Hindernisse, Glaube und Wunder

geschrieben von mormon | 21 Apr, 2008

In den vergangenen Jahren war der Feind „Angst” mit dem damit verbundenen Gefühl der Unzulänglichkeit eines der großen Hindernisse für diejenigen, die angefangen haben, sich mit Genealogie zu befassen. Unsere verstorbenen Vorfahren ausfindig zu machen und sicherzustellen, daß die heiligen Handlungen der Erhöhung für sie vollzogen werden, ist ein Auftrag, den wir vom himmlischen Vater und seinem geliebten Sohn erhalten haben. Sie lassen uns damit nicht allein, sondern erhören unsere Gebete und bereiten uns — manchmal auf außergewöhnliche Weise — den Weg.

  Vor einigen Jahren erschien eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuter in den Tageszeitungen, die davon berichtete, wie ein Amerikaner, der seine schon lange aus den Augen verlorenen Verwandten in Großbritannien ausfindig machen wollte, für den Preis eines Luftpostbriefes nach London fündig wurde. Mike Archdale, 25 Jahre alt, aus Miles City in Montana wußte nur, daß sein Großvater Lionel Dawson Archdale gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts aus Nordirland in die Vereinigten Staaten ausgewandert war. Also schrieb Mike Archdale an die einzige Adresse, die er in London kannte: die des britischen Fremdenverkehrsamts – und bat um Auskunft darüber, wie er nach seinen Verwandten suchen konnte.
Sein Brief wurde vom Pressechef des Fremdenverkehrsamts geöffnet – er hieß Gilbert Archdale. Gilben Archdale forschte ein wenig nach und antwortete Mike dann: „Hallo. Ich bin Ihr Cousin!”
So nahm die Geschichte ihren Lauf.
Diejenigen von uns, deren Vorfahren aus Skandinavien stammen, stoßen auf eine weitere Schwierigkeit, nämlich das Patronymikum. Um denen, die nicht skandinavischer Abstammung sind, einen kleinen Einblick in unsere Schwierigkeiten zu geben: mein Großvater hieß Nels Monson; sein Vater hieß jedoch keinesfalls Monson – er hieß Mons Okeson; sein Vater wiederum hieß Oke Pederson, dessen Vater Peter Monson hieß – hier sind wir wieder bei Monson –, dessen Vater wiederum hieß Mons Lustig, ein Name, den ihm die schwedische Armee gegeben hatte, um die Petersons, die Juhnsons und die Monsons voneinander zu unterscheiden, wenn sie in die Armee eintraten. Auch diese Schwierigkeiten sind zu bewältigen, wenn man einmal den Vorgang der Namensgebung verstanden hat.
Als das Priestertums-Genealogie-Komitee ins Leben gerufen wurde, erklärte Präsident Hugh B. Brown, daß die Missionsarbeit in der Geisterwelt immer schneller vorwärtsschreitet. Er zitierte Joseph F. Smith, der einmal gesagt hatte, daß alle, die im irdischen Leben nicht die Möglichkeit hatten, das immenvährende Evangelium zu hören, jetzt davon erfahren. Präsident Smith hatte gesagt. „Dieses Evangelium, das dem Propheten Joseph Smith offenbart wurde, wird bereits den Geistern im Gefängnis gepredigt, denen, die die Bühne dieses Lebens bereits verlassen haben und ohne Kenntnis vom Evangelium in der Geisterwelt leben. Joseph Smith predigt ihnen das Evangelium. Ebenso Hyrum Smith. Ebenso Brigham Young und alle treuen Apostel, die in dieser Evangeliumszeit unter der Führung des Propheten Joseph Smith gelebt haben.."t
Und Präsident Smith sagte im Jahr 1916: „Durch unsere Bemühungen um sie werden die Ketten ihrer Knechtschaft abfallen, und die Finsternis rund um sie wird sich erhellen, so daß Licht auf sie fallen kann und sie in der Geisterwelt von der Arbeit hören, die hier von ihren Kindern verrichtet wird, und sie werden sich mit uns an dieser. Pflichterfüllung freuen..
Das Wort Pflichterfüllung gefällt mir. Für mich ist eine Pflicht etwas Heiliges. Dabei muß ich an die Worte von Harry Emerson Fosdick denken, der einmal gesagt hat: „Ein Mensch arbeitet hart für Geld. Härter arbeitet er für einen anderen. Am härtesten arbeitet der Mensch jedoch, wenn es ihm um eine Sache geht. Wenn nicht die Bereitwilligkeit größer ist als der Zwang, kämpft der Mensch als Söldner und folgt der Flagge nicht als Patriot. Die Pflicht wird erst dann auf würdige Weise erfüllt, wenn sie von jemand erfüllt wird, der gern mehr tun würde, wenn er könnte.” Diese Beschreibung trifft auf alle zu, die sich der Genealogie verschrieben haben. Sie sind wirklich engagiert.
Auch wenn uns bei der Ahnenforschung manches Hindernis zeitweise unüberwindlich erscheint, liegt doch nach vielen Schwierigkeiten oft auf wundersame Weise plötzlich ein klarer Weg vor uns.
Vor einigen Jahren berichtete Alice E. Smith aus Yuba City in Kalifornien von einem glaubensstärkenden Erlebnis, nämlich wie sie die Sterbedaten ihres Urgroßvaters fand. Sie kehrte mit ihrem Mann von dem jährlichen Besuch bei ihrer Tochter, die in der Nähe von Seattle in Washington lebte, zurück. Obwohl Schwester Smith wußte, wie ungern ihr Mann auf der Rückreise anhielt, bat sie ihn, kurz zu einem Friedhof zu fahren, um herauszufinden, ob es dort Angaben über den Tod ihres Urgroßvaters gab. Sie war überrascht und erfreut, daß ihr Mann gern bereit war, den kleinen Umweg in Kauf zu nehmen und zu einer kleinen Stadt am Columbia River zu fahren.
Einer Ahnung folgend fuhren sie zum nächstgelegenen der drei Friedhöfe, parkten in einem älteren Teil des Friedhofs und begannen mit der Suche. Schon nach zehn Minuten rief die jüngste Tochter aus: „Hier heißt jemand Bailey. Ich glaube, das ist er!”
Mit Hilfe einer Gießkanne und einem Lappen aus dem Auto entfernte der Ehemann vorsichtig das Moos, das sich mit den Jahren angesammelt hatte, und zum Vorschein kamen der Name, die vollständigen Daten sowie eine kleine Inschrift. Achten Sie auf die Inschrift: Hier ist mein Herz, 0 nimm es und siegle es; siegle es für Dein Reich im Himmel. Gewiß war es vom Himmel gesandte Hilfe, die sie zu dieser Botschaft ihres gläubigen methodistischen Vorfahren geführt hatte.
Ein anderes Familienmitglied fand heraus, daß die Inschrift einem alten Kirchenlied entnommen war) Diese Familie wird die Botschaft dieses Liedes immer im Herzen tragen. Das Wort siegeln hat für sie an Bedeutung gewonnen.
Der Herr hat nie gesagt, daß sein Werk nur unser irdisches Leben betrifft. Der Prophet Joseph Smith hat verkündet: Alles, was wir für unsere eigene Errettung tun, muß auch für die Errettung unserer Lieben getan werden, denn die Errettung ist für alle gleich.
Wir dürfen nicht müde werden, Gutes zu tun. Wenn wir meinen, unser Beitrag in diesem heiligen Werk sei nur gering und unbedeutend, dürfen wir nicht vergessen, daß „die Seelen großen Wert in den Augen Gottes (haben]". Kein Wunder, daß wir, wenn wir ein Zeugnis von diesem Werk empfangen, so viel zu seinem Fortschritt und Wachstum beitragen wollen! Hindernisse lösen sich auf wie Nebel in der Morgensonne. Wenn wir unsere Arbeit mit festem Glauben tun, qualifizieren wir uns für die gewünschten Segnungen.
Als ich als Präsident der Kanadischen Mission mit Hauptsitz in Toronto diente, gab es eine eifrige Ahnenforscherin in der Mission, die Myrtle Barnum hieß. Oh, wie eifrig sie in diesem heiligen Werk war! Sie hatte eine Menge Angaben aus der Gegend um den St.-Lorenz-Strom gesammelt. Doch sie war am Ende ihrer Ahnenreihe angekommen. Sie wußte nicht, wohin sie sich wenden sollte. Sie las. Sie suchte. Sie betete. Und sie gab niemals auf. Auch wenn sie nach monatelanger vergeblicher Suche niedergeschlagen war, weil sie scheinbar nicht in der Lage war, das zu finden, was sie brauchte, verlor sie niemals die Hoffnung.
Eines Tages ging sie an einem Secondhand-Laden vorbei und fühlte sich gedrängt, hineinzugehen. Als sie den Blick über die Regale schweifen ließ, fielen ihr zwei Bücher auf. Warum, das kann sie nur der Inspiration des Herrn zuschreiben. Die beiden Bücher trugen den Titel: Pionierleben an der Bucht von Quinte, Band 1 und 2. Das klang nach einem Roman. Sie holte die beiden verstaubten Bücher unser aus dem Regal, schlug sie auf und staunte. Es waren keine Erzählungen.
Es waren genealogische Aufzeichnungen über sämtliche Personen, die in der Gegend der Bucht von Quinte gelebt hatten von der Zeit an, als man dort überhaupt begonnen hatte, Aufzeichnungen zu führen. Schnell suchte sie Seite für Seite durch und fand die Angaben, die ihr die Tür zu weiteren Forschungen öffneten.
Ein Älrestenkollegium in dieser Gegend sammelte eine beträchtliche Summe, damit die beiden Bücher gekauft werden konnten. Sie wurden an den Hauptsitz der Kirche in Sah Lake City gesandt, und ich erhielt einen Brief mit der Nachricht, daß anhand dieser beiden Bücher Tausende von Namen derer, die sich auf der anderen Seite des Schleiers befinden, zu Ahnenreihen verbunden werden konnten. Sehr viele Menschen freuten sich, als sie von diesem Schatz hörten, der ihre Ahnenreihen verband, einschließlich Präsident Henry D. Moyle, der damals Mitglied der Ersten Präsidentschaft war. Einer seiner Großväter stammte aus dieser Gegend. All das geschah, weil eine gläubige Dienerin des Herrn nicht aufgab, sich nicht entmutigen ließ und nicht von sich sagte „Ich allein kann doch nichts ausrichten.”
Meine Brüder und Schwestern, möge der himmlischer Vater die so wichtige und lohnende genealogische Arbeit segnen.
Präsident Thomas S. Monson, Juni 1996