Mit dem Wunsch eines Sterbenden begann die Suche nach Fanlilienangehörigen
geschrieben von mormon | 3 Mär, 2008
Mit dem Wunsch eines Sterbenden begann die Suche nach Fanlilienangehörigen, die schließlich vier Jahrhunderte zurückreichte und sich auf zwei Kontinente erstreckte
Dreißig Jahre lang forschte Derteano und sammelte Angaben über seine Familie. Dabei gab er die Hoffnung nie auf, daß er eines Tages den Grund dafür verstehen werde.
Als ich Präsident des Distrikts Barquisimeto in Venezuela war, forderte ich in dieser Eigenschaft die Mitglieder in meinem Bereich immer wieder auf, genealogische Forschungen zu betreiben. Ich selbst widmete mich eifrig dieser Aufgabe, war aber oft enttäuscht, weil einige Unterlagen meiner Eltern und Großeltern in Peru, meinem Heimatland, waren. Ich gab mir große Mühe, Angaben von meinen dortigen Verwandten zu bekommen, aber sie gehörten nicht der Kirche an und hatten deshalb keine große Lust, mir zu helfen. Das größte Problem bestand aber darin, daß meine Vorfahren einmal aus Europa gekommen waren.
Ich hatte aber nicht nur nicht genug Geld, um nach Europa zu fahren, sondern wußte noch nicht einmal genau, aus welchem Land genau meine Vorfahren stammten.
Die Zeit verging, und ich mußte aus beruflichen Gründen nach Valencia fahren. Damals wurde ich sehr geprüft; nicht nur mein Zeugnis von der Kirche wurde auf die Probe gestellt, sondern ich hatte auch mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen. In Valencia hörte ich von einem Schriftsteller namens Kepa De Derteano y Basterra, der denselben Familiennamen hatte wie ich. Bob Steelheart, ein Mitglied der Gemeinde in Valencia, bot an, mir bei der Suche nach dem Schriftsteller zu helfen. Wir sahen also in den vielen Büchern nach, die Derteano veröffentlicht hatte, und fanden schließlich seine Anschrift. Der erste Besuch bei ihm war vergebens - er und seine Frau waren nicht zu Hause. Seine Tochter meinte jedoch, ich sollte es später am Abend noch einmal versuchen.
Wir gingen also noch einmal hin, und diesmal war Derteano zu Hause. Wir führten ein ganz besonderes Gespräch, bei dem wir bald auf unsere Vorfahren zu sprechen kamen. Wir hatten zwar denselben Nachnamen, aber er war spanischer Baske, ich dagegen Peruaner. Derteano zeigte mir seine genealogischen Aufzeichnungen, und ich stellte erstaunt fest, daß sie bis ins 16. Jahrhundert zurückreichten. Als er mir dann sagte, warum er die Aufzeichnungen gesammelt hatte, war ich beinahe sprachlos.
Er erzählte, ein Großonkel - Abt in der katholischen Kirche - habe ihn auf dem Totenbett gebeten, die genealogischen Aufzeichnungen der Familie Derteano zusammenzustellen. Derteano versprach es ihm, obwohl er den Wunsch mehr für das zusammenhanglose Gerede eines Sterbenden hielt. Aber weil er es versprochen hatte, begann er nach einiger Zeit damit, Aufzeichnungen über die Derteanos zu suchen.
Er mußte viel Zeit, Mühe und Geld aufwenden, um die notwendigen Angaben zu finden. Oft hätte er das Projekt am liebsten aufgegeben. Aber als er einmal beschlossen hatte, mit der Suche aufzuhören, erschien ihm sein Onkel im Traum und erinnerte ihn an sein Versprechen.
So forschte Derteano dreißig Jahre lang weiter und fand in vielen Teilen der Welt Angehörige seiner Familie. Er wußte allerdings nicht, warum er die Angaben sammelte, natürlich abgesehen davon, daß er damit den Wunsch eines Sterbenden erfüllte. Er erzählte, er arbeite sozusagen blind und hoffe, daß er eines Tages den Grund verstehen würde.
Ich sagte, daß ich ihm den Grund nennen könne, und erzählte ihm von der Kirche und warum wir im Tempel stellvertretend heilige Handlungen für die Verstorbenen vollziehen.
Ich las ihm 1 Petrus 3:18-20 vor, wo es heißt, daß der Erretter das Evangelium in der Geisterwelt verkündet hat. Dann las ich ihm aus ,Lehre und Bündnisse', Abschnitt 138 vor und erklärte, wie sehr die Geister sich freuen, wenn sie das Evangelium hören, und daß sie hoffen, ihre Nachkommen würden an sie denken, da sie ohne uns nicht alles erreichen können.
Derteano war außer sich vor Freude, als er den Grund für seine Nachforschungen begriff. Jetzt - im Alter von 63 Jahren - fühlte er sich endlich der Verpflichtung ledig, die sein Großonkel ihm übertragen hatte.
Er gab mir eine Kopie aller Geburts- und Heiratsurkunden, die er gesammelt hatte, und dazu Namen und Adresse anderer Derteanos in anderen Ländern. Ich war überwältigt vor Freude, als wir in seinen Unterlagen zusammen einen gemeinsamen Vorfahren fanden und so die Verbindung von meiner Familie zu seiner herstellen konnten.
Derteano schenkte mir eins seiner Bücher, in das er folgende Widmung geschrieben hatte: „Für Luis Roberto und Rosa Liliana Derteano - Verwandte, nach denen ich mein ganzes Leben gesucht habe. Ohne Zweifel hat uns nicht der Zufall zusammengeführt.
Kepa De Derteano y Basterra. Mai 1988