen Aufzeichnungen, und ich stellte erstaunt fest, daß sie bis ins 16. Jahrhundert zurückreichten. Als er mir dann sagte, warum er die Aufzeichnungen gesammelt hatte, war ich beinahe sprachlos.
Er erzählte, ein Großonkel - Abt in der katholischen Kirche - habe ihn auf dem Totenbett gebeten, die genealogischen Aufzeichnungen der Familie Derteano zusammenzustellen. Derteano versprach es ihm, obwohl er den Wunsch mehr für das zusammenhanglose Gerede eines Sterbenden hielt. Aber weil er es versprochen hatte, begann er nach einiger Zeit damit, Aufzeichnungen über die Derteanos zu suchen.
Er mußte viel Zeit, Mühe und Geld aufwenden, um die notwendigen Angaben zu finden. Oft hätte er das Projekt am liebsten aufgegeben. Aber als er einmal beschlossen hatte, mit der Suche aufzuhören, erschien ihm sein Onkel im Traum und erinnerte ihn an sein Versprechen.
So forschte Derteano dreißig Jahre lang weiter und fand in vielen Teilen der Welt Angehörige seiner Familie. Er wußte allerdings nicht, warum er die Angaben sammelte, natürlich abgesehen davon, daß er damit den Wunsch eines Sterbenden erfüllte. Er erzählte, er arbeite sozusagen blind und hoffe, daß er eines Tages den Grund verstehen würde.
Ich sagte, daß ich ihm den Grund nennen könne, und erzählte ihm von der Kirche und warum wir im Tempel stellvertretend heilige Handlungen für die Verstorbenen vollziehen.
Ich las ihm 1 Petrus 3:18-20 vor, wo es heißt, daß der Erretter das Evangelium in der Geisterwelt verkündet hat. Dann las ich ihm aus ,Lehre und Bündnisse', Abschnitt 138 vor und erklärte, wie sehr die Geister sich freuen, wenn sie das Evangelium hören, und daß sie hoffen, ihre Nachkommen würden an sie denken, da sie ohne uns nicht alles erreichen können.
Derteano war außer sich vor Freude, als er den Grund für seine Nachforschungen begriff. Jetzt - im Alter von 63 Jahren - fühlte er sich endlich der Verpflichtung ledig, die sein Großonkel ihm übertragen hatte.
Er gab mir eine Kopie aller Geburts- und Heiratsurkunden, die er gesammelt hatte, und dazu Namen und Adresse anderer Derteanos in anderen Ländern. Ich war überwältigt vor Freude, als wir in seinen Unterlagen zusammen einen gemeinsamen Vorfahren fanden und so die Verbindung von meiner Familie zu seiner herstellen konnten.
Derteano schenkte mir eins seiner Bücher, in das er folgende Widmung geschrieben hatte: „Für Luis Roberto und Rosa Liliana Derteano - Verwandte, nach denen ich mein ganzes Leben gesucht habe. Ohne Zweifel hat uns nicht der Zufall zusammengeführt.

Kepa De Derteano y Basterra. Mai 1988

Die Eltern, die du nicht gekannt hast

geschrieben von mormon | 2 Mär, 2008

Genealogie und Missionsarbeit gehen Hand in Hand. Beide bringen Gottes Kindern das Evangelium und die errettenden Verordnungen die eine Arbeit den Verstorbenen, die andere den Lebenden. Meine Mission gab mir die Möglichkeit, beides zu tun.
Ich bin in Weonju in Südkorea geboren, irgendwann im Jahr 1958, und wurde später von einer amerikanischen Familie adoptiert. Als ich vierzehn war, schloß ich mich der Kirche an. Ein Jahr später, als ich mir Gedanken machte, was ich nach meinem Schulabschluß tun sollte, entschloß ich mich, meinen Patriarchalischen Segen zu empfangen. Zuerst sprach ich mit dem Patriarchen, der mir riet, bezüglich dem, was ich wissen wollte, zu fasten und zu beten. Das tat ich auch, und als ich den Segen erhielt, hatte ich ein gutes Gefühl, was die Verheißungen anging, die mir gegeben wurden. Doch ein Abschnitt verwirrte mich:
„Du wirst den Vorzug haben, für deine Familie und zu ihren Gunsten ein Werk zu tun, für die Eltern, die du nicht gekannt hast. Wenn du nach Aufzeichnungen über deine Familie forschst, wirst du Hilfe vom Himmel erhalten. Gott wird deine Gebete beantworten, wenn du fastest und betest und deine Zeit und deine Talente treu in den Dienst der Sache stellst.”
Ich wußte, daß ich meine Arbeit im Bereich der Genealogie tun sollte, doch ich verstand nicht, was mit der Stelle die Eltern, die du nicht gekannt hast gemeint war. Ich hatte keine Ahnung, wer meine natürlichen Eltern waren oder wie ich das herausfinden konnte.
Soviel ich wußte, war ich ein Waisenkind, als ich adoptiert wurde.
Während des letzten Semesters am College hatte ich, nach aufrichtigem Beten und tiefem Nachsinnen, das sichere Gefühl, ich solle auf Mission gehen. Ich reichte meine Papiere ein, doch ich befürchtete, daß ich nach Korea berufen werden würde. Ich wollte nicht unbedingt nach Korea gehen. Nach einigen Wochen kam die Berufung in die Seoul-West-Mission in Korea.
Ich kämpfte, ob ich die Berufung annehmen sollte, doch als der Tag der Abreise näherrückte, dachte ich an die Verheißung in meinem Patriarchalischen Segen. Wie sonst sollte ich nach meinen Vorfahren forschen können? Ich musste nach Korea gehen.
Nachdem ich im Missionsheim in Korea angekommen war, fragte mich der Missionspräsident: „Möchten Sie Familienforschung betreiben, während Sie hier sind?” Überrascht und von seiner Frage ermutigt, antwortete ich: „Ja, sehr gern sogar.”
Drei Monate vergingen. Ich konzentrierte mich darauf, Koreanisch zu lernen, und hatte im Bereich der Genealogie noch nichts getan. Dann bat ich eines Tages meine koreanische Mitarbeiterin und einen anderen koreanischen Mitarbeiter und einen anderen koreanischen Missionar, mir bei meiner Suche zu helfen. Sie willigten ein, also machten wir uns am Vorbereitungstag auf die Suche nach der Vermittlungsstelle, die meine Adoption geregelt hatte. Als die Beamten erfuhren, daß ich nach meinen Vorfahren forschen wollte, sahen sie ihre Unterlagen durch, bis sie meine fanden.

Noch ein kleines Mädchen?

Neben meinen Unterlagen waren die eines anderen kleinen Mädchens, das auf dem Bild genauso aussah wie ich auf meinen Babybildern. Ich dachte, die Unterlagen seien vielleicht vertauscht worden, doch die Beamten erklärten mir, daß die Wörter hyungje im, die neben unsere Namen geschrieben waren, Geschwister bedeuteten. Ich hatte eine Schwester!
Die Adoptionsunterlagen enthielten unsere amerikanischen Namen und unsere Adressen, also schrieb ich meiner eben entdeckten Schwester in Oklahoma und erklärte ihr, warum ich in Korea war und nach unseren Unterlagen suchte.
Da sich meine Adresse in der Zwischenzeit geändert hatte, war ich darauf gefaßt, daß sich auch ihre vielleicht geändert hatte. Und da sie ja nun zu einer anderen Familie gehörte, war ich auch darauf vorbereitet, daß sie vielleicht gar kein Interesse an mir und meiner Suche hatte.
Eineinhalb Monate gingen vorbei, ohne daß ich eine Antwort erhielt. Obwohl ich wußte, daß ich vielleicht nie von ihr hören würde, verlor ich nie die Hoffnung. Auch meine amerikanische Familie wollte gerne etwas über sie erfahren. Mein Vater war sogar bereit, nach ihr zu suchen, wenn ich auf meinen Brief keine Antwort erhielt. Doch dann, am 14. Februar, erhielt ich einen Brief von Lila Lew Miller meiner Schwester. Ihre Eltern hatten immer noch dieselbe Adresse in Oklahoma. Meine Schwester hatte mit dem Brief ein Bild geschickt, auf dem sie mit ihrem Mann und ihrem kleinen Jungen zu sehen war. Sie schrieb, sie wolle mich unbedingt kennenlernen.
In unseren Unterlagen war auch der Name des Waisenhauses in Weonju erwähnt, von wo aus die Vermittlungsstelle unsere Namen erhalten hatte. Es hieß Weonju Yangnyoe Weonjang. In meinem koreanischen Wörterbuch gab es keine direkte Übersetzung dafür, doch es gab zwei Möglichkeiten: Yangnyoe, was adoptierte Tochter bedeutet, oder Yangno, was Altersheim bedeutet.
Ich fragte mehrere Missionare in Weonju, ob sie etwas über die Waisenhäuser herausfinden konnten, die zwischen Ende 1950 und 1960 mit der Vermittlungsstelle zusammengearbeitet hatten. Doch trotz monatelanger Suche konnten sie nichts herausfinden.

Waisenhaus oder Altersheim
Während dieser Zeit arbeitete ich in der Umgebung von Seoul. Präsident Ch'oi Dong Wan, ein Mitglied der Pfahlpräsidentschaft des Pfahles Seoul West, wurde ein guter Freund. Einmal, als wir bei ihm eingeladen waren, sprach ich von der Verheißung, die ich in meinem Patriarchalischen Segen erhalten hatte. Er bot mir seine Hilfe an. Ein paar Wochen später machten er, meine Mitarbeiterin und ich uns am Vorbereitungstag auf den Weg nach Weonju, um festzustellen, was wir herausfinden konnten.
In einem Waisenhaus erfuhren wir, daß eine christliche Missionarin aus Kanada, Schwester O'Connor, die Berichte über die Waisen geführt hatte, doch sie war in den sechziger Jahren nach Kanada zurückgekehrt. Es gab noch einen Ort, wo wir hingehen konnten ﷓ das Waisenhaus, das in unseren Unterlagen erwähnt worden war, Weonju Yangnyoe Weonjang. Doch es war kein Waisenhaus, es war ein Altersheim! Dennoch überkam mich ein seltsames Gefühl als sei ich schon einmal dortgewesen. Nun war ich wirklich verwirrt. Ich konnte nicht verstehen, woher dieses Gefühl kam.
Nach unserer scheinbar nutzlosen Suche waren wir enttäuscht, doch wir gaben nicht auf. Präsident Ch'oi und ich hatten das Gefühl, wir sollten noch einmal zu der Vermittlungsstelle gehen und meine Unterlagen überprüfen. Als wir meine Unterlagen noch einmal durchsahen, bemerkten wir, daß der Name „O'Connor” auf koreanisch oben in die Ecke geschrieben war. Ich erfuhr, daß das Altersheim einmal ein Waisenhaus gewesen war und wirklich der Ort war, wo meine Schwester und ich bis zu unserer Adoption geblieben waren. Wir wußten nun, wo meine Schwester und ich hergekommen waren.
Präsident Ch'oi schlug daraufhin vor, daß wir in einer der Zeitungen Seouls einen Artikel über meine Suche veröffentlichen sollten. Er erzählte mir, daß seit dem Krieg viele Menschen mit Hilfe der Zeitung versuchten, verlorene Familienangehörige wiederzufinden. Wir trafen uns mit einem Reporter, der eine kurze Beschreibung von meiner Schwester und mir niederschrieb sowie unsere Geschichte, soweit wir sie kannten. Am 2. Juni 1984 erschien der Artikel in der Zeitung. Sofort erhielten wir viele Telefonanrufe von Menschen, die glaubten, wir könnten vielleicht zu ihrer Familie gehören.

Ein ungewöhnlicher Telefonanruf
Einer der Anrufe war ziemlich ungewöhnlich. Ich konnte nicht alles verstehen, was der Mann sagte, doch mit Hilfe meiner Mitarbeiterin erfuhr ich, daß er Ko In Soo hieß. Er rief aus Shillim an, einem kleinen Dorf, das außerhalb von Weonju lag. Er erzählte von Zwillingsschwestern, die seine Familie Ende der Fünfziger Jahre zur Adoption freigegeben hatte. Ich zweifelte daran, daß meine Schwester und ich Zwillinge waren. Auf den Babybildern sahen wir uns zwar ähnlich, doch wir hatten nicht dasselbe Geburtsdatum.
Doch Ko In Soo lud uns ein, ihn zu besuchen. Er fragte uns, ob es uns möglich sei, zuerst seinen Sohn Ko Hun Kyu aufzusuchen, der in Seoul lebte. Ko Hun Kyu und seine Mutter waren die beiden, die die beiden Mädchen ins Waisenhaus gebracht hatten. Also riefen wir ihn an und verabredeten uns Und wenn es wahr war, was der Mann erzählte? Ko Hun Kyu wäre dann einer meiner Verwandten! Ich war nicht sicher, ob ich bereit war, ihm zu begegnen. Als ich mich mit Ko Hun Kyu und seiner Frau traf, starrte er mich an und sagte, ich sähe genauso aus wie seine Tante. Mit Tränen in den Augen begann er, die Geschichte zu erzählen. Er brachte zum Ausdruck, daß sie es tief bereut hatten, die Zwillinge zur Adoption freigegeben zu haben. Doch ich war skeptisch und wollte Beweise sehen ﷓ Bilder und Urkunden. Und was war mit den verschiedenen Geburtsdaten?
Ko Hun Kyu lud uns zu sich nach Hause ein, damit er mir das Familienalbum zeigen konnte. Leider hatte er keine Bilder von der Frau, die er meine Mutter nannte. Ich hegte immer noch Zweifel, und wir riefen daher die Familie in Shillim an und verabredeten einen Besuch.
Shillim ist ein kleines Dorf so klein, daß es nicht einmal eine Bushaltestelle gibt. Doch der Busfahrer hielt extra für uns an. Die Luft war rein, frisch und warm, als wir auf dem Weg zwischen den Reisfeldern entlanggingen. Ko Hun Kyu ging voraus. Wir kamen ins Dorf ﷓ ein kleiner Laden und ein paar Häuser. Wir gingen über die Straße und sahen einen alten Mann, der am Tor auf uns wartete. Er war klein und von der koreanischen Sonne gebräunt.

Mein koreanischer Großvater?
Er schien aufgeregt zu sein, und er starrte mich unverwandt an. Das Haus war aus verwittertem Holz, Lehm und Pappe. Wir gingen auf das Haus zu, zogen die Schuhe aus und traten in den Raum ein. Auf der einen Seite war der ganze Besitz der Familie an der Wand aufgestellt ein paar Kisten, ein zusammenklappbarer Tisch, ein paar Kissen und ein paar Kleider.
Die ganze Familie stand um mich herum. Sie starrten mich an und sprachen über meine Augen und meine Gesichtszüge sie sagten, ich hätte dieselben Augen und Gesichtszüge wie die Frau, die sie für meine Mutter hielten. Sie waren überzeugt davon, daß ich eine der Zwillingsschwestern war, die sie zur Adoption freigegeben hatten. Als ich sie bat, mir ihre Unterlagen zu zeigen, brachten sie mir ihre staubbedeckten Fotoalben. Sie zeigten mir vor allem ein Bild. Ein älteres Ehepaar stand auf der einen Seite des verblichenen Familienfotos. Die Tochter des Ehepaars die Frau, die sie meine Mutter nannten stand in der Mitte, der Sohn, Ko In Soo, stand mit seiner Frau auf der anderen Seite. Ko Hun Kyu war mit einigen anderen Kindern in der vorderen Reihe. Ich sah keine Ähnlichkeit zwischen mir und der Frau, von der sie behaupteten, sie sei meine Mutter, obwohl ich eine gewisse Ähnlichkeit zwischen mir und dem älteren Ehepaar sah. War diese Frau wirklich meine Mutter? Sie sah winzig und zerbrechlich aus und viel jünger als sechsundzwanzig.
Ko In Soo erzählte uns den Rest der Geschichte. Seine Schwester, Ko In Soon, hatte Kim Chin Ku geheiratet, der aus einem anderen Dorf stammte. Sie waren dann nach Ch'ungpoong gezogen, wo sie einige Zeit später einen Sohn geboren hatte. Ein Jahr nach der Geburt ihres Sohnes hatte sie Zwillinge geboren zwei Mädchen, doch sie starb kurz darauf. Als Ko In Soo vom Tod seiner Schwester erfahren hatte, war er nach Ch'ungpoong gegangen und hatte die drei Kinder nach Shillim geholt. Da er selbst einige Kinder hatte und nicht die Mittel hatte, alle zu versorgen, hatte er sich entschieden, die Zwillinge in ein Waisenhaus zu bringen. Dort hatten die Verwalter verschiedene Geburtsdaten aufgeschrieben, da sie meinten, daß Zwillinge kaum eine Chance hätten, gemeinsam adoptiert zu werden.
Inzwischen hatte Kim Chin Ku, mein Vater, wieder geheiratet. Er wollte die Kinder holen und mußte erfahren, daß die Zwillinge adoptiert worden waren. Daraufhin hatte er seinen Sohn mit sich nach Ch'ungpoong genommen. Ko In Soo erzählte mir, er habe gehört, daß die Familie immer noch dort lebe, doch der Vater sei sehr krank. Als er mit seinem Bericht zu Ende war, fragte ich Ko In Soo, ob sie noch weitere Familienunterlagen besaßen. Er ging zu den Schubladen, die auf der einen Seite des Raumes standen, und holte ein Buch aus Reispapier hervor, das mit den Jahren verblichen war. Ich öffnete das Buch und sah, daß darin der Stammbaum der Familie in chinesischen und koreanischen Schriftzeichen festgehalten war. Was für ein kostbarer Schatz Ich verließ Shillim mit dem Gefühl, daß ich gefunden hatte, was ich gesucht hatte.

Die Suche nach meinem Vater
Der nächste Schritt war, nach Ch'ungpoong zu gehen, um meinen Vater und meinen Bruder ausfindig zu machen. Ch'ungpoong liegt südwestlich von Jechon in einem abgelegenen Teil Koreas. Einige Zeit später fuhren wir mit dem Bus über ungepflasterte Straßen zwischen Reisfeldern dorthin. Als wir ankamen, fragten wir beim Meldebüro nach, doch die Beamten hatten noch nie etwas von Kim Chin Ku gehört. Wir gingen auch zur Schule, um dort die Unterlagen einzusehen. Die Schule besaß keine Unterlagen vom Sohn, doch wir trafen dort jemand, der die Familie kannte. Er erzählte uns, daß sie unter einem anderen Namen registriert waren (was nicht unüblich ist für Koreaner). Wir sahen wieder nach und fanden einen Hinweis auf eine Schule in Taegu, einer anderen Stadt in Südkorea.
Wieder in Seoul, setzte sich Präsident Ch'oi mit einigen Führern der Kirche in Taegu in Verbindung, und ihnen gelang es, mit Hilfe der Schulunterlagen zwei Adressen ausfindig zu machen: eine in Young Duk, wo Kim Chin Ku gelebt hatte, ehe er meine Mutter geheiratet hatte, und eine in Taegu. Wir wollten beide überprüfen. Präsident Ch'ois Sohn, der uns begleitete, hatte das Gefühl, wir sollten zuerst nach Young Duk gehen. Als wir im Dorf ankamen, gingen wir zur Polizeiwache. Der Beamte, der gerade Dienst hatte, kannte die Familie und bot uns an, uns zu ihr zu bringen.
Wir fuhren in einen anderen abgelegenen Teil Koreas durch Reisfelder und Berge, ehe wir in einem kleinen Dorf am Fluß einer Schlucht ankamen. Wir stiegen aus dem Taxi, und Bruder Ch'oi sprach mit einem der Dorfbewohner. Der Mann erzählte uns, daß Kim Chin Ku im Dorf wohnte und auf den Feldern arbeitete. Der Taxifahrer bot uns an, ihn zu suchen und zu uns zu bringen. Während wir warteten, stieg Panik in mir auf. Wenn der Mann nun wirklich mein Vater war?
Das Taxi kam näher. Auf dem Rücksitz saßen zwei Männer ﷓ ein kleiner Junge und ein alter Mann. Wir begrüßten uns. Der alte Mann hatte viele Falten und war von der Sonne gealtert, doch er hatte eine freundliche, aufrichtige Ausstrahlung. Ich hatte das sichere Gefühl, daß er mein Vater war.
Sein wirklicher Name war Kim Hong Suk, doch er war auch als Kim Chin Ku bekannt. Er lud uns zu sich nach Hause ein. Wir gingen eine ungepflasterte Straße entlang und betraten den Hof, wo ein Ochse an einen Baum gebunden war. Auf der anderen Seite des Hauses befand sich ein Schuppen. Im Haus lag eine Strohmatte auf dem Boden. Wir setzten uns, und dieser Mann ﷓ mein Vater ﷓ setzte sich neben mich. Er starrte mich an, und ich ihn. Nach und nach kamen die Dorfbewohner vorbei, um uns zu sehen. Wir erzählten ihm von unserer Suche, und er bestätigte, was uns Ko In Soo berichtet hatte.
Dann fragten wir nach dem Sohn ﷓ meinem Bruder. Er hieß Kim Do Yun und besuchte die technische Hochschule in Taegu. Mein Vater sagte, er würde ihn anrufen und mit ihm verabreden, daß wir ihn treffen konnten. Während er telefonierte, fragte ich die anderen Familienangehörigen, ob sie irgendwelche Unterlagen über die Familie hatten. Sie brachten mir ein umfassendes veröffentlichtes Buch über ihre Abstammung.

Von den Missionaren belehrt
Mein Vater hatte mit Kim Do Yun verabredet, daß wir ihn noch am selben Abend in einem Restaurant in Pohang treffen sollten. Als ich ihn sah, hatte ich ein warmes, friedliches Gefühl. Ich wußte, daß dies die richtige Familie war meine koreanische Familie. Mein Bruder war sehr aufgewühlt. Er zitterte und war tief bewegt, als wir ihm unsere Geschichte erzählten und die Unterlagen zeigten. Bis dahin hatte er nicht gewußt, daß die Frau, die er für seine Mutter gehalten hatte, seine Stiefmutter war. Doch nachdem er den ersten Schock überwunden hatte, schien er sich sehr zu freuen, daß er mein älterer Bruder war.
Ich wußte, daß meine Gebete erhört worden waren. Jedesmal, wenn wir eine neue Spur gefunden oder jemand aus meiner Familie getroffen hatten, hatte ich ein merkwürdig friedliches Gefühl. Als es um die Familie Ko und die Familie Kim ging, hatte ich ein anderes Gefühl als bei den vielen anderen Familien, die ich getroffen hatte und die behaupteten, ich sei ihre Tochter. Nach unserer ersten erfolglosen Fahrt nach Weonju hatte ich den Herrn angefleht, er solle es mich doch wissen lassen, wenn ich die richtige Familie traf. Das tat er auch. Wenn ich nun über meine Suche nachdenke, kann ich erkennen, daß ich nur ein Werkzeug in den Händen des Herrn war, um sein Werk zu tun. Eine starke, reale Kraft trieb mich an. Zuerst konnte ich mit diesen Gefühlen nichts anfangen, doch nun bin ich so dankbar, daß ich meine Familie gefunden habe.
Während der letzten vier Monate auf Mission konnte ich bei der Taufe meines Bruders und eines Cousins dabeisein. Es war ein erhebendes Gefühl, daß nach der langen Suche jemand aus meiner eben erst entdeckten Familie das Evangelium angenommen hatte.
Im letzten Jahr konnten mein Mann und ich nach Korea zurückkehren, wo wir noch einmal meine Familie besuchten. Mein Bruder Kim Do Yun hat eine liebe Frau aus seiner Gemeinde geheiratet. Sie haben eine kleine Tochter. Ihr Zeugnis von der Kirche und vom Evangelium hat mich mit großer Freude erfüllt.

JuLee Dunnaway, August 1993