Genelogie und Tempelarbeit
geschrieben von mormon | 27 Feb, 2008
George Durrant , Mai 1984
Kürzlich fragte ich anläßlich einer Diskussion den derzeitigen Geschäftsführer der Genealogischen Gesellschaft, Elder Royden G. Derrick vom Ersten Kollegium der Siebzig: „Wie sehen Sie den Zusammenhang zwischen Genealogie und Tempelarbeit?”
Er erwiderte: „Eins kann nicht ohne das andere sein.”
Genealogie und Tempelarbeit lassen sich nicht trennen. Es handelt sich um zwei untrennbare Teile einer einzigen göttlichen Verfügung, die der Herr uns zur Erlösung der Toten gegeben hat. Für einen Heiligen der Letzten Tage sollte es nicht bloß ein Steckenpferd sein, nach seinen Vorfahren zu forschen. Vom Standpunkt der Ewigkeit aus gesehen ist Genealogie ohne Tempelarbeit oder Tempelarbeit ohne Genealogie nicht sinnvoller, als wollte man mit einem halben Ball ballspielen.
Manche meinen, die Tempelarbeit sei schon von ihrem Wesen her wichtiger und heiliger — die obere Hälfte des Balls, sozusagen. Doch bei einem rollenden Ball gibt es weder oben noch unten. Ich habe Mitglieder der Kirche sagen hören: „Ich gehe gern in den Tempel, um die heiligen Handlungen zu vollziehen, aber Genealogie interessiert mich einfach nicht.” Andere meinen: „Wenn ich könnte, brächte ich meine ganze Zeit mit Genealogie zu. Ich finde es so aufregend, daß ich vom Morgen bis zum Abend in der genealogischen Bibliothek sein könnte.” Wären wir alle entweder der einen oder der anderen Ansicht, so hätten wir entweder im Tempel einen riesigen Überschuß an Namen oder lange Warteschlangen vor dem Tempel, weil es keine Namen gäbe. Elder Boyd K. Packer vom Kollegium der Zwölf machte den Zusammenhang zwischen den beiden Bereichen deutlich, indem er sagte: „Es kann einem nicht an der Tempelarbeit gelegen sein, ohne daß man zugleich der genealogischen Arbeit große Bedeutung beimißt. Die genealogische Arbeit ist als Dienst für den Tempel grundlegend. Bliebe das genealogische Programm ergebnislos, so müßten auch die Tempel geschlossen werden.” (The Holy Temple, S. 224.)
Im Oktober 1975 sagte Elder Packer vor einer Gruppe Regionalrepräsentanten:
„In den vergangenen zwei Monaten habe ich einige Hohenpriestergruppen besucht. Meistens war ich nur Zuhörer. Ich wollte herausfinden, was die Hohen Priester in diesem Punkt tun — und warum nicht! Die Ermittlung war hochinteressant...
Ich besuchte eine Hohenpriestergruppen mit 39 Mitgliedern, alle mit guter Ausbildung und gutem Einkommen und viele bereits in Pension. Während der letzten Jahre hatten sie 1122 Tempelendowments vollzogen. In derselben Zeit wurden von dieser Gruppe infolge ihrer eigenen genealogischen Forschungsarbeit in ihren eigenen Familienurkunden ganze zwei Namen eingeschickt, wovon einer noch nicht für die Tempelarbeit freigegeben war. Wie ich festgestellt habe, ist diese Situation typisch.
Die genealogische Arbeit in der Kirche wird größtenteils einigen wenigen überlassen, die sich besonders dafür interessieren, diese Arbeit aufregend finden und sich ihr voll und ganz widmen.” (Ebda.)
Manche meinen, auf irgendeine Weise gäbe es immer Namen im Tempel, ohne daß sie etwas dazutun — so wie für die Israeliten in der Wüste jeden Morgen Manna auf der Erde lag.
Wir sollen aber mit der Familie arbeiten und Namen aus der eigenen Familie bringen, damit wir, wenn wir in den Tempel gehen, es für unsere eigenen verstorbenen Vorfahren tun. Der Herr hat jeden von uns und unsere Familien durch seine Knechte aufgefordert, dafür zu sorgen, daß für unsere verstorbenen Vorfahren die heiligen Handlungen des Tempels vollzogen werden. Elder Mark E. Peterson vom Kollegium der Zwölf hat betont:
„Worin besteht also unsere Obliegenheit? Jeder von uns muß — wenn er vorgibt, überhaupt nach dem Evangelium zu leben — nach unseren Verstorbenen forschen und die errettenden heiligen Handlungen für sie vollziehen lassen.
Viele meinen, sie würden ihrer Verantwortung gerecht, indem sie einfach in den Tempel gehen. Aber das stimmt nicht ganz. Freilich müssen wir in den Tempel gehen, sogar oft. Wer noch keine Unterlagen über seine eigenen Vorfahren hat, soll natürlich anderen mit ihren Namen helfen, während er nach seinen eigenen forscht.
Aber wir müssen verstehen, daß wir unsere Pflicht nur teilweise erfüllen, wenn wir nicht für unsere eigenen Verstorbenen in den Tempel gehen, denn es wird auch von uns gefordert, daß wir ausdrücklich zur Errettung unserer eigenen Vorfahren in den Tempel gehen und die verschiedenen Generationen durch die Macht des heiligen Priestertums aneinanderbinden sollen.
Machen wir uns von dem Irrtum frei, wir erfüllten durch den Tempelbesuch unsere ganze Pflicht, denn es ist nicht so. Das allein ist nicht genug .. .
Gott macht jeden für die Errettung seiner eigenen — ausdrücklich seiner eigenen — Familie verantwortlich.” (GK, April 1976.)
Haben Sie schon erlebt, wie schön es ist, für den eigenen Großvater oder für die eigene Urgroßmutter durch den Tempel zu gehen — oder können Sie sich dieses Erlebnis vorstellen? Nichts ist uns so teuer wie die Erlebnisse, die wir geistig nennen. Und bei keiner anderen Tätigkeit in der Kirche kann man mehr davon haben, als wenn wir nach unseren Verstorbenen forschen und für sie durch den Tempel gehen. Elder Packer hat diesbezüglich gesagt:
„Keiner in der Kirche kann diese Arbeit tun, ohne daß er dadurch geistig beeinflußt wird. Dieses Werk ist vom Geist des Elija durchdrungen. Viele der kleinen Ärgernisse unseres Lebens, die kleinen Schwierigkeiten und trivialen Probleme, die uns zusetzen, werden in die richtige Perspektive gerückt, wenn wir sehen, wie die Generationen für die Ewigkeit miteinander verbunden werden. Wir werden viel geduldiger. Wer in seinem Leben von Würde, Weisheit, Inspiration und Geistigkeit beeinflußt werden will, widme sich der Tempelarbeit und der genealogischen Arbeit.” (The Holy Temple, S. 224f.)
Es ist etwas Besonderes, wenn man für jemanden durch den Tempel geht, nach dessen Namen man zusammen mit der Familie selbst gesucht, ihn vorbereitet und eingeschickt hat.
Ich habe Mitglieder sagen hören: „Die Arbeit für unsere eigenen Namen ist bereits getan.” Solange einem klar ist, daß das nur ein Scherz sein kann, mag man so etwas ruhig sagen. Elder W. Grant Bannigerer vom Ersten Kollegium der Siebzig hat darüber gesagt: „Ihre genealogische Arbeit ist nicht abgeschlossen. Meine Großeltern haben vor fünfzig Jahren die ,ganze' Tempelarbeit für ihre verstorbenen Verwandten getan, aber unsere Familie hat seither 16000 weitere Namen gefunden.” (GK, April 1982.)
Neubekehrten oder Mitgliedern, deren Genealogie aus irgendeinem Grund vernachlässigt wurde, bietet sich hier eine aufregende Möglichkeit. Für sie ist das Feld in der Tat weiß, zur Ernte bereit. Wenn alle 50000 Familien, die jedes Jahr getauft werden, nur die Namen ihres Viergenerationenprogramms und der verstorbenen Kinder dieser Vorfahren einschickten, so würden jährlich mindestens 3500000 Menschen die heiligen Handlungen empfangen.
Hegen Sie im Herzen den Wunsch, für Ihre eigenen Angehörigen zu sorgen. Es gibt in der Kirche viel zu tun. Die Genealogie soll nicht alles andere verdrängen, und das andere soll auch nicht die Genealogie verdrängen. Wenn die Bemühungen des einzelnen und der Familie gut geplant sind, kann die Durchschnittsfamilie mit normalem Arbeitsaufwand selbst die Namen ihrer verstorbenen Vorfahren ausfindig machen und für sie die heiligen Handlungen vollziehen. Und natürlich soll auch jeder die Zweite Meile gehen und im Tempel auch für andere arbeiten.
Genealogie und Tempelarbeit gehen, wie Elder Derrick gesagt hat, Hand in Hand. Große Segnungen winken dem, der weiß, daß eins ohne das andere nicht sein kann. Beides zusammen erfüllt uns die ganze Seele mit Freude darüber, daß wir im herrlichen Erlösungswerk für die Toten mitwirken können.
George Durrant ist Vater von acht Kindern, Direktor der Priestertumsgenealogie und Bischof der Gemeinde Mt. Olympus III in Salt Lake City.