Denen, die warten

geschrieben von mormon | 26 Apr, 2008
Segnungen und Inspiration sind der Lohn für genealogische Arbeit
Wir finden in diesem Leben wohl kaum reicheren spirituellen Lohn als in der genealogischen Arbeit, ganz besonders dann, wenn wir durch Glauben, Beten und Fasten direkte und deutlich erkennbare Hilfe von denen erhalten, die hinter dem Vorhang darauf warten, daß die erlösenden heiligen Handlungen stellvertretend für sie vollzogen werden.
Sie sind heute in ihrer Welt ebenso wirklich und lebendig wie zu der Zeit, als sie noch einen irdischen Körper gehabt und auf der Erde gelebt haben. Sie wissen, wo und wann sie geboren sind, gelebt haben und gestorben sind. Sie kennen die Namen ihrer Eltern und aller Familienangehörigen.
Die Chroniken über die genealogische Arbeit der Heiligen der Letzten Tage enthalten zahlreiche Berichte darüber, wie diese Verstorbenen ihren lebenden Nachkommen beistehen, die bemüht sind, ihnen zu helfen.

*Gertrude Todd, eine erfahrene Genealogin, forschte jahrelang vergeblich nach der Familie des Großvaters ihres Mannes. Der Großvater hieß Abraham Todd, und man wußte nicht mehr von ihm als die Namen seiner Eltern und daß er 1850 in Forncett in der Grafschaft Norfolk in England geboren wurde.
Schwester Todd schrieb zahllose Briefe an alle möglichen Stellen und Leute, die möglicherweise einen kleinen Hinweis geben konnten. Sie durchforschte tagelang die Urkunden in der genealogischen Bibliothek. Ein innerer Zwang, den sie nicht übergehen konnte, trieb sie an, weiterzusuchen.
Eines Morgens schließlich legte sie alle Briefe und Urkunden auf den Tisch, kniete nieder und bat den Herrn um Hilfe. Sie hatte schon oft um Hilfe gebeten und gefastet. Als sie sich wieder erhob, sah sie voll Verwunderung und Freude auf dem obersten Blatt in schwarzen altenglischen Buchstaben das Wort Methodist stehen.
Unverzüglich schrieb sie einen weiteren Brief. und zwar an den Superintendenten der Methodistenkirche in Forncett.
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Gleichzeitig erhielt sie noch einen zweiten Brief. Er kam von einem älteren, im Ruhestand lebenden Pfarrer, mit dem sich der Superintendent in Verbindung gesetzt hatte. Dieser Pfarrer war ein Neffe Abraham Todds. Seine Mutter war die Schwester Abraham Todds gewesen.
Können Sie sich vorstellen, wie froh und dankbar Schwester Todd gewesen ist, als sie nun die so dringend benötigten Daten auf brieflichem Wege zusammentragen konnte? Doch ihre Freude und Zufriedenheit währten nicht lange. Irgend etwas stimmte nicht. Sie hatte das sichere Gefühl, daß noch ein Mitglied der Familie fehlte; und wieder spürte sie den inneren Zwang weiterzuforschen.
Anhand der vorhandenen Hinweise suchte sie also weiter, bis der fehlende Name gefunden war. Es war ein kleines Mädchen namens Susan, das selbst dem Neffen unbekannt war. Der Name war weder in den Familienurkunden, noch in amtlichen Urkunden, noch im Kirchenregister verzeichnet; man entdeckte ihn jedoch im Volkszählungsbericht einer anderen Stadt, wo die Familie Todd kurze Zeit gelebt hatte.
Die Familie wurde aneinander gesiegelt, und Schwester Todd verspürte eine tiefe innere Zufriedenheit. Seltsamerweise verblaßte der Schriftzug Methodist nach und nach, doch nicht eher, als bis man ihn mit den Familienurkunden aus Forncett verglichen und völlige Übereinstimmung mit einigen darin enthaltenen Schriftzügen festgestellt hatte.

*Lida Prince ist es ähnlich ergangen. Sie hatte ihrem sterbenden Onkel versprochen, daß sie die genealogische Arbeit für die Familie Lee durchführen wolle. Sie bat ihn jedoch darum, daß er hinter dem Schleier die betreffenden Vorfahren ausfindig und ihre Hilfe erbitten solle.
Ihr Vetter, Harold B. Lee, damals ein Mitglied des Rates der Zwölf, hatte ihr außerdem in einem Segen verheißen, daß sie von jenseits des Grabes Hilfe erhalten würde, wenn es nötig sei.
Lange Zeit forschte sie vergeblich nach der Linie ihrer Großmutter Jane Vail Johnson. Schließlich betete und fastete sie, um die Hilfe zu erhalten, die ihr verheißen worden war. Ihre Gebete wurden auf wunderbare Weise beantwortet. In der Nacht erschien ihr ein schwarz gekleideter junger Mann. Er stand am Fußende ihres Bettes. Das Licht im Zimmer brannte, und sie war noch wach. Sie schrieb alles auf, was sie sah und hörte.
Der junge Mann zeigte ihr ein Buch mit dem Titel Mahlon Johnson Family — Ancestors and Descendants (Vorfahren und Nachkommen der Familie Mahlon Johnson). Auf der Innenseite des Buchdeckels stand: Littletown, N.J. 1775 - 1857. Der unbekannte Bote sagte ihr: „Dieses Buch enthält Großmutters Daten.”
Die genealogische Bibliothek besaß dieses Buch nicht, jedoch die Bibliothek des Kongresses. Dort sagte man ihr auch, wo sie es bekommen könne. Ihr Sohn besorgte ein Exemplar des Buches. Es enthielt ein Literaturverzeichnis, in dem besonders auf das Buch Fits Randolph Traditions hingewiesen wurde. Schwester Prince beschaffte sich auch dieses Buch; und anhand dieser beiden Bücher stellte sie über 500 Familiengruppenbogen zusammen. Außerdem konnte sie die direkte Linie über 26 Generationen zurückverfolgen.

*Henry Christiansen, leitender Mitarbeiter der Genealogischen Gesellschaft und anerkannter Genealoge, durchforschte die Regale der Bibliothek im Auftrag eines Klienten, dessen Vorfahren angeblich zu den „New Yorker Holländern” gehört hatten. Er hatte schon alle bekannten Quellen über diese Siedler durchforscht, ohne jedoch irgendeinen Anhaltspunkt zu finden.
Unschlüssig, wohin er sich wenden sollte, ließ er den Blick über die Buchtitel schweifen. Plötzlich fiel sein Blick auf ein Buch über holländische Siedler in Pennsylvanien. Der umfangreiche Band mit über 500 kleingedruckten Seiten hatte kein Inhaltsverzeichnis und enthielt auch sonst keinerlei Hinweise, die das Auffinden eines speziellen Gegenstandes erleichtert hätten. So stellte er das Buch wieder zurück und ging weiter.
Als er jedoch ein zweites Mal die Reihen entlangging, fiel sein Blick wieder auf dasselbe Buch, und er fühlte den starken Drang, noch einmal hineinzuschauen. Er blieb stehen und griff beinah unbewußt danach. Als er es herauszog, rutschte es ihm aus der Hand. Instinktiv wollte er es festhalten, damit es nicht auf den Boden fiel, und gab ihm einen Stoß, so daß es auf einem kleinen Tisch landete. Dabei öffnete es sich, und seine Hand lag nun quer über den aufgeschlagenen Seiten. Beim Hinschauen erkannte er, daß sein Zeigefinger genau auf den Namen des Mannes wies, den er suchte.

*Schwester Maureen Wahlquist hatte mit ihrem Mann schon mehrmals den Kreis Chickasaw in Mississippi aufgesucht, wo ihre Vorfahren gelebt hatten. Ihre Forschungsreisen waren stets von Gebeten begleitet und niemals vergeblich gewesen. Doch als sie 1969 erneut aufbrachen, um in diesem Kreis Ahnenforschung zu betreiben, knüpften sie ganz bestimmte Erwartungen daran.
Schwester Wahlquists Vater, der in Memphis lebte, begleitete sie; denn die Suche galt dem Großvater seiner Frau.
Sie erhielten die Erlaubnis, im Kreisgericht in Houston die Testamentsurkunden durchzusehen, doch fand sich im Testamentsregister keine Eintragung unter dem gesuchten Familiennamen. Sie konnten anscheinend nichts weiter tun, als aufs Geratewohl weiterzusuchen, obwohl nur geringe Aussicht auf Erfolg bestand. Schwester Wahlquists Vater blätterte wahllos in einigen Akten und zog dann mit einem eigens dafür vorgesehenen Haken einen Ordner aus der obersten Reihe — in 2,70 m Höhe — heraus.
Dabei fielen einige lose Papiere zu Boden. Zu ihrer großen Freude stellten sie fest, daß eine Landübertragungsurkunde darunter war, die den Namen des gesuchten Urgroßvaters enthielt. Ihre freudige Erregung legte sich jedoch bald, als sie unter den Dokumenten nichts weiter fanden, was für sie von Interesse war.
Als Bruder Wahlquist den Ordner an seinen Platz zurückstellen wollte, ließ dieser sich nicht ganz hineinschieben. Irgend etwas hatte sich dahinter verklemmt, er holte eine Leiter, stieg hinauf, faßte hinter den Ordner und zog ein weiteres Papier hervor. Es war das Testament von Schwester Wahlquists Urgroßvater, und es enthielt die Namen seiner Frau und seiner neun Kinder und weitere Angaben, anhand deren sie noch eine weitere Generation fanden.
Hoyt Palmer, Januar 1975