Durch den Schleier

geschrieben von mormon | 27 Feb, 2008

In meinem letzten Schuljahr im Gymnasium hatte ich eines Tages plötzlich das Gefühl. mein Großvater wolle mich sehen. Als die Schule aus war, nahm ich mir ein Ringbuch mit und ging zu Onkel Jacob Cline hinüber. bei dem Großvater seit Großmutters Tod wohnte. Als ich ankam, saß Großvater aufrecht in seinem Bett. „Komm herein. Ray”. sagte er. „Ich habe schon auf dich gewartet.“

Er wollte mir seine Familiengeschichte erzählen. und ich sollte alles genau aufschreiben. In dem Moment wußte ich auch, warum ich mein Ringbuch mitgenommen hatte. Während der nächsten Stunde erzählte mein Großvater mir alles über seine Verwandte aus vier Generationen – Namen, Daten. Orte und Begebenheiten. Als er mir alles erzählt hatte, legte er mir seine Hand auf die Schulter und sagte sehr feierlich: „Ray, ich betraue dich mit der Aufgabe, all dieses Wissen aufzubewahren: eines Tages wirst du es brauchen. Und wenn der Tag kommt, wirst du meine Stimme hören und wissen, dass der Zeitpunkt gekommen ist, und du wirst wissen, warum ich dir all das erzählt habe.”

Es lief mir kalt über den Rücken, doch zugleich spürte ich, wie es mir ganz warm ums Herz wurde, während ich wie gebannt in die durchdringenden Augen meines Großvaters sah. Ich versprach ihm. alles. was ich aufgeschrieben hatte. aufzubewahren, auch wenn ich eigentlich gar nicht verstand, warum ich es tun sollte. Großvater starb zwei Wochen später.

Die Jahre vergingen, und ich besuchte eine Radar-Fachschule der amerikanischen Luftwaffe in Boloxi im Staate Mississippi. Einmal erwähnte einer meiner Lehrer, nämlich Norman M. Hale. bei einem Gespräch, daß er Mormone sei. Als ich abends im Bett lag, ging mir das Gespräch immer wieder durch den Kopf. Schließlich stand ich auf, zog mich an und ging zum Haus des Lehrers. Es war schon nach Mitternacht. Ich klopfte an und holte ihn mit folgender Begrüßung aus dem Bett: „Hallo, würden Sie mir wohl etwas über die Mormonenkirche erzählen?”

Hale und sein Freund, mit dem er zusammen wohnte, waren zusammen auf Mission gewesen. Sie verbrachten den Rest der Nacht damit, mir die Diskussionen zu geben. Als sie über Tempel, Genealogie und stellvertretende Arbeit für die Verstorbenen sprachen, vernahm ich eine Stimme, Großvaters Stimme, und wieder hörte ich, wie er mir feierlich meine Aufgabe anvertraut hatte. Es wurde mir warm ums Herz, und ich wußte, daß das, was ich gehört hatte, die Wahrheit war. In der kommenden Woche besuchte ich die Kirche der Heiligen der Letzten Tage zum ersten Mal. Im Oktober 1954 wurde ich dann getauft.

Meine Eltern waren über meine Taufe nicht gerade erfreut. Ich mußte meinem Vater sogar mein Wort gehen, daß ich ihm nie Mormonenlehre predigen würde. Es vergingen zehn Jahre. In dieser Zeit lernte ich eine junge Dame kennen, sprach mit ihr über das Evangelium, taufte sie und heiratete sie im Tempel in Idaho Falls. Obwohl wir aktive Mitglieder der Kirche waren, hielt ich mein Wort und verlor meinem Vater gegenüber all die Jahre hindurch niemals ein Wort über die Kirche.

Eines Tages sagte er schließlich zu mir: „Du wirst sie wirklich nie erwähnen?” Wir beide wußten, wovon er sprach. Nein“, erwiderte ich.

„Würdest du mir denn wenigstens ein paar Fragen beantworten?“ fragte er. An seinen Fragen merkte man, daß er viel darüber nachgedacht hatte. Als ich seine Fragen beantwortet hatte, sagte ich nichts weiter. obwohl ich es ihm ansehen konnte, daß er gern noch mehr wissen wollte.

„Na los“. sagte er ungeduldig. Willst du mir nicht noch ein bißchen mehr erzählen?“

„Nein”. antwortete ich. Dann war es lange Zeit still. Schließlich sagte ich: „Ich sehe, daß du viel über das Evangelium nachgedacht hast. Da wir uns so nahe stehen, wäre es wohl nicht so gut, wenn ich den Versuch machen würde, dich zu belehren. Aber ich kenne zwei nette junge Männer, die deine Fragen beantworten und dir mehr über das Evangelium erzählen können.”

„Ray, ich habe schon von den zwei netten jungen Männern gehört. Man stellt ihnen nur ein paar Fragen und im Handumdrehen ist man getauft.“

„Paß auf”, sagte ich. „Ich werde ihnen sagen, daß sie ihre Diskussionen hier als reine Information geben sollen. Wenn sie auch nur den leisesten Versuch unternehmen, dich zu irgend etwas zu drängen, werde ich sie selbst bitten, das Haus zu verlassen. Und wenn es dir nichts ausmacht, werde ich mir auch die Diskussionen anhören, um sicherzugehen, daß sie sich an die Abmachung halten.”

„Na gut“. sagte er. „aber wenn sie mich mit ihrer Taufe nicht in Ruhe lassen, werde ich sie vor die Tür setzen.“ Ich versicherte ihm, daß er zu nichts gedrängt werden würde. Am darauffolgenden Dienstagabend hörte ich mir mit meinen Eltern zusammen eine Diskussion an. Ich war angenehm überrascht, als mein Vater sagte, daß alles, was sie vorgetragen hätten, dem gesunden Menschenverstand entspräche, und daß er an das alles glaube. Nachdem meine Eltern die zweite Diskussion gehört hatten und mit allem einverstanden waren, taten die Missionare genau das, was sie nicht tun sollten, was ihnen jedoch der Geist eingab: Sie fragten meinen Vater. ob er sich taufen lassen wolle. Bevor ich überhaupt etwas sagen konnte. antwortete er bereits: „Ja. das möchte ich.” Auch Mutter wollte es. Dann machten sie noch Termine für die kommende Woche aus, um sich die anderen Diskussionen anzuhören.

Sonntags rief mich mein jüngster Bruder an. Er war in Tränen aufgelöst. Alles. was er herausbrachte, war: „Ray . . . Vater ist tot . . . Autounfall ...“ Ich mußte weinen, weil ich einen guten Freund, einen Vertrauten, Gefährten und Vater verloren hatte.

Ein Jahr darauf fuhren wir zum Tempel, um die Arbeit für meinen Vater zu tun. Während der Tempelsession, an der ich als sein Stellvertreter teilnahm, wußte ich durch das gute Gefühl, das ich dabei hatte, daß ich etwas tat, was mein Vater wirklich wollte.

Als wir uns im Siegelungszimmer, wo er an seine Eltern gesiegelt werden sollte, um den Altar knieten, spürte ich, wie ich von einer warmen Licht eingehüllt wurde. Ich wußte, der Geist meines Vaters war anwesend. Als ich den Tempelpräsidenten ansah, bemerkte ich, daß in seinen Augen Tränen standen. „Bruder Snelson“, sagte er zu mir. „erzählen sie mir etwas über ihren Vater.” Ich fing an ihm zu erzählen, wie sehr ich ihn liebte und wie nah ich mich ihm fühlte, da unterbrach er mich: Nein, nein — wie sah er aus?“ Als ich ihn beschrieb. kam ein friedliches Lächeln in das Gesicht des Tempelpräsidenten.

Als die Siegelung vollzogen war, bat er alle außer mir, den Raum zu verlassen. Er nahm mich bei der Hand, und wir setzten uns nebeneinander. Zu dem Zeitpunkt standen uns bereits beiden die Tränen in den Augen, und hatte das Gefühl, als wäre der Raum elektrisch geladen. Der Tempelpräsident fragte mich: Sie wissen es, nicht wahr?“

.,Ja“, sagte ich leise.

Er fügte hinzu: „Ihr Vater stand direkt hinter Ihnen.”

Wieder mußte ich weinen. aber dieses Mal vor Freude.

 Ray J. Snelson, September 1983

Genelogie und Tempelarbeit

geschrieben von mormon | 27 Feb, 2008

George Durrant  , Mai 1984
Kürzlich fragte ich anläßlich einer Diskussion den derzeitigen Geschäftsführer der Genealogischen Gesellschaft, Elder Royden G. Derrick vom Ersten Kollegium der Siebzig: „Wie sehen Sie den Zusammenhang zwischen Genealogie und Tempelarbeit?”

Er erwiderte: „Eins kann nicht ohne das andere sein.”

Genealogie und Tempelarbeit lassen sich nicht trennen. Es handelt sich um zwei untrennbare Teile einer einzigen göttlichen Verfügung, die der Herr uns zur Erlösung der Toten gegeben hat. Für einen Heiligen der Letzten Tage sollte es nicht bloß ein Steckenpferd sein, nach seinen Vorfahren zu forschen. Vom Standpunkt der Ewigkeit aus gesehen ist Genealogie ohne Tempelarbeit oder Tempelarbeit ohne Genealogie nicht sinnvoller, als wollte man mit einem halben Ball ballspielen.

Manche meinen, die Tempelarbeit sei schon von ihrem Wesen her wichtiger und heiliger — die obere Hälfte des Balls, sozusagen. Doch bei einem rollenden Ball gibt es weder oben noch unten. Ich habe Mitglieder der Kirche sagen hören: „Ich gehe gern in den Tempel, um die heiligen Handlungen zu vollziehen, aber Genealogie interessiert mich einfach nicht.” Andere meinen: „Wenn ich könnte, brächte ich meine ganze Zeit mit Genealogie zu. Ich finde es so aufregend, daß ich vom Morgen bis zum Abend in der genealogischen Bibliothek sein könnte.” Wären wir alle entweder der einen oder der anderen Ansicht, so hätten wir entweder im Tempel einen riesigen Überschuß an Namen oder lange Warteschlangen vor dem Tempel, weil es keine Namen gäbe. Elder Boyd K. Packer vom Kollegium der Zwölf machte den Zusammenhang zwischen den beiden Bereichen deutlich, indem er sagte: „Es kann einem nicht an der Tempelarbeit gelegen sein, ohne daß man zugleich der genealogischen Arbeit große Bedeutung beimißt. Die genealogische Arbeit ist als Dienst für den Tempel grundlegend. Bliebe das genealogische Programm ergebnislos, so müßten auch die Tempel geschlossen werden.” (The Holy Temple, S. 224.)

Im Oktober 1975 sagte Elder Packer vor einer Gruppe Regionalrepräsentanten:

„In den vergangenen zwei Monaten habe ich einige Hohenpriestergruppen besucht. Meistens war ich nur Zuhörer. Ich wollte herausfinden, was die Hohen Priester in diesem Punkt tun — und warum nicht! Die Ermittlung war hochinteressant...

Ich besuchte eine Hohenpriestergruppen mit 39 Mitgliedern, alle mit guter Ausbildung und gutem Einkommen und viele bereits in Pension. Während der letzten Jahre hatten sie 1122 Tempelendowments vollzogen. In derselben Zeit wurden von dieser Gruppe infolge ihrer eigenen genealogischen Forschungsarbeit in ihren eigenen Familienurkunden ganze zwei Namen eingeschickt, wovon einer noch nicht für die Tempelarbeit freigegeben war. Wie ich festgestellt habe, ist diese Situation typisch.

Die genealogische Arbeit in der Kirche wird größtenteils einigen wenigen überlassen, die sich besonders dafür interessieren, diese Arbeit aufregend finden und sich ihr voll und ganz widmen.” (Ebda.)

Manche meinen, auf irgendeine Weise gäbe es immer Namen im Tempel, ohne daß sie etwas dazutun — so wie für die Israeliten in der Wüste jeden Morgen Manna auf der Erde lag.

Wir sollen aber mit der Familie arbeiten und Namen aus der eigenen Familie bringen, damit wir, wenn wir in den Tempel gehen, es für unsere eigenen verstorbenen Vorfahren tun. Der Herr hat jeden von uns und unsere Familien durch seine Knechte aufgefordert, dafür zu sorgen, daß für unsere verstorbenen Vorfahren die heiligen Handlungen des Tempels vollzogen werden. Elder Mark E. Peterson vom Kollegium der Zwölf hat betont:

„Worin besteht also unsere Obliegenheit? Jeder von uns muß — wenn er vorgibt, überhaupt nach dem Evangelium zu leben — nach unseren Verstorbenen forschen und die errettenden heiligen Handlungen für sie vollziehen lassen.

Viele meinen, sie würden ihrer Verantwortung gerecht, indem sie einfach in den Tempel gehen. Aber das stimmt nicht ganz. Freilich müssen wir in den Tempel gehen, sogar oft. Wer noch keine Unterlagen über seine eigenen Vorfahren hat, soll natürlich anderen mit ihren Namen helfen, während er nach seinen eigenen forscht.

Aber wir müssen verstehen, daß wir unsere Pflicht nur teilweise erfüllen, wenn wir nicht für unsere eigenen Verstorbenen in den Tempel gehen, denn es wird auch von uns gefordert, daß wir ausdrücklich zur Errettung unserer eigenen Vorfahren in den Tempel gehen und die verschiedenen Generationen durch die Macht des heiligen Priestertums aneinanderbinden sollen.

Machen wir uns von dem Irrtum frei, wir erfüllten durch den Tempelbesuch unsere ganze Pflicht, denn es ist nicht so. Das allein ist nicht genug .. .

Gott macht jeden für die Errettung seiner eigenen — ausdrücklich seiner eigenen — Familie verantwortlich.” (GK, April 1976.)

Haben Sie schon erlebt, wie schön es ist, für den eigenen Großvater oder für die eigene Urgroßmutter durch den Tempel zu gehen — oder können Sie sich dieses Erlebnis vorstellen? Nichts ist uns so teuer wie die Erlebnisse, die wir geistig nennen. Und bei keiner anderen Tätigkeit in der Kirche kann man mehr davon haben, als wenn wir nach unseren Verstorbenen forschen und für sie durch den Tempel gehen. Elder Packer hat diesbezüglich gesagt:

„Keiner in der Kirche kann diese Arbeit tun, ohne daß er dadurch geistig beeinflußt wird. Dieses Werk ist vom Geist des Elija durchdrungen. Viele der kleinen Ärgernisse unseres Lebens, die kleinen Schwierigkeiten und trivialen Probleme, die uns zusetzen, werden in die richtige Perspektive gerückt, wenn wir sehen, wie die Generationen für die Ewigkeit miteinander verbunden werden. Wir werden viel geduldiger. Wer in seinem Leben von Würde, Weisheit, Inspiration und Geistigkeit beeinflußt werden will, widme sich der Tempelarbeit und der genealogischen Arbeit.” (The Holy Temple, S. 224f.)

Es ist etwas Besonderes, wenn man für jemanden durch den Tempel geht, nach dessen Namen man zusammen mit der Familie selbst gesucht, ihn vorbereitet und eingeschickt hat.

Ich habe Mitglieder sagen hören: „Die Arbeit für unsere eigenen Namen ist bereits getan.” Solange einem klar ist, daß das nur ein Scherz sein kann, mag man so etwas ruhig sagen. Elder W. Grant Bannigerer vom Ersten Kollegium der Siebzig hat darüber gesagt: „Ihre genealogische Arbeit ist nicht abgeschlossen. Meine Großeltern haben vor fünfzig Jahren die ,ganze' Tempelarbeit für ihre verstorbenen Verwandten getan, aber unsere Familie hat seither 16000 weitere Namen gefunden.” (GK, April 1982.)

Neubekehrten oder Mitgliedern, deren Genealogie aus irgendeinem Grund vernachlässigt wurde, bietet sich hier eine aufregende Möglichkeit. Für sie ist das Feld in der Tat weiß, zur Ernte bereit. Wenn alle 50000 Familien, die jedes Jahr getauft werden, nur die Namen ihres Viergenerationenprogramms und der verstorbenen Kinder dieser Vorfahren einschickten, so würden jährlich mindestens 3500000 Menschen die heiligen Handlungen empfangen.

Hegen Sie im Herzen den Wunsch, für Ihre eigenen Angehörigen zu sorgen. Es gibt in der Kirche viel zu tun. Die Genealogie soll nicht alles andere verdrängen, und das andere soll auch nicht die Genealogie verdrängen. Wenn die Bemühungen des einzelnen und der Familie gut geplant sind, kann die Durchschnittsfamilie mit normalem Arbeitsaufwand selbst die Namen ihrer verstorbenen Vorfahren ausfindig machen und für sie die heiligen Handlungen vollziehen. Und natürlich soll auch jeder die Zweite Meile gehen und im Tempel auch für andere arbeiten.

Genealogie und Tempelarbeit gehen, wie Elder Derrick gesagt hat, Hand in Hand. Große Segnungen winken dem, der weiß, daß eins ohne das andere nicht sein kann. Beides zusammen erfüllt uns die ganze Seele mit Freude darüber, daß wir im herrlichen Erlösungswerk für die Toten mitwirken können.

George Durrant ist Vater von acht Kindern, Direktor der Priestertumsgenealogie und Bischof der Gemeinde Mt. Olympus III in Salt Lake City.

Bitte verrichte meine Arbeit

geschrieben von mormon | 27 Feb, 2008
Terry Lynn Fisher, Mai 1984

Als mein Mann und ich noch unter einem Monat verheiratet waren, mußte er die militärische Grundausbildung erfüllen. Es wurde mir nicht gestattet, ihn zu begleiten, also blieb ich während der sechs Monate, in denen er fort war, in Provo, Utah und arbeitete. Das entsprach gar nicht meiner Vorstellung vom Eheleben — mein Mann fast zweitausend Kilometer entfernt und nicht einmal in der Lage, für einen Besuch nach Hause zu kommen. Ich war eine sehr unglückliche Braut.

Während dieser Zeit wurde ich eines Nachts durch eine Stimme, die mir in den Sinn kam, aus tiefem Schlaf geweckt. Während ich dem zuhörte, was gesagt wurde, erkannte ich, daß mein Ururgroßvater zu mir sprach. Ich faßte mich einen Augenblick, hörte zu und dachte nach. Mein Ururgroßvater beauftragte mich, seine Familie an ihn siegeln zu lassen. Er hatte in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten gelebt. Aufgrund des amerikanischen Bürgerkriegs und den wirtschaftlichen Zuständen vor dem Krieg war mein Ururgroßvater Georg Wilkie sehr oft fern von seiner geliebten Frau und seinen vier Söhnen. Schließlich starb er, während er seinem Land im Bürgerkrieg diente.

Ich hatte Kopien von Briefen gelesen, die George Wilkie an seine Familie nach Hause geschrieben hatte und von Briefen, die seine Familie ihm während seines oftmaligen Fernbleibens geschickt hatte. Ich hatte auch seine Tagebücher gelesen. Diese Briefe und Tagebücher spiegelten die Liebe wieder, die einer für den anderen in der Familie hatte, wie auch ihre Wünsche, wieder vereint zu sein.

Meine Vorfahren waren keine Heiligen der Letzten Tage und hatten daher nicht die Segnungen des Evangeliums. Nun, mitten in der Nacht, war hier mein Ururgroßvater Wilkie und sagte mir: „Terry Lynn, bitte sorge dafür, daß meine Familie an mich gesiegelt wird. Ich möchte mit ihnen durch alle Ewigkeit zusammen sein. Bitte verrichte die Arbeit für uns im Tempel. Du bist nun fern von deinem Mann — stell dir vor, das wäre ewig so. Es ist furchtbar. Ich möchte an meine Frau gesiegelt werden.” Dann war die Stimme so schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen war. Zuerst dachte ich, daß ich mir etwas eingebildet haben mußte. Ich lag da und dachte über meine Ururgroßeltern nach. Ich entschied mich dafür, daß ich ihre Genealogie tun und mit der Arbeit beginnen sollte, wenn ich die Zeit dafür hätte. Dann fing ich an, wieder einzuschlafen. Ich war erschrocken, als die Stimme wiederkam und in etwa das gleiche sagte, nur drängte sie mich diesmal dazu, daß ich die Arbeit bald verrichten sollte. Ich beschloß, am nächsten Tag deswegen etwas zu unternehmen. Wie auch immer, offensichtlich wußte mein Großvater, daß ich am nächsten Tag zerstreut sein würde, weil er noch ein drittes Mal zu mir sprach und mir sagte, daß ich jetzt etwas tun soll.

Ich konnte nicht ganz glauben, was geschah, doch mitten in der Nacht stand ich auf und begann, an der Genealogie zu arbeiten. Ich sah verschiedene Papiere und Aufzeichnungen durch und fand die Information, die ich brauchte, um zu beginnen. Dann schrieb ich Briefe, in denen ich um Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden bat. Als ich alles getan hatte, was ich zu der Zeit tun konnte, begab ich mich schließlich wieder ins Bett zurück.

Ich arbeitete viel an der Genealogie während der sechs Monate, in denen mein Mann fort war. Schließlich war es mir möglich, mit meinem Vetter zum Tempel zu gehen und meine Ururgroßeltern siegeln zu lassen. Ich kann bezeugen, daß ich ihre Gegenwart dort im Tempel gefühlt habe und wußte, daß sie endlich wirklich glücklich und für ewig zusammen sein konnten.

Während der nächsten vier Jahre wurde von meinem Mann erwartet, die meiste Zeit von zu Hause fernzubleiben. Ich wurde oft getröstet und gestärkt, wenn ich die Tagebücher meiner Ururgroßeltern las. Darum wissend, daß sie ähnliche Situationen erfahren hatten, half es mir irgendwie, mein Leben in die richtige Perspektive zu bringen. Ich fühlte mich ihnen sehr nahe und obwohl ich sie nie getroffen hatte, spürte ich, daß ich sie kannte. Das Beispiel, daß mir meine Ururgroßeltern unwissentlich gegeben haben, ist und bleibt eine Inspiration.

Terry L. Fischer, Mutter von drei Kindern und Teilzeit-Studentin an der Brigham-Young-Universität, ist Ratgeberin in der PV-Leitung der 102. Gemeinde der BYU.

Meine Mission über die Jahrhunderte hinweg

geschrieben von mormon | 22 Feb, 2008

Als der Patriarch die Hände von meinem Kopf nahm, konnten weder er noch ich ahnen, daß ein Großteil des Patriarchalischen Segens sich so bald und auf so überraschende Weise erfüllen würde. Die Lehre - nämlich die von meiner Verantwortung, nach meinen verstorbenen Vorfahren zu forschen -, die mich bei meiner Bekehrung zwei Jahre zuvor so freudig erregt hatte, war in meinem Segen gleich dreimal ausdrücklich erwähnt. Als ich mich aber als einziges Mitglied meiner Familie der Kirche angeschlossen hatte, war mir diese Aufgabe überwältigend vorgekommen.
Ein paar Jahre nachdem ich meinen Patriarchalischen Segen erhalten hatte, ging ich nach Frankreich und Belgien auf Mission. Ich hoffte, ich würde dort auch etwas Genealogie betreiben können. Mein Vater hatte mir irrtümlicherweise gesagt, daß Jaccard die englische Schreibweise des verbreiteten französischen Familiennamens Jacquard meines Aufenthalts in Frankreich etwas über meine Vorfahren herauszufinden.
Gegen Ende meiner Mission gab mir mein Missionspräsident den Auftrag, den Mitgliedern in Brüssel bei ihrer genealogischen Forschung und ihrer Tempelarbeit behilflich zu sein. Von einem anderen Missionar bekam ich ein kleines Buch mit dem Titel „Was weiß ich über Genealogie?”
Als ich das Buch zum ersten Mal las, fiel mir in der Liste der Verfasser ein Name auf: Dr. Joseph Jacquart. Das war eine dritte Möglichkeit, meinen Namen zu schreiben, und die Aussprache mochte die gleiche sein! Als Dr. Jacquarts Adresse war das Belgische Zentrum für genealogische und demographische Studien in Brüssel angegeben.
Ich rief sofort das Zentrum an und vereinbarte einen Termin mit Dr. Jacquart. Als wir zum vereinbarten Zeitpunkt im Zentrum ankamen, erfuhren wir, daß Dr. Jacquart krank war. Der Präsident des Zentrums führte uns freundlicherweise durch das Gebäude. Wir fragten ihn, was er denn von der Kirche wisse und ob er gern mehr erfahren würde.
Zu meiner Überraschung antwortete er „Ja! Würden Sie zu unserer nächsten monatlichen Versammlung unserer Gesellschaft kommen und einen Vortrag über die Genealogie der Mormonen halten? Inzwischen gebe ich Dr. Jacquart die Informationen in bezug auf Ihre Ahnenlinie.”
Als mein Mitarbeiter und ich am vereinbarten Tag ankamen, war der Vortragssaal voller Menschen. Als wir unsere Geräte und unser Anschauungsmaterial aufstellten, wurde ich von einem weißhaarigen Herrn begrüßt, der sich als Dr. Jacquart vorstellte. Er gab mir eine Genealogiekarte von Frankreich, Belgien und der Schweiz und erklärte mir, daß Jacquard, Jacquart, Jaccard schweizerisch seien. Er fügte noch hinzu, daß er einen Artikel über die Familie Jaccard in der Schweiz geschrieben habe und daß er die Adressen einiger Leute habe, mit denen ich wahrscheinlich verwandt sei.
Einige Wochen später wurde ich von meiner Mission entlassen. Mit den Adressen, die ich nun hatte, rief ich Dr. Robert Jaccard in Bern an. Schnell stellte er die Beziehung zwischen mir und ihm her. Er notierte die Informationen, die ich hatte, und empfahl mir, in den Archiven von Besançon in Frankreich nachzuforschen, einer Stadt, die nicht weit vom schweizerischen Dorf Sainte-Croix entfernt liegt, aus dem der Name Jaccard stammt.
In Besançon entdeckte ich in meiner Ahnenlinie das Glied zwischen Amerika und der Schweiz. Ungefähr einen Monat nachdem ich Dr. Robert Jaccard von meinen Entdeckungen berichtet hatte, schickte er mir die Namen aller direkten Vorfahren der Jaccard-Linie bis 1350 n. Chr.: Alle stammten aus Sainte-Croix. Seitdem habe ich die kompletten Familiengruppen für alle meine Vorfahren ermittelt und für viele von ihnen die Tempelarbeit durchführen lassen.
Wenn ich auf dieses Erlebnis zurückblicke, so denke ich, daß viele meiner Vorfahren jenseits des Schleiers ein aktives Interesse nicht nur an meiner Missionsarbeit gehabt haben müssen, sondern auch an meiner anderen Mission, nämlich meine Vorfahren zu ermitteln. Diese „Familienmission” umfaßt wesentlich mehr Jahre als die zweieinhalb, die ich als Missionar in Europa gedient habe
.

Jerry L. Jaccard ist Bischof der Gemeinde Hartford 1 im Pfahl Hartford Connecticut, September 1987

 

Das verschwundene Buch

geschrieben von mormon | 21 Feb, 2008

Es war ein wunderschöner Sommermorgen in Norddeutschland. Ich fuhr mit meinem Mann von unserem Wohnort Frederiksberg in Dänemark zu dem Landkreis, in dem die Mutter meiner Mutter geboren war. Wie ein Kind, das sich darauf freut, daß ein großer Wunsch in Erfüllung geht, hatte ich einen Frosch im Hals, als ich zum ersten Mal auf einem Hinweisschild „Ladelund” las. Seit ich Mitglied der Kirche war, verspürte ich den brennenden Wunsch, den Namen meiner Großmutter für die Tempelarbeit einzureichen. Oft hatte ich in meiner genealogischen Forschung göttliche Führung erfahren, und ich freute mich darauf, meiner Großmutter zu helfen, die Fülle der Segnungen des Evangeliums zu erhalten.

Ich hatte nach Ladelund geschrieben, um zu erfahren, in welcher Kirchengemeinde die Urkunden über meine Großmutter zu erhalten waren. Dann hatte ich den Pfarrer angerufen und einen Termin ausgemacht, an dem ich die Bücher mit den Eintragungen ausleihen konnte..

Als wir in dem gemütlichen kleinen Haus in Ladelund ankamen, begrüßte die Pfarrsekretärin uns herzlich. Sie ging zum Safe, um das Buch zu holen, das ich ausleihen wollte, und kam völlig verblüfft zurück. „Das Buch, das Sie brauchen, ist nicht da; dabei war es gestern noch hier”, sagte sie. Gemeinsam suchten wir die Bücherregale ab, konnten es aber nicht finden.

Ich war zutiefst enttäuscht. Ich hatte mich so angestrengt. Warum half der himmlische Vater mir jetzt nicht? Ich ging zum Auto, um auf den nächsten Termin in ein paar Stunden zu warten. Während ich weinend dasaß, hatte ich die Idee, daß wir vielleicht in den kleinen Ort fahren konnten, wo die Familie meiner Großmutter gewohnt hatte. Das war zwar schon über hundert Jahre her, aber ich wollte einfach sehen, wie es dort aussah.

Wir kamen gegen Mittag an und sahen niemanden auf der Straße. Wir fuhren an etlichen Häusern vorbei, und schließlich sah ich eine Frau, die ihre Fenster putzte. Wir hielten an, und ich klingelte, um zu fragen, ob sie etwas über die Familie meiner Großmutter wußte. Als ich an der Haustür stand, sah ich auch das Namensschild. Mein Herz setzte fast aus, als ich den Namen Carstensen las. Das war der Familienname meiner Großmutter gewesen!

Da machte die Frau auch schon die Tür auf und fragte im schönsten Platt, was ich denn wolle. Nachdem ich mein Anliegen vorgetragen hatte, antwortete sie: „Ach so, Sie wollen Mutters Ahnentafel sehen. Ich hole sie Ihnen." Sie ging aus dem Zimmer und kam mit einer Ahnentafel zurück, die meine Vorfahren bis ins siebzehnte Jahrhundert verzeichnete. Neben dem Namen jedes Ehepaars waren Geburts-, Heirats- und Sterbedatum aufgeführt, dazu alle Kinder, mit Geburts- und Heiratsort. Dieses eine Dokument lieferte mir mehr Informationen über die Familie meiner Großmutter, als ich aus den Kirchenbüchern erhalten hätte. Jetzt wußte ich genau, wo ich die Kinder alle zu suchen hatte.

Als ich wieder zu Hause in Dänemark war, erhielt ich einen Brief von der Pfarrei in Ladelund. Die Sekretärin hatte mir die Angaben aus dem verschwundenen Buch geschickt und erklärt, daß es versehentlich in den falschen Schrank gestellt worden war. Dank diesem „Versehen” hatte ich allerdings nicht bloß einen, sondern über hundert Namen meiner deutschen Vorfahren gefunden. Der Herr hatte mir wirklich geholfen, auch wenn mir das erst nicht bewußt gewesen war.

 

Anna Margarethe Krogh Thomsen, Juni 1987

Als der Herr mir die Augen öffnete

geschrieben von mormon | 20 Feb, 2008

Was für eine wunderschöne Geschichte, dachte ich, hielt inne und hob den Blick. Ich hatte in 2 Könige 6 gelesen, wo es um den Propheten Elischa geht.

Israel führte gerade Krieg gegen die Aramäer, und der König von Aram ließ ein Heer zur Stadt Dotan marschieren, das Elischa gefangen nehmen sollte. Als Elischas Diener merkte, dass die Stadt von aramäischen Truppen umstellt war, rief er aus: ,Wehe, mein Herr, was sollen wir tun?" (Vers 15.)

„Fürchte dich nicht”, beruhigte Elischa ihn. „Bei uns sind mehr als hei ihnen.” (Vers 16.) Elischa bat den Herrn, seinem ängstlichen Diener die Augen zu öffnen. Und dann wurden dem Diener auf höchst dramatische Weise die Augen geöffnet, und er sah, dass der Berg, auf dem sie standen, „voll von feurigen Pferden und Wagen” war (siehe Vers 17).

Ich markierte die Verse schnell. Diese Geschichte gefiel mir ausnehmend gut, und ich dachte weiter darüber nach. Und eigentlich hoffte ich selbst auf eine ähnliche Kundgebung. Ich befasste mich gerade mit genealogischen Forschungen und war bei der Sammlung von Daten auf viele Schwierigkeiten gestoßen. Die meisten meiner Verwandten wussten kaum noch etwas über unsere Vorfahren, und ein großer Teil der Heirats- und Sterbeurkunden war vernichtet worden, als im Zweiten Weltkrieg Bomben auf die Philippinen fielen. Doch ich ließ mich nicht entmutigen und hoffte weiter auf irgendein beeindruckendes, dramatisches Ereignis. Ich hatte schon viele Leute erzählen hören, wie Gott ihnen bei der genealogischen Forschung bzw. der Tempelarbeit durch Träume und andere heilige Erlebnisse geholfen hatte, die Angaben ausfindig zu machen, die ihnen noch fehlten.

Dennoch erlebte ich beim Durchforsten alter Aufzeichnungen und beim Streifen über Friedhöfe kein Wunder. Ich hatte weder Träume, noch erschienen mir Besucher aus der Geisterwelt. Und trotzdem tat sich vor mir ein Weg auf. Als ich in der für unsere Region zuständigen Genealogie-Forschungsstelle war, ließ ein anderer Besucher einmal einen Mikrofilm draußen liegen. Als ich mir diesen Film anschaute, sah ich, dass er die Ergebnisse einer Volkszählung aus dem 19. Jahrhundert enthielt, die in meiner Heimatstadt stattgefunden hatte. Voller Begeisterung nahm ich zur Kenntnis, dass in den Aufzeichnungen Listen ganzer Familien vorhanden waren — mit allen Geburts- und Sterbedaten und der Angabe des Berufes. Wochenlang war ich nun damit beschäftigt, anhand dieses Mikrofilms meinen Stammbaum zu komplettieren. Schließlich hatte ich sechs Generationen väterlicherseits gefunden. Ich war überglücklich und zeigte das Ergebnis meiner Arbeit einer Verwandten. „Du bist erst halb so alt wie ich”, rief sie erstaunt, „und weißt trotzdem mehr über meinen Großvater als ich selbst!”

Aber noch lag eine weitere schwierige Aufgabe vor mir, denn ich wusste nur wenig über die Linie meiner Mutter. Ihre Eltern wohnen auf einer Insel ganz im Süden. Das ist ziemlich weit von uns entfernt, und ich hatte nicht genug Geld, um dorthin zu reisen.

Dann überraschte meine Mutter mich eines Tages mit der Ankündigung: „Dein Großvater möchte, dass wir alle zu einer Familienfeier nach Hause kommen:” ,Wann denn?", fragte ich fröhlich. „So bald wie möglich.”

Glücklicherweise bekamen wir das Geld für die Flugtickets zusammen. Auf der Familienfeier ergab sich für mich die Gelegenheit, von den Verwandten meiner Mutter viele Informationen zu sammeln. Umgehend reichte ich dann die Namen von 86 Vorfahren im Manila-Tempel ein. Meine Sammlung war zwar bescheiden im Vergleich mit manch anderer, aber ich war trotzdem sehr glücklich darüber.

An einem sonnigen Februarmorgen ging ich in den Manila-Tempel und ließ mich nacheinander für meine Vorfahren taufen. Als ich so im Taufecken stand, hatte ich die leise Hoffnung, meine Vorfahren sehen bzw. ihre Stimme hören zu können. Auch an den darauf folgenden Tagen ging ich in den Tempel, um meine Arbeit zu vollenden; dabei hoffte ich immer noch auf ein spektakuläres Erlebnis. Ich dachte, dass ich vielleicht von meinen Vorfahren träumen würde. Ich stellte mir vor, dass meinen Verwandten außerhalb der Kirche vielleicht das Herz erweicht würde und sie mehr über meine Forschungen wissen wollten. Es konnte ja sogar sein, dass sie sich zur Kirche bekehrten.

Aber nichts Derartiges geschah. Die Tage verflossen in der gewohnten Alltagsroutine. Ich war bestürzt und fragte mich: 'X bleiben die Segnungen des Herrn? Wo bleiben die Segnungen, die er denen verheißen hat, die mithelfen, die Toten zu erlösen? Ein paar Tage später ging ich abends wieder in den Tempel, um an einer Session teilzunehmen. Im Tempel schaute ich auf das stille Wasser im Taufbecken. Und plötzlich verstand ich etwas, was mir vorher nicht bewusst gewesen war. War das Recht, mich für meine Vorfahren taufen zulassen, nicht schon eine wundervolle Segnung an sich? Ich dachte an die vielen wertvollen Aufzeichnungen, auf die ich während meiner Forschungen gestoßen war. Hatte der Herr mir nicht den Weg bereitet? Hatte ich nicht mehr erreicht, als ich je zu hoffen gewagt hätte?

Da fiel mir die Schriftstelle aus dem Alten Testament wieder ein. Elischas Diener wurden die Augen geöffnet, und er sah das Heer des Herrn. Der Herr öffnete auch mir die Augen und ließ mich die Segnungen verstehen, die mir zuteil geworden waren. Als ich an jenem Abend wieder nach Hause ging, empfand ich nichts als Dankbarkeit.

Mir ist bewusst geworden: Wenn man seine geistigen Augen öffnet, dann merkt man, dass Segnungen nichts Dramatisches an sich haben müssen. Dann sieht man, wie sich die Liebe des Herrn kundgetan hat, und ist dankbar dafür. Zwar bin ich manchmal noch geneigt, dies zu vergessen, aber dann spreche ich das Gebet des Elischa: „Herr, öffne mir die Augen, damit ich sehe.”

Tayo M. Tuason 

Im Leben Freude finden

geschrieben von mormon | 19 Feb, 2008

Im Juni 1991 zog ich zusammen mit meiner Frau, Alla und unserem Sohn, Alex, von Weißrussland in der ehemaligen Sowjetunion nach Dänemark. Ich hin von Beruf Anästhesist und war deshalb stark daran interessiert, meine Englischkenntnisse zu verbessern. Deshalb meldete ich mich zu einem Sprachkurs an, der von zwei Missionarinnen durchgeführt wurde, die in der Dänemark-Mission Kopenhagen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage dienten.

Dort stellte ich fest, dass ich mehr lernen wollte als nur Englisch. Erst als die sowjetische Regierung nach jener bemerkenswerten Periode in der sowjetischen Geschichte, die als glasnost bezeichnet wird, das Religionsverbot aufgehoben hatte, hatte ich mich mit Jesus Christus beschäftigt. Doch die Rituale in der am weitesten verbreiteten Kirche gefielen mir gar nicht, und deshalb hatte ich diese Angelegenheit nicht weiter verfolgt. Die Missionarinnen waren anders. Ihre Freundlichkeit wärmte mir das Herz, und als sie uns erklärten, dass Menschen sind, „damit sie Freude haben können”, (2 Nephi 2:25), war ich hellauf begeistert. Ich konnte mich nämlich nur an zwei Tage erinnern, wo ich Freude empfunden hatte, nämlich am Tag, als ich Alla geheiratet hatte, und am lag, als Alex geboren wurde. Und nun konnte ich im wahrsten Sinne des Wortes die Freude im Gesicht der Missionarinnen sehen, wenn sie über das Evangelium sprachen.

Die übrigen Missionare und die Mitglieder, die Alla und ich kennen lernten, bestätigten unseren ersten Eindruck. Ich sagte zu Alla: „Wenn es in dieser Kirche so wunderbare Menschen gibt, dann muss dies wirklich die wahre Kirche sein!”

Alla und ich ließen uns im August 1991 taufen. Dabei spürten wir die Wärme im Herzen, die einem zuteil wird, wenn man die Gabe des Heiligen Geistes empfängt. Unser Körper und unsere Seele wurden rein gemacht, und wir waren glücklich wie nie zuvor. Dabei war das erst der Anfang. Bei jeder Versammlung spürten wir wieder das Gleiche, was wir schon hei unserer Taufe gespürt hatten. Wir sind ruhiger, geduldiger und freundlicher geworden. Wir sind bemüht, dem vollkommenen Beispiel Jesu Christi nachzueifern, obwohl das manchmal gar nicht so einfach ist. Im Juli 1993 wurden Alla, Alex und ich im Stockholm-Tempel aneinander gesiegelt. Als wir — umgeben von Freunden, zu denen auch Reid und Donna Johnson, der Tempelpräsident und die Oberin gehörten — am Altar im Tempel knieten, da spürten wir auch wieder die innere Wärme, die unsere Bekehrung begleitet hatte. Wir waren wie durchgefrorene, durchnässte, hungernde und ausgesetzte Kätzchen gewesen, die in der Kirche Obdach, Wärme und Nahrung gefunden hatten. Das Evangelium hatte dazu beigetragen, unser kaltes Herz zu wärmen und uns die Augen zu öffnen, so dass wir anfangen, bewusst, dass wir noch sehr viel Arbeit im Tempel zu leisten haben. Das Glück, das wir als Mitglieder der Kirche Christi spüren, wird immer größer. Je länger wir in der Kirche dienen, desto mehr Glück scheinen wir zu erfahren. Es war für uns eine unerwartete und umso schönere Überraschung, wahre Freude erleben zu dürfen.

Seit unserer Bekehrung ist jetzt schon einige Zeit vergangen. Wir hatten inzwischen viele Schwierigkeiten zu bewältigen. Die Kraft, die uns über diese Schwierigkeiten hinweg geholfen hat, ist zum größten Teil auf das Beispiel der Mitglieder zurückzuführen, die ihrerseits bemüht sind, dem Beispiel Jesu Christi nachzueifern.

Igor Burceff

 

Der Geist des Elija

geschrieben von mormon | 19 Feb, 2008

 

Auf dem unbewohnten Grundstück sah er vor seinen Füßen ein vergilbtes, schmutziges Stück Papier. Es war die Heiratsurkunde seiner Großeltern.

 

Während einer Klasse über das Buch Mormon vor vielen Jahren ist etwas geschehen, was mein Leben sehr stark beeinflusst hat. Bruder Fernand Aguilar, unser Lehrer, erzählte uns von etwas, was sein Mater Santiago Aguilar II., erlebt hatte, als er bemüht war, genealogische Daten zu seinen Vorfahren ausfindig zu machen. Er hatte auch schon viele Namen im Tempel eingereicht. Dennoch gelang es ihm nicht, in einem Zweig seiner Familie mehr über seine Großmutter und deren Vorfahren herauszufinden. Obwohl er viele Reisen unternahm und unablässig forschte, war es ihm nicht gelungen, die notwendigen Daten seiner Großmutter zu finden. Doch der Geist drängte ihn, immer weiter zu suchen.

Bruder Fernando Aguilar, der derzeit als Teilzeit-Koordinator für das Bildungswesen der Kirche in Chile arbeitet, erzählte weiter: „Eines Tages hatte mein Vater das Gefühl, er solle noch einmal in ein kleines Dorf fahren, das etwa neunzig Kilometer östlich der Stadt Osorno liegt. Dieses Dorf ist etwa fünfhundert Kilometer von seinem Wohnort Talcahuano entfernt. Dabei hatte er erst vor kurzem unsere Verwandten dort besucht und von ihnen genealogische Daten bekommen. Er konnte sich nicht vorstellen, warum er noch einmal dorthin fahren sollte. Aber das drängende Gefühl blieb. Also machte er sich mit einem Gebet um Führung wieder auf den Weg ins Dorf. Als unsere Verwandten ihn sahen, waren sie erstaunt, dass er schon wieder da war, und versicherten ihm, sie hätten ihm alle genealogischen Daten gegeben, die sie besäßen. Mein Vater sagte einfach habe das Gefühl gehabt, noch einmal herkommen zu müssen, auch wenn er nicht recht wisse, weshalb.

Den folgenden Tag brachte er damit zu, nach weiteren Daten zu forschen. Er fand aber nichts. Als er abends müde zum Haus seines Onkels ging, fühlte er sich gedrängt, einen anderen Weg einzuschlagen. Mein Vater befolgte diese Eingebung, obwohl er nicht wusste, wohin der Weg ihn führte und warum. Der neue Weg führte an einem großen Grundstück vorbei, auf dem allerlei Müll lag, und er fühlte sich gedrängt, den Pfad einzuschlagen, der über das Land führte.

Als er das Grundstück betreten hatte, blieb er plötzlich stehen und fing an, sich umzusehen, weil er wissen wollte, warum er nun hier stand — so weit entfernt von zu Hause. Als er zu Boden schaute, sah er vor seinen Füßen ein vergilbtes, schmutziges Stück Papier. Er hob es auf. Als er den Dreck abgeschüttelt hatte, sah er, dass es sich um die Heiratsurkunde seiner Großeltern handelte, auf der auch die weiteren Namen und Daten standen, die ihm fehlten. Diese Urkunde enthielt alle Informationen, die er brauchte, um die Tempelarbeit für unsere Vorfahren tun zu können.

Als Bruder Aguilar zu Ende erzählt hatte, holte er die Heiratsurkunde, die nun in einer Plastikhülle steckte, aus der Tasche. Er ließ sie im Raum umhergehen, damit jeder sie lesen konnte. Vor lauter Rührung brachten wir alle kein einziges Wort hervor.

Dann gab er Zeugnis und erklärte uns, dass der Geist des Elija ihm hei seinen Bemühungen auch weiterhin geholfen hatte. Er sagte, der Geist des Elija werde allen geschenkt, die darum beten, und forderte uns auf, uns ernstlich um diesen Geist zu bemühen.

Damals habe ich angefangen, Ahnenforschung zu betreiben, und habe schon die Daten für mehrere Generationen gefunden. Oft habe ich dabei gespürt, wie der Heilige Geist mir Eingebungen zuteil werden ließ. Ich habe zwar nicht so etwas Dramatisches erlebt wie Bruder Aguilars Vater, aber ich habe doch erfahren, dass wir alle hei der Ahnenforschung vom Geist geführt werden können.

 

Marco Antonio Panes Spano