Gerechtigkeit für die Verstorbenen
geschrieben von mormon | 29 Jun, 2008
„Wenn ein Kind stirbt, bevor es die Jahre der Verantwortlichkeit erreicht hat, ist es erlöst und kommt in das celestiale Reich” (Joseph Smith).
Da der Allmächtige das gesamte Universum nach unveränderlichem Gesetz regiert, sollten alle Menschen anerkennen, daß auch der Mensch, die erhabenste all seiner Schöpfungen, diesem Gesetz unterworfen ist. Der Herr hat diese Wahrheit präzise und überzeugend in einer Offenbarung an die Kirche verkündet:
„Allen Reichen ist ein Gesetz gegeben.
Und es gibt viele Reiche, denn es gibt keinen Raum, worin kein Reich ist; auch gibt es kein Reich, weder ein großes noch ein kleines, worin kein Raum ist.
Jedem Reiche ist ein Gesetz gegeben; und jedes Gesetz hat auch gewisse Grenzen und Bedingungen.
Und es gibt viele Reiche, denn es gibt keinen Raum, worin kein Reich ist; auch gibt es kein Reich, weder ein großes noch ein kleines, worin kein Raum ist.
Jedem Reich ist ein Gesetz gegeben; und jedes Gesetz hat auch gewisse Grenzen und Bedingungen.
Alle Wesen, die nicht unter diesen Bedingungen bleiben, sind nicht gerechtfertigt (LuB 88:36-39).”
Diese Wahrheit spricht für sich. So ist es also nur vernünftig anzunehmen, daß das Reich Gottes durch Gesetze regiert wird und daß alle, die hineinzukommen wünschen, sich diesen Gesetzen unterwerfen müssen. „Siehe, mein Haus ist ein Haus der Ordnung, spricht Gott der Herr und nicht ein Haus der Verwirrung (LuB132:
.”
Der Herr hat dem Menschen ein Gesetzbuch gegeben, wir nennen es das Evangelium Jesu Christi. Die Menschen mögen zwar bezüglich dieser Gesetze verschiedener Meinung sein, da es ihnen an Inspiration und spiritueller Führung fehlt; man kann aber wohl kaum die Tatsache bestreiten, daß solche Gesetze existieren und daß alle, die Einlaß in jenes Reich begehren, ihnen unterworfen sind.
Die Grundsätze unserer Lehre sind 1. Glaube an Gott den Vater und an den Sohn und an den Heiligen Geist, 2. aufrichtige Umkehr für alle Sünder, 3. Taufe durch Untertauchen zur Vergebung der Sünden, 4. das Auflegen der Hände um den Heiligen Geistes zu spenden. Niemand kann das Reich Gottes betreten, ohne zunächst all diese Forderungen erfüllt zu haben. Dies meinte der Herr im Grunde genommen, als er zu Nikodemus sagte: „Es sei denn, daß jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen (Joh 3:.5).”
Jeder, der sich zum Glauben an den Heiland bekennt, muß hinnehmen, daß diese Verordnung wahr und endgültig ist. In den vergangenen Jahrhunderten jedoch — und sogar jetzt noch in vielen sogenannten christlichen Gemeinschaften — hat eine falsche Auslegung dieser Lehre zu ernsthaften Irrtümern und unbewußt auch zu schwerwiegenden Sünden geführt. Ich denke an die Lehre, die besagt, daß alle, die sich während des Erdenlebens nicht zum Glauben an den Herrn bekannt haben oder nicht von ihm gehört hatten, bevor der Tod sie von der Erde nahm, für immer verdammt seien und den Qualen der Hölle nicht entrinnen könnten. Diese falsche Vorstellung und Auslegung des Evangeliums besteht schon seit den frühesten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung im sogenannten Christentum, ist aber niemals Bestandteil des Evangeliums Jesu Christi gewesen.
In der „Göttlichen Komödie” beschreibt Dante die Lehre von der Verdammnis unglücklicher Seelen, die ohne ein Wissen von Christus sterben, so wie es im 13. Jahrhundert gelehrt wurde. Der Erzählung nach verirrt sich Dante in den Wäldern und trifft dort den römischen Dichter Vergil. Dieser verspricht, ihm die Höllenstrafen und das Fegefeuer zu zeigen und später auch einen Blick ins Paradies zu gewähren. Er folgt Vergil durch die Hölle und geht dann mit ihm in den Limbus, die Vorhölle. Hier sind die Seelen derer eingesperrt, die zwar tugendhaft und würdig lebten, aber doch Strafe verdienen, weil sie nicht getauft wurden. Sie sind für immer von den Segnungen der Erlösung ausgeschlossen. Als Dante diese bemitleidenswerten Seelen im oberen Teil der Hölle betrachtet und, wie es in der Erzählung heißt: die „vielen Kinder und Frauen und Männer” sieht, wundert er sich.
Sein Führer fragt ihn:
„Du frägst mich nicht, wer diese Vielen sind, die du hier siehst?”
Dante bekundet seinen Wunsch, es zu erfahren, und so fährt der Führer fort: „Noch eh du weiter gehst, sollst du es wissen: Daß sie nicht sündigten, genügte nicht zu ihrem Heil; die Taufe fehlte ihnen, des Glaubens Teil, der auch der deine ist. Denn da sie vor dem Christentum lebten, vermochten sie Gott würdig nicht zu ehren, deshalb gehör auch ich zu diesen Scharen: Aus diesem Grund allein sind wir verloren, nicht aus der Schuld, doch ist es unser Leiden, daß hoffnungslos an Sehnsucht wir verschmachten.”
Die ernsthafte Frage seines sterblichen Gastes, der zu wissen wünscht, ob jemand, der so bestraft wurde, jemals die Möglichkeit habe, diesem traurigen Zustand der Qual zu entrinnen, diese Frage beantwortet der Geist des Dichters damit, daß die Rechtschaffenen, die von Gott wußten — von der Zeit unserer Stammeltern bis hin zur Zeit Christi — erhöht worden seien; aber von den Unglücklichen, die niemals von Christus gehört haben, sagt er: „Und wissen sollst du, daß vor diesen Großen kein einziger gerettet worden war.”
Dante war allerdings nicht der Urheber dieser unglückseligen und falschen Lehre. Sie stammt vielmehr aus den ersten Tagen des Abfalls von der wahren Lehre Jesu Christi.
Der Historiker Motley berichtet in dem Werk „Aufstieg der niederländischen Republik” von dem folgenden Ereignis, das sich zutrug, als das Christentum in Westeuropa eingeführt wurde. Radbod, ein friesischer Häuptling, war offensichtlich bekehrt worden und wollte sich taufen lassen. An jenem Tage ging man dann auch hinunter ins Wasser und ließ sich untertauchen. Während er so im Wasser stand und darauf wartete daß die heilige Handlung vollzogen würde, wandte sich Radbod an den Priester Wolfram und sagte: „Wo sind in diesem Augenblick meine verstorbenen Vorfahren?” Der Priester legte mehr Eifer als Weisheit an den Tag und antwortete: „In der Hölle mit all den andern Ungläubigen zusammen.” „Gut, wenn das so ist”, antwortete der heidnische Häuptling und verließ zornig das Wasser, „will ich lieber mit meinen Vorfahren in den Hallen Wotans Feste feiern als mit deiner kleinen Schar christlicher Hungerleider im Himmel wohnen.” Welche Antwort hätten Sie unter ähnlichen Umständen gegeben?
Welch eine Schande, daß diese selbe schreckliche Lehre immer noch aus jenen fernen Tagen geistiger Dunkelheit herübertönt und seitdem immer wieder schrecklich und qualvoll ernsthaften Seelen in den Ohren klingt, die sich um die Erlösung lieber Menschen, die ihnen vorangegangen sind, Sorgen machen. Ich kann mich noch gut an die Pein einer innig liebenden Mutter erinnern, der von einem wohlmeinenden, aber irregeleiteten Priester gesagt wurde, ihr totes Kind sei auf ewig verloren, weil es nicht getauft worden sei.
Ich hatte diese Mutter einmal besucht, und sie erzählte mir die folgende Geschichte. Vor mehreren Jahren hatte sie ein kleines Kind verloren. Es war nicht zum Besprengen zum Geistlichen gebracht worden und in diesem Zustand gestorben. Die Eltern suchten den Geistlichen auf und baten ihn um ein christliches Begräbnis für ihr Kindchen. Diese demütige Bitte wurde jedoch feierlich, aber nichtsdestoweniger brutal abgeschlagen. Den Eltern wurde mitgeteilt, ihr Kind sei für immer verloren. Mit gebrochenem Herzen vergruben sie ihr Kindchen wie einen Ausgestoßenen ohne die heiligen Handlungen jener Kirche und ohne ein „christliches Begräbnis”. Was haben diese liebenden Eltern gelitten! Wie sehr waren sie doch innerlich zerrissen!
Mehrere Jahre lang litt diese Mutter im Glauben an die Lehren jenes Priesters unter den bittersten Seelenqualen. Sie wußte, es lag nicht an ihrem Kind, daß es nicht getauft worden war. Es war von jeglicher Schuld frei. War nicht sie selbst an allem schuld? Und wegen dieser falschen Lehre fragte sie sich, ob nicht sie für die ewigen Qualen dieses Kindes verantwortlich sei. Es war ihr zumute wie einem bußfertigen Mörder, der das Leben, das er genommen hatte, nicht zurückgeben konnte; in diesem Seelenschmerz litt sie die Qual der Verdammten.
Es war ein glücklicher Tag für diese betrübte Mutter, als ich sie besuchte. Ich habe noch deutlich die Freude vor Augen, die ihr gequältes Gesicht ausstrahlte, als ich ihr erklärte, daß diese Lehre falsch sei, so falsch wie die Tiefen der Hölle, aus der sie stamme. Ich teilte ihr mit, daß dies nicht die Lehre Jesu Christi sei, der kleine Kinder liebte und erklärte, daß ihr Platz im Himmelreich sei. Ich las ihr aus dem Buch Mormon und die Worte Mormons an seinen Sohn Moroni vor und erklärte ihr, was der Herr Joseph Smith offenbart hatte, nämlich: „Wenn ein Kind stirbt, bevor es die Jahre Verantwortlichkeit erreicht hat” — d. h. 8 Jahre ist — „ist es erlöst und kommt in das celesti Reich des Himmels10.” Ja, der Herr hat in die glorreichen Zeit der Wiederherstellung verkünde
„Alle, die gestorben sind, ohne das Evangelium kennengelernt zu haben, es aber angenommen hätten, wenn sie bis dahin hätten leben dürfen, werden Erben des celestialen Reiches Gott ebenso werden alle, die fortan sterben, ohne davon zu wissen, es aber von ganzem Herzen angenommen hätten, Erben jenes Reiches werden, denn i der Herr, werde alle Menschen nach ihren Taten u nach den Wünschen ihres Herzens richten".”
Das Evangelium Jesu Christi ist das Evangelium der Barmherzigkeit. Es ist auch das Evangelium der Gerechtigkeit. Das muß so sein, denn kommt von einem Gott der Barmherzigkeit, nicht von einem grausamen Ungeheuer, wie einige religiöse Eiferer immer noch glauben und fälschlich verkünden:
„Nach dem Ratschluß Gottes zur Offenbarung seiner Herrlichkeit sind einige Menschen und Engel zu ewigem Leben und andere zu ewigem Tode vorherbestimmt. Diese Engel und Menschen, auf diese Weise vorherbestimmt, sind genau zu diesem Zwecke und unwiderruflich ausersehen; und auch ihre Zahl steht so unveränderlich fest, dass sie weder vergrößert noch vermindert werden kann.”
Ist es nicht schrecklich, darüber nachzudenken, daß hier eine Evangeliumswahrheit solange verkehrt und entweiht wurde, bis eine solche Schändlichkeit daraus wurde? Gerechtigkeit wie auch Barmherzigkeit sprechen für die Verstorbenen, die ohne Kenntnis des Evangeliums gestorben sind Wo bliebe denn die Gerechtigkeit, wenn all die ungezählten Scharen, die ohne Kenntnis von Jesus Christus gestorben sind, hoffnungslos und für immer in die Hölle verdammt würden, auch wenn sie nur die Qualen der Vorhölle zu ertragen hätten?
Die Schrift sagt: „Gerechtigkeit und Gericht sind deines Thrones Stütze, Gnade und Treue gehen vor dir einher (Ps 89:15).”
Die Gnade und Liebe eines gerechten Gottes umfaßt alle seine Kinder. Bei der Wiederherstellung des Evangeliums durch den Propheten Joseph Smith verkündigte der Herr aufs neue die Erlösung für die Verstorbenen; er hat erklärt:
„Laßt eure Herzen frohlocken und überaus fröhlich sein! Die Erde breche aus in Gesängen! Laßt die Toten ihre Hymnen zum ewigen Preise des Königs Immanuel darbringen, der, ehe die Welt war, das vorherbestimmte, was uns befähigt, sie aus dem Gefängnis zu befreien, denn die Gefangenen sollen frei werden
Joseph Fielding Smith, Oktober 1972
Da der Allmächtige das gesamte Universum nach unveränderlichem Gesetz regiert, sollten alle Menschen anerkennen, daß auch der Mensch, die erhabenste all seiner Schöpfungen, diesem Gesetz unterworfen ist. Der Herr hat diese Wahrheit präzise und überzeugend in einer Offenbarung an die Kirche verkündet:
„Allen Reichen ist ein Gesetz gegeben.
Und es gibt viele Reiche, denn es gibt keinen Raum, worin kein Reich ist; auch gibt es kein Reich, weder ein großes noch ein kleines, worin kein Raum ist.
Jedem Reiche ist ein Gesetz gegeben; und jedes Gesetz hat auch gewisse Grenzen und Bedingungen.
Und es gibt viele Reiche, denn es gibt keinen Raum, worin kein Reich ist; auch gibt es kein Reich, weder ein großes noch ein kleines, worin kein Raum ist.
Jedem Reich ist ein Gesetz gegeben; und jedes Gesetz hat auch gewisse Grenzen und Bedingungen.
Alle Wesen, die nicht unter diesen Bedingungen bleiben, sind nicht gerechtfertigt (LuB 88:36-39).”
Diese Wahrheit spricht für sich. So ist es also nur vernünftig anzunehmen, daß das Reich Gottes durch Gesetze regiert wird und daß alle, die hineinzukommen wünschen, sich diesen Gesetzen unterwerfen müssen. „Siehe, mein Haus ist ein Haus der Ordnung, spricht Gott der Herr und nicht ein Haus der Verwirrung (LuB132:
Der Herr hat dem Menschen ein Gesetzbuch gegeben, wir nennen es das Evangelium Jesu Christi. Die Menschen mögen zwar bezüglich dieser Gesetze verschiedener Meinung sein, da es ihnen an Inspiration und spiritueller Führung fehlt; man kann aber wohl kaum die Tatsache bestreiten, daß solche Gesetze existieren und daß alle, die Einlaß in jenes Reich begehren, ihnen unterworfen sind.
Die Grundsätze unserer Lehre sind 1. Glaube an Gott den Vater und an den Sohn und an den Heiligen Geist, 2. aufrichtige Umkehr für alle Sünder, 3. Taufe durch Untertauchen zur Vergebung der Sünden, 4. das Auflegen der Hände um den Heiligen Geistes zu spenden. Niemand kann das Reich Gottes betreten, ohne zunächst all diese Forderungen erfüllt zu haben. Dies meinte der Herr im Grunde genommen, als er zu Nikodemus sagte: „Es sei denn, daß jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen (Joh 3:.5).”
Jeder, der sich zum Glauben an den Heiland bekennt, muß hinnehmen, daß diese Verordnung wahr und endgültig ist. In den vergangenen Jahrhunderten jedoch — und sogar jetzt noch in vielen sogenannten christlichen Gemeinschaften — hat eine falsche Auslegung dieser Lehre zu ernsthaften Irrtümern und unbewußt auch zu schwerwiegenden Sünden geführt. Ich denke an die Lehre, die besagt, daß alle, die sich während des Erdenlebens nicht zum Glauben an den Herrn bekannt haben oder nicht von ihm gehört hatten, bevor der Tod sie von der Erde nahm, für immer verdammt seien und den Qualen der Hölle nicht entrinnen könnten. Diese falsche Vorstellung und Auslegung des Evangeliums besteht schon seit den frühesten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung im sogenannten Christentum, ist aber niemals Bestandteil des Evangeliums Jesu Christi gewesen.
In der „Göttlichen Komödie” beschreibt Dante die Lehre von der Verdammnis unglücklicher Seelen, die ohne ein Wissen von Christus sterben, so wie es im 13. Jahrhundert gelehrt wurde. Der Erzählung nach verirrt sich Dante in den Wäldern und trifft dort den römischen Dichter Vergil. Dieser verspricht, ihm die Höllenstrafen und das Fegefeuer zu zeigen und später auch einen Blick ins Paradies zu gewähren. Er folgt Vergil durch die Hölle und geht dann mit ihm in den Limbus, die Vorhölle. Hier sind die Seelen derer eingesperrt, die zwar tugendhaft und würdig lebten, aber doch Strafe verdienen, weil sie nicht getauft wurden. Sie sind für immer von den Segnungen der Erlösung ausgeschlossen. Als Dante diese bemitleidenswerten Seelen im oberen Teil der Hölle betrachtet und, wie es in der Erzählung heißt: die „vielen Kinder und Frauen und Männer” sieht, wundert er sich.
Sein Führer fragt ihn:
„Du frägst mich nicht, wer diese Vielen sind, die du hier siehst?”
Dante bekundet seinen Wunsch, es zu erfahren, und so fährt der Führer fort: „Noch eh du weiter gehst, sollst du es wissen: Daß sie nicht sündigten, genügte nicht zu ihrem Heil; die Taufe fehlte ihnen, des Glaubens Teil, der auch der deine ist. Denn da sie vor dem Christentum lebten, vermochten sie Gott würdig nicht zu ehren, deshalb gehör auch ich zu diesen Scharen: Aus diesem Grund allein sind wir verloren, nicht aus der Schuld, doch ist es unser Leiden, daß hoffnungslos an Sehnsucht wir verschmachten.”
Die ernsthafte Frage seines sterblichen Gastes, der zu wissen wünscht, ob jemand, der so bestraft wurde, jemals die Möglichkeit habe, diesem traurigen Zustand der Qual zu entrinnen, diese Frage beantwortet der Geist des Dichters damit, daß die Rechtschaffenen, die von Gott wußten — von der Zeit unserer Stammeltern bis hin zur Zeit Christi — erhöht worden seien; aber von den Unglücklichen, die niemals von Christus gehört haben, sagt er: „Und wissen sollst du, daß vor diesen Großen kein einziger gerettet worden war.”
Dante war allerdings nicht der Urheber dieser unglückseligen und falschen Lehre. Sie stammt vielmehr aus den ersten Tagen des Abfalls von der wahren Lehre Jesu Christi.
Der Historiker Motley berichtet in dem Werk „Aufstieg der niederländischen Republik” von dem folgenden Ereignis, das sich zutrug, als das Christentum in Westeuropa eingeführt wurde. Radbod, ein friesischer Häuptling, war offensichtlich bekehrt worden und wollte sich taufen lassen. An jenem Tage ging man dann auch hinunter ins Wasser und ließ sich untertauchen. Während er so im Wasser stand und darauf wartete daß die heilige Handlung vollzogen würde, wandte sich Radbod an den Priester Wolfram und sagte: „Wo sind in diesem Augenblick meine verstorbenen Vorfahren?” Der Priester legte mehr Eifer als Weisheit an den Tag und antwortete: „In der Hölle mit all den andern Ungläubigen zusammen.” „Gut, wenn das so ist”, antwortete der heidnische Häuptling und verließ zornig das Wasser, „will ich lieber mit meinen Vorfahren in den Hallen Wotans Feste feiern als mit deiner kleinen Schar christlicher Hungerleider im Himmel wohnen.” Welche Antwort hätten Sie unter ähnlichen Umständen gegeben?
Welch eine Schande, daß diese selbe schreckliche Lehre immer noch aus jenen fernen Tagen geistiger Dunkelheit herübertönt und seitdem immer wieder schrecklich und qualvoll ernsthaften Seelen in den Ohren klingt, die sich um die Erlösung lieber Menschen, die ihnen vorangegangen sind, Sorgen machen. Ich kann mich noch gut an die Pein einer innig liebenden Mutter erinnern, der von einem wohlmeinenden, aber irregeleiteten Priester gesagt wurde, ihr totes Kind sei auf ewig verloren, weil es nicht getauft worden sei.
Ich hatte diese Mutter einmal besucht, und sie erzählte mir die folgende Geschichte. Vor mehreren Jahren hatte sie ein kleines Kind verloren. Es war nicht zum Besprengen zum Geistlichen gebracht worden und in diesem Zustand gestorben. Die Eltern suchten den Geistlichen auf und baten ihn um ein christliches Begräbnis für ihr Kindchen. Diese demütige Bitte wurde jedoch feierlich, aber nichtsdestoweniger brutal abgeschlagen. Den Eltern wurde mitgeteilt, ihr Kind sei für immer verloren. Mit gebrochenem Herzen vergruben sie ihr Kindchen wie einen Ausgestoßenen ohne die heiligen Handlungen jener Kirche und ohne ein „christliches Begräbnis”. Was haben diese liebenden Eltern gelitten! Wie sehr waren sie doch innerlich zerrissen!
Mehrere Jahre lang litt diese Mutter im Glauben an die Lehren jenes Priesters unter den bittersten Seelenqualen. Sie wußte, es lag nicht an ihrem Kind, daß es nicht getauft worden war. Es war von jeglicher Schuld frei. War nicht sie selbst an allem schuld? Und wegen dieser falschen Lehre fragte sie sich, ob nicht sie für die ewigen Qualen dieses Kindes verantwortlich sei. Es war ihr zumute wie einem bußfertigen Mörder, der das Leben, das er genommen hatte, nicht zurückgeben konnte; in diesem Seelenschmerz litt sie die Qual der Verdammten.
Es war ein glücklicher Tag für diese betrübte Mutter, als ich sie besuchte. Ich habe noch deutlich die Freude vor Augen, die ihr gequältes Gesicht ausstrahlte, als ich ihr erklärte, daß diese Lehre falsch sei, so falsch wie die Tiefen der Hölle, aus der sie stamme. Ich teilte ihr mit, daß dies nicht die Lehre Jesu Christi sei, der kleine Kinder liebte und erklärte, daß ihr Platz im Himmelreich sei. Ich las ihr aus dem Buch Mormon und die Worte Mormons an seinen Sohn Moroni vor und erklärte ihr, was der Herr Joseph Smith offenbart hatte, nämlich: „Wenn ein Kind stirbt, bevor es die Jahre Verantwortlichkeit erreicht hat” — d. h. 8 Jahre ist — „ist es erlöst und kommt in das celesti Reich des Himmels10.” Ja, der Herr hat in die glorreichen Zeit der Wiederherstellung verkünde
„Alle, die gestorben sind, ohne das Evangelium kennengelernt zu haben, es aber angenommen hätten, wenn sie bis dahin hätten leben dürfen, werden Erben des celestialen Reiches Gott ebenso werden alle, die fortan sterben, ohne davon zu wissen, es aber von ganzem Herzen angenommen hätten, Erben jenes Reiches werden, denn i der Herr, werde alle Menschen nach ihren Taten u nach den Wünschen ihres Herzens richten".”
Das Evangelium Jesu Christi ist das Evangelium der Barmherzigkeit. Es ist auch das Evangelium der Gerechtigkeit. Das muß so sein, denn kommt von einem Gott der Barmherzigkeit, nicht von einem grausamen Ungeheuer, wie einige religiöse Eiferer immer noch glauben und fälschlich verkünden:
„Nach dem Ratschluß Gottes zur Offenbarung seiner Herrlichkeit sind einige Menschen und Engel zu ewigem Leben und andere zu ewigem Tode vorherbestimmt. Diese Engel und Menschen, auf diese Weise vorherbestimmt, sind genau zu diesem Zwecke und unwiderruflich ausersehen; und auch ihre Zahl steht so unveränderlich fest, dass sie weder vergrößert noch vermindert werden kann.”
Ist es nicht schrecklich, darüber nachzudenken, daß hier eine Evangeliumswahrheit solange verkehrt und entweiht wurde, bis eine solche Schändlichkeit daraus wurde? Gerechtigkeit wie auch Barmherzigkeit sprechen für die Verstorbenen, die ohne Kenntnis des Evangeliums gestorben sind Wo bliebe denn die Gerechtigkeit, wenn all die ungezählten Scharen, die ohne Kenntnis von Jesus Christus gestorben sind, hoffnungslos und für immer in die Hölle verdammt würden, auch wenn sie nur die Qualen der Vorhölle zu ertragen hätten?
Die Schrift sagt: „Gerechtigkeit und Gericht sind deines Thrones Stütze, Gnade und Treue gehen vor dir einher (Ps 89:15).”
Die Gnade und Liebe eines gerechten Gottes umfaßt alle seine Kinder. Bei der Wiederherstellung des Evangeliums durch den Propheten Joseph Smith verkündigte der Herr aufs neue die Erlösung für die Verstorbenen; er hat erklärt:
„Laßt eure Herzen frohlocken und überaus fröhlich sein! Die Erde breche aus in Gesängen! Laßt die Toten ihre Hymnen zum ewigen Preise des Königs Immanuel darbringen, der, ehe die Welt war, das vorherbestimmte, was uns befähigt, sie aus dem Gefängnis zu befreien, denn die Gefangenen sollen frei werden
Joseph Fielding Smith, Oktober 1972