Bitte verrichte meine Arbeit

geschrieben von mormon | 27 Feb, 2008
Terry Lynn Fisher, Mai 1984

Als mein Mann und ich noch unter einem Monat verheiratet waren, mußte er die militärische Grundausbildung erfüllen. Es wurde mir nicht gestattet, ihn zu begleiten, also blieb ich während der sechs Monate, in denen er fort war, in Provo, Utah und arbeitete. Das entsprach gar nicht meiner Vorstellung vom Eheleben — mein Mann fast zweitausend Kilometer entfernt und nicht einmal in der Lage, für einen Besuch nach Hause zu kommen. Ich war eine sehr unglückliche Braut.

Während dieser Zeit wurde ich eines Nachts durch eine Stimme, die mir in den Sinn kam, aus tiefem Schlaf geweckt. Während ich dem zuhörte, was gesagt wurde, erkannte ich, daß mein Ururgroßvater zu mir sprach. Ich faßte mich einen Augenblick, hörte zu und dachte nach. Mein Ururgroßvater beauftragte mich, seine Familie an ihn siegeln zu lassen. Er hatte in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten gelebt. Aufgrund des amerikanischen Bürgerkriegs und den wirtschaftlichen Zuständen vor dem Krieg war mein Ururgroßvater Georg Wilkie sehr oft fern von seiner geliebten Frau und seinen vier Söhnen. Schließlich starb er, während er seinem Land im Bürgerkrieg diente.

Ich hatte Kopien von Briefen gelesen, die George Wilkie an seine Familie nach Hause geschrieben hatte und von Briefen, die seine Familie ihm während seines oftmaligen Fernbleibens geschickt hatte. Ich hatte auch seine Tagebücher gelesen. Diese Briefe und Tagebücher spiegelten die Liebe wieder, die einer für den anderen in der Familie hatte, wie auch ihre Wünsche, wieder vereint zu sein.

Meine Vorfahren waren keine Heiligen der Letzten Tage und hatten daher nicht die Segnungen des Evangeliums. Nun, mitten in der Nacht, war hier mein Ururgroßvater Wilkie und sagte mir: „Terry Lynn, bitte sorge dafür, daß meine Familie an mich gesiegelt wird. Ich möchte mit ihnen durch alle Ewigkeit zusammen sein. Bitte verrichte die Arbeit für uns im Tempel. Du bist nun fern von deinem Mann — stell dir vor, das wäre ewig so. Es ist furchtbar. Ich möchte an meine Frau gesiegelt werden.” Dann war die Stimme so schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen war. Zuerst dachte ich, daß ich mir etwas eingebildet haben mußte. Ich lag da und dachte über meine Ururgroßeltern nach. Ich entschied mich dafür, daß ich ihre Genealogie tun und mit der Arbeit beginnen sollte, wenn ich die Zeit dafür hätte. Dann fing ich an, wieder einzuschlafen. Ich war erschrocken, als die Stimme wiederkam und in etwa das gleiche sagte, nur drängte sie mich diesmal dazu, daß ich die Arbeit bald verrichten sollte. Ich beschloß, am nächsten Tag deswegen etwas zu unternehmen. Wie auch immer, offensichtlich wußte mein Großvater, daß ich am nächsten Tag zerstreut sein würde, weil er noch ein drittes Mal zu mir sprach und mir sagte, daß ich jetzt etwas tun soll.

Ich konnte nicht ganz glauben, was geschah, doch mitten in der Nacht stand ich auf und begann, an der Genealogie zu arbeiten. Ich sah verschiedene Papiere und Aufzeichnungen durch und fand die Information, die ich brauchte, um zu beginnen. Dann schrieb ich Briefe, in denen ich um Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden bat. Als ich alles getan hatte, was ich zu der Zeit tun konnte, begab ich mich schließlich wieder ins Bett zurück.

Ich arbeitete viel an der Genealogie während der sechs Monate, in denen mein Mann fort war. Schließlich war es mir möglich, mit meinem Vetter zum Tempel zu gehen und meine Ururgroßeltern siegeln zu lassen. Ich kann bezeugen, daß ich ihre Gegenwart dort im Tempel gefühlt habe und wußte, daß sie endlich wirklich glücklich und für ewig zusammen sein konnten.

Während der nächsten vier Jahre wurde von meinem Mann erwartet, die meiste Zeit von zu Hause fernzubleiben. Ich wurde oft getröstet und gestärkt, wenn ich die Tagebücher meiner Ururgroßeltern las. Darum wissend, daß sie ähnliche Situationen erfahren hatten, half es mir irgendwie, mein Leben in die richtige Perspektive zu bringen. Ich fühlte mich ihnen sehr nahe und obwohl ich sie nie getroffen hatte, spürte ich, daß ich sie kannte. Das Beispiel, daß mir meine Ururgroßeltern unwissentlich gegeben haben, ist und bleibt eine Inspiration.

Terry L. Fischer, Mutter von drei Kindern und Teilzeit-Studentin an der Brigham-Young-Universität, ist Ratgeberin in der PV-Leitung der 102. Gemeinde der BYU.