Gerda, ich liebe dich

geschrieben von mormon | 30 Aug, 2008
oder der Geist des Elia ist auch für einfache Menschen
Mein Freund holte ein dickes, längliches weißes Buch hervor, das einen Tempel auf dem Einband eingeprägt hatte. „Das ist mein Buch der Erinnerung”, sagte er. Ich erkannte einige der Photos — Orson Pratt, George Q. Cannon, Woodruff, Beesley. Könige und Königinnen und Herzöge waren dort beschrieben. Nach den Stammbäumen kamen Seiten um Seiten von Biographien, Selbstbeschreibungen, Anekdoten, Erlebnisse bedeutender Pioniere und ihrer Frauen. Erinnerungen an die Freundschaft mit dem Propheten Joseph Smith. Ich war überwältigt. Als wir die Seiten umblätterten, beneidete ich ihn um seine Vergangenheit. Als Bekehrte teilte ich nur in gewissem Sinne das Erbe der Mormonen, d. h. von Momonenpionieren. Wohl war ich stolz darauf, als ich die Worte des Liedes „Kommt, Heil'ge kommt” lernte. Meine Vorfahren waren Bauern in irgendeinem Teil Europas gewesen. Es gab nichts Zauberhaftes über meine Herkunft.
„Linda, ich beneide dich!” sagte mein Freund. Das riß mich aus meinen selbstmitleidigen Träumen. Mein Freund schloß das Buch und fuhr fort: „Alle Arbeit, die hierin steckt, wurde von einem anderen geleistet. Alle Daten, Geschichten und Bilder wurden von einem Cousin 3. Grades in St. George, Utah, zusammengetragen. Aber du — du kannst völlig neu anfangen und alles für dich entdecken. Denke nur, wie nahe das dich deinen Müttern und Vätern bringen wird. Du wirst sie wirklich kennenlernen.”
Meine Väter und Mütter kennenlernen? Darüber hatte ich nie zuvor nachgedacht. Mütter und Väter müssen nicht berühmt oder königlich sein. Sie müssen nur zu mir gehören und ich zu ihnen. Ich bereute meinen Neid und eilte nach Hause vom Geiste des Elia erfüllt und mit einigen leeren Ahnentafeln in der Hand.
Ich füllte die Daten für meine Eltern und mich aus, aber hatte nicht alle Daten meiner Großeltern. Dann fielen mir einige alte Schachteln mit Familiendingen ein, die meine Mutter einmal erwähnt hatte. Im Keller des Hauses fand ich, zwischen alten Reifen und umgeben vom Staub und Geruch des 19. Jahrhunderts, zwei Zigarrenkisten. Ich hatte Schatzkisten gefunden! Ich setzte mich auf den kalten Beton, umgeben von Eisenwaren, Schläuchen und Schimmel, und begann, mich mit meinen Vorfahren bekannt zu machen. In diesen Kisten fand ich einen Zeitungsausschnitt mit der Todesanzeige meines Urgroßvaters aus dem Jahr 1907, die Meldekarte meines Großonkels aus Schweden im Jahre 1883, eine Locke von Großmutters goldenem Haar, einen Umschlag mit fünf Generationen von Namen meiner Vorfahren auf der Rückseite, eine Menge unbeschrifteter Photos, einige Briefe in schwedisch aus der Zeit, als mein Großvater in den 1860er Jahren um meine Großmuttter warb.
Ich sprach ein tränenreiches Dankgebet in diesem dunklen, muffigen Keller, und ich wußte, daß ich nicht allein war, als ich dort betete.
In den folgenden Monaten untersuchte ich diese Schätze. Ich bohrte bei meiner Mutter nach allem, was sie über ihre Familie noch wußte. Sie half mir, die Bilder zu beschriften und Verwandtschaftslinien einzuordnen. Ich informierte mich über alte schwedische Bräuche. Ich untersuchte alte Landkarten der Gebiete, wo meine Vorfahren herkamen. Ich hörte schwedische Volksmusik, und ich lernte sogar ein wenig Schwedisch. Ich lernte, was für Leute meine Vorfahren wirklich waren. Gerda — die Mutter meiner Mutter, eine einfühlsame, fleißige und schöne Krankenschwester; Carl Johans — der Bahnhofsvorsteher mit dem fließenden Bart, der Rat gab und Streit schlichtete wie ein Rechtsanwalt; Maria Christina — die robuste, stämmige, ergebene Frau Carl Johans, die eine eifrige Leserin der Bibel war; Agnes Sigrid Alfreda, die sich freiwillig den ersten Versuchsimpfungen gegen Kinderlähmung unterzog und unglücklicherweise verkrüppelte, und mein lieber Ururgroßvater Anders, der 1880 schrieb: „Wenn der Herr mir die Gesundheit gewährt und ich Euch willkommen bin, werde ich zu Euch reisen mitsamt meiner Angelausrüstung und dem Material für Holzschuhe.” Ich liebte sie, als wären sie lebende Menschen; meine Eltern.
Die Ahnentafeln waren allerdings noch leer. Es war nun Zeit, die Daten und Orte, die ich hatte, für die stellvertretende Arbeit zu sichten. Streifen um Streifen von mikroverfilmten Geburtsurkunden zog an meinen Augen vorbei. Nach anderthalb Tagen mit falschen Angaben, falschen Landkreisen, falschen Städten, falschen Jahren und einer einsetzenden Übelkeit vor dem Mikrofilm-Lesegerät stieß ich auf einige vertraute Namen: „Gerda Regina, 22 Mars. 1880, far Carl Johan Nilsson, mor Maria Christina Andersdotter.” Ich hatte die Geburtsurkunde meiner Großmutter gefunden! Wieder sprach ich ein Dankgebet. Wieder wußte ich, daß ich nicht allein war.
Nach etlichen weiteren falschen Filmen und vielen Stunden Suchens hatte ich neue Namen gesammelt, um alle Namen zu überprüfen, die ich gesammelt hatte. Jetzt konnte ich die Anträge ausfüllen, sie prüfen lassen und sie nach Salt Lake City schicken, um Sie bearbeiten zu lassen.
Während ich weiter an der Erforschung meiner Vorfahren arbeite, fällt mir ein Ausspruch des amerikanischen Staatsmannes Daniel Webster (1782—1852) ein:
„Wenn wir unseren Vorfahren nahe sind, indem wir ihrem Beispiel folgen, ihren Charakter kennenlernen; indem wir an dem teilhaben, was sie bewegt hat, und ihren Geist in uns aufnehmen, sie bei ihren schweren Arbeiten begleiten, ihnen in ihrem Leiden Trost spenden und mit ihnen in ihren Erfolgen und Triumphen jauchzen, verbinden wir unsere Existenz mit ihrer, und wir scheinen zum gleichen Jahrhundert zu gehören. Wir werden ihre Zeitgenossen; leben das Leben, das sie gelebt haben, erleiden, was sie erlitten, und haben Teil am Lohn dessen sie sich erfreuten.”
Wie großartig ist es doch für uns als Mitglieder der Kirche, unsere Vorfahren an dem Lohn teilhaben zu lassen, dessen wir uns erfreuen, nämlich der siegelnden Vollmacht des Priestertums. Ich weiß von der Göttlichkeit des Geistes des Elia, und ich kenne und liebe meine Mütter und Väter. Ich spürte ihre Gegenwart, als ich weiß gekleidet und naß dastand und für sie im Tempel getauft wurde und ein würdiger Mann immer und immer wieder die Worte sprach: „Schwester Linda Kay Hoffman, stellvertretend für die verstorbene . . . , beauftragt von Jesus Christus, taufe ich dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.” Ich habe auf heilige Weise erfahren, daß einige die stellvertretende Arbeit angenommen haben. Meine Mütter und Väter waren weder berühmt noch königlich, aber nun sind sie für alle Ewigkeit mein, und ich gehöre zu ihnen.
Linda K Hoffmann, März 1977

Gerechtigkeit für die Verstorbenen

geschrieben von mormon | 29 Jun, 2008
„Wenn ein Kind stirbt, bevor es die Jahre der Verantwortlichkeit erreicht hat, ist es erlöst und kommt in das celestiale Reich” (Joseph Smith).
Da der Allmächtige das gesamte Universum nach unveränderlichem Gesetz regiert, sollten alle Menschen anerkennen, daß auch der Mensch, die erhabenste all seiner Schöpfungen, diesem Gesetz unterworfen ist. Der Herr hat diese Wahrheit präzise und überzeugend in einer Offenbarung an die Kirche verkündet:
„Allen Reichen ist ein Gesetz gegeben.
Und es gibt viele Reiche, denn es gibt keinen Raum, worin kein Reich ist; auch gibt es kein Reich, weder ein großes noch ein kleines, worin kein Raum ist.
Jedem Reiche ist ein Gesetz gegeben; und jedes Gesetz hat auch gewisse Grenzen und Bedingungen.
Und es gibt viele Reiche, denn es gibt keinen Raum, worin kein Reich ist; auch gibt es kein Reich, weder ein großes noch ein kleines, worin kein Raum ist.
Jedem Reich ist ein Gesetz gegeben; und jedes Gesetz hat auch gewisse Grenzen und Bedingungen.
Alle Wesen, die nicht unter diesen Bedingungen bleiben, sind nicht gerechtfertigt (LuB 88:36-39).”
Diese Wahrheit spricht für sich. So ist es also nur vernünftig anzunehmen, daß das Reich Gottes durch Gesetze regiert wird und daß alle, die hineinzukommen wünschen, sich diesen Gesetzen unterwerfen müssen. „Siehe, mein Haus ist ein Haus der Ordnung, spricht Gott der Herr und nicht ein Haus der Verwirrung (LuB132:8).”
Der Herr hat dem Menschen ein Gesetzbuch gegeben, wir nennen es das Evangelium Jesu Christi. Die Menschen mögen zwar bezüglich dieser Gesetze verschiedener Meinung sein, da es ihnen an Inspiration und spiritueller Führung fehlt; man kann aber wohl kaum die Tatsache bestreiten, daß solche Gesetze existieren und daß alle, die Einlaß in jenes Reich begehren, ihnen unterworfen sind.
Die Grundsätze unserer Lehre sind 1. Glaube an Gott den Vater und an den Sohn und an den Heiligen Geist, 2. aufrichtige Umkehr für alle Sünder, 3. Taufe durch Untertauchen zur Vergebung der Sünden, 4. das Auflegen der Hände um den Heiligen Geistes zu spenden. Niemand kann das Reich Gottes betreten, ohne zunächst all diese Forderungen erfüllt zu haben. Dies meinte der Herr im Grunde genommen, als er zu Nikodemus sagte: „Es sei denn, daß jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen (Joh 3:.5).”
Jeder, der sich zum Glauben an den Heiland bekennt, muß hinnehmen, daß diese Verordnung wahr und endgültig ist. In den vergangenen Jahrhunderten jedoch — und sogar jetzt noch in vielen sogenannten christlichen Gemeinschaften — hat eine falsche Auslegung dieser Lehre zu ernsthaften Irrtümern und unbewußt auch zu schwerwiegenden Sünden geführt. Ich denke an die Lehre, die besagt, daß alle, die sich während des Erdenlebens nicht zum Glauben an den Herrn bekannt haben oder nicht von ihm gehört hatten, bevor der Tod sie von der Erde nahm, für immer verdammt seien und den Qualen der Hölle nicht entrinnen könnten. Diese falsche Vorstellung und Auslegung des Evangeliums besteht schon seit den frühesten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung im sogenannten Christentum, ist aber niemals Bestandteil des Evangeliums Jesu Christi gewesen.
In der „Göttlichen Komödie” beschreibt Dante die Lehre von der Verdammnis unglücklicher Seelen, die ohne ein Wissen von Christus sterben, so wie es im 13. Jahrhundert gelehrt wurde. Der Erzählung nach verirrt sich Dante in den Wäldern und trifft dort den römischen Dichter Vergil. Dieser verspricht, ihm die Höllenstrafen und das Fegefeuer zu zeigen und später auch einen Blick ins Paradies zu gewähren. Er folgt Vergil durch die Hölle und geht dann mit ihm in den Limbus, die Vorhölle. Hier sind die Seelen derer eingesperrt, die zwar tugendhaft und würdig lebten, aber doch Strafe verdienen, weil sie nicht getauft wurden. Sie sind für immer von den Segnungen der Erlösung ausgeschlossen. Als Dante diese bemitleidenswerten Seelen im oberen Teil der Hölle betrachtet und, wie es in der Erzählung heißt: die „vielen Kinder und Frauen und Männer” sieht, wundert er sich.
Sein Führer fragt ihn:
„Du frägst mich nicht, wer diese Vielen sind, die du hier siehst?”
Dante bekundet seinen Wunsch, es zu erfahren, und so fährt der Führer fort: „Noch eh du weiter gehst, sollst du es wissen: Daß sie nicht sündigten, genügte nicht zu ihrem Heil; die Taufe fehlte ihnen, des Glaubens Teil, der auch der deine ist. Denn da sie vor dem Christentum lebten, vermochten sie Gott würdig nicht zu ehren, deshalb gehör auch ich zu diesen Scharen: Aus diesem Grund allein sind wir verloren, nicht aus der Schuld, doch ist es unser Leiden, daß hoffnungslos an Sehnsucht wir verschmachten.”
Die ernsthafte Frage seines sterblichen Gastes, der zu wissen wünscht, ob jemand, der so bestraft wurde, jemals die Möglichkeit habe, diesem traurigen Zustand der Qual zu entrinnen, diese Frage beantwortet der Geist des Dichters damit, daß die Rechtschaffenen, die von Gott wußten — von der Zeit unserer Stammeltern bis hin zur Zeit Christi — erhöht worden seien; aber von den Unglücklichen, die niemals von Christus gehört haben, sagt er: „Und wissen sollst du, daß vor diesen Großen kein einziger gerettet worden war.”
Dante war allerdings nicht der Urheber dieser unglückseligen und falschen Lehre. Sie stammt vielmehr aus den ersten Tagen des Abfalls von der wahren Lehre Jesu Christi.
Der Historiker Motley berichtet in dem Werk „Aufstieg der niederländischen Republik” von dem folgenden Ereignis, das sich zutrug, als das Christentum in Westeuropa eingeführt wurde. Radbod, ein friesischer Häuptling, war offensichtlich bekehrt worden und wollte sich taufen lassen. An jenem Tage ging man dann auch hinunter ins Wasser und ließ sich untertauchen. Während er so im Wasser stand und darauf wartete daß die heilige Handlung vollzogen würde, wandte sich Radbod an den Priester Wolfram und sagte: „Wo sind in diesem Augenblick meine verstorbenen Vorfahren?” Der Priester legte mehr Eifer als Weisheit an den Tag und antwortete: „In der Hölle mit all den andern Ungläubigen zusammen.” „Gut, wenn das so ist”, antwortete der heidnische Häuptling und verließ zornig das Wasser, „will ich lieber mit meinen Vorfahren in den Hallen Wotans Feste feiern als mit deiner kleinen Schar christlicher Hungerleider im Himmel wohnen.” Welche Antwort hätten Sie unter ähnlichen Umständen gegeben?
Welch eine Schande, daß diese selbe schreckliche Lehre immer noch aus jenen fernen Tagen geistiger Dunkelheit herübertönt und seitdem immer wieder schrecklich und qualvoll ernsthaften Seelen in den Ohren klingt, die sich um die Erlösung lieber Menschen, die ihnen vorangegangen sind, Sorgen machen. Ich kann mich noch gut an die Pein einer innig liebenden Mutter erinnern, der von einem wohlmeinenden, aber irregeleiteten Priester gesagt wurde, ihr totes Kind sei auf ewig verloren, weil es nicht getauft worden sei.
Ich hatte diese Mutter einmal besucht, und sie erzählte mir die folgende Geschichte. Vor mehreren Jahren hatte sie ein kleines Kind verloren. Es war nicht zum Besprengen zum Geistlichen gebracht worden und in diesem Zustand gestorben. Die Eltern suchten den Geistlichen auf und baten ihn um ein christliches Begräbnis für ihr Kindchen. Diese demütige Bitte wurde jedoch feierlich, aber nichtsdestoweniger brutal abgeschlagen. Den Eltern wurde mitgeteilt, ihr Kind sei für immer verloren. Mit gebrochenem Herzen vergruben sie ihr Kindchen wie einen Ausgestoßenen ohne die heiligen Handlungen jener Kirche und ohne ein „christliches Begräbnis”. Was haben diese liebenden Eltern gelitten! Wie sehr waren sie doch innerlich zerrissen!
Mehrere Jahre lang litt diese Mutter im Glauben an die Lehren jenes Priesters unter den bittersten Seelenqualen. Sie wußte, es lag nicht an ihrem Kind, daß es nicht getauft worden war. Es war von jeglicher Schuld frei. War nicht sie selbst an allem schuld? Und wegen dieser falschen Lehre fragte sie sich, ob nicht sie für die ewigen Qualen dieses Kindes verantwortlich sei. Es war ihr zumute wie einem bußfertigen Mörder, der das Leben, das er genommen hatte, nicht zurückgeben konnte; in diesem Seelenschmerz litt sie die Qual der Verdammten.
Es war ein glücklicher Tag für diese betrübte Mutter, als ich sie besuchte. Ich habe noch deutlich die Freude vor Augen, die ihr gequältes Gesicht ausstrahlte, als ich ihr erklärte, daß diese Lehre falsch sei, so falsch wie die Tiefen der Hölle, aus der sie stamme. Ich teilte ihr mit, daß dies nicht die Lehre Jesu Christi sei, der kleine Kinder liebte und erklärte, daß ihr Platz im Himmelreich sei. Ich las ihr aus dem Buch Mormon und die Worte Mormons an seinen Sohn Moroni vor und erklärte ihr, was der Herr Joseph Smith offenbart hatte, nämlich: „Wenn ein Kind stirbt, bevor es die Jahre Verantwortlichkeit erreicht hat” — d. h. 8 Jahre ist — „ist es erlöst und kommt in das celesti Reich des Himmels10.” Ja, der Herr hat in die glorreichen Zeit der Wiederherstellung verkünde
„Alle, die gestorben sind, ohne das Evangelium kennengelernt zu haben, es aber angenommen hätten, wenn sie bis dahin hätten leben dürfen, werden Erben des celestialen Reiches Gott ebenso werden alle, die fortan sterben, ohne davon zu wissen, es aber von ganzem Herzen angenommen hätten, Erben jenes Reiches werden, denn i der Herr, werde alle Menschen nach ihren Taten u nach den Wünschen ihres Herzens richten".”
Das Evangelium Jesu Christi ist das Evangelium der Barmherzigkeit. Es ist auch das Evangelium der Gerechtigkeit. Das muß so sein, denn kommt von einem Gott der Barmherzigkeit, nicht von einem grausamen Ungeheuer, wie einige religiöse Eiferer immer noch glauben und fälschlich verkünden:
„Nach dem Ratschluß Gottes zur Offenbarung seiner Herrlichkeit sind einige Menschen und Engel zu ewigem Leben und andere zu ewigem Tode vorherbestimmt. Diese Engel und Menschen, auf diese Weise vorherbestimmt, sind genau zu diesem Zwecke und unwiderruflich ausersehen; und auch ihre Zahl steht so unveränderlich fest, dass sie weder vergrößert noch vermindert werden kann.”
Ist es nicht schrecklich, darüber nachzudenken, daß hier eine Evangeliumswahrheit solange verkehrt und entweiht wurde, bis eine solche Schändlichkeit daraus wurde? Gerechtigkeit wie auch Barmherzigkeit sprechen für die Verstorbenen, die ohne Kenntnis des Evangeliums gestorben sind Wo bliebe denn die Gerechtigkeit, wenn all die ungezählten Scharen, die ohne Kenntnis von Jesus Christus gestorben sind, hoffnungslos und für immer in die Hölle verdammt würden, auch wenn sie nur die Qualen der Vorhölle zu ertragen hätten?
Die Schrift sagt: „Gerechtigkeit und Gericht sind deines Thrones Stütze, Gnade und Treue gehen vor dir einher (Ps 89:15).”
Die Gnade und Liebe eines gerechten Gottes umfaßt alle seine Kinder. Bei der Wiederherstellung des Evangeliums durch den Propheten Joseph Smith verkündigte der Herr aufs neue die Erlösung für die Verstorbenen; er hat erklärt:
„Laßt eure Herzen frohlocken und überaus fröhlich sein! Die Erde breche aus in Gesängen! Laßt die Toten ihre Hymnen zum ewigen Preise des Königs Immanuel darbringen, der, ehe die Welt war, das vorherbestimmte, was uns befähigt, sie aus dem Gefängnis zu befreien, denn die Gefangenen sollen frei werden
Joseph Fielding Smith, Oktober 1972

Dreihundert Pergamentrollen

geschrieben von mormon | 2 Mai, 2008
„Laßt die Toten ewige Lobeshymnen auf den König Immanuel anstimmen, der ... das verordnet hat, was uns befähigt, sie aus ihrem Gefängnis zu erlösen.” (LuB 128:22,)

Ich war in Barcelona gewesen, um die Angaben durchzusehen, die ein Vorfahr meines Mannes aus dem 18. Jahrhundert gesammelt hatte. Mein Mann ist übrigens kein Mitglied. Ich hatte fast zweihundert Namen zusammen, die hauptsächlich aus Tagebüchern in Katalanisch, meiner Muttersprache, stammten. Ich wußte, daß die Familie meines Mannes darüber hinaus noch ungefähr dreihundert Pergamentrollen mit genealogischen Angaben besaß, die aus dem fünfzehnten Jahrhundert stammten und alle in lateinischer Sprache verfaßt waren.
Aus familiären Gründen konnte ich nur sehr kurz bleiben, um das lateinische Material durchzusehen, aber ich konnte die Schrift nicht entziffern. Ich hatte auch kein Geld, um Fotokopien zu machen, und deshalb und wegen der kurz bemessenen Zeit sprach ich mit einer Freundin darüber, daß ich mir Sorgen um die Seele der Betreffenden machte, die nun noch länger darauf warten müßten, daß die Arbeit für sie getan werde.
Meine Freundin schlug vor, ich solle mir einen Priestertumssegen geben lassen. Das tat ich auch, nachdem ich vorher gefastet hat, und ich spürte, wie mir der Segen geistig Kraft gab. Aber die gewaltige Aufgabe machte mir noch immer Angst, und deshalb legte ich. die Schriftrollen noch eine Weile beiseite.
Schließlich, als ich nur noch eine Woche Zeit für die Übersetzung hatte, kniete ich nieder und flehte um Hilfe. Wenn es der Wille des Herrn sei, so betete ich, dann solle er es mir doch ermöglichen, ein Werkzeug in seiner Hand zu sein und mitzuhelfen, diese Menschen aus dem Gefängnis wurde es einfacher; ich las immer schneller, Irgendwie fand ich auch die Abgeschiedenheit, die ich brauchte, und obwohl ich fast jede Nacht durcharbeitete und nur wenig schlief, war ich nicht müde. Mir war, als spürte ich die Gegenwart derjenigen, für die ich arbeitete, und das gab mir den geistigen Ansporn, den ich so dringend brauchte.
Ich stellte fest, daß Ratten im Laufe der Jahrhunderte an den Rollen genagt und einige Angaben weggefressen hatten. Aber fast immer fand ich fehlende Angaben an einer anderen Stelle der Dokumente. Wenn ich vergessen hatte, etwas aufzuschreiben, spürte ich, daß ich die Pergamentrolle noch einmal lesen mußte. Wenn ich sie entrollte, sprang mir die fehlende Angabe direkt in die Augen. Immer wenn die Übersetzung schwierig wurde, betete ich aufrichtig um Hilfe, und diese Hilfe wurde mir auch jedesmal zuteil.

Ich beendete die Übersetzung innerhalb von vier Tagen, kurz vor meiner Abreise. Die Angaben, die ich zusammengetragen hatte, reichten bis ins Jahr 1212 zurück. Ich hatte keine Engel und keine Vision gesehen, aber ich hatte trotzdem jeden Tag ein Wunder erlebt – ein Wunder, das so natürlich war wie der Sonnenaufgang.
Ich werde dein himmlischen Vater immer dankbar dafür sein, daß er mir geholfen hat. Jetzt ist mein Zeugnis, daß der Geist des Elija in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zu finden ist, fester denn je, und dieser Geist ermöglicht es uns, die Toten aus ihrem Gefängnis zu erlösen. Ich weiß. daß die Gefangenen durch diesen Geist freigelassen werden (siehe LuB 128:22,).
Mariona Washburn,, November 1990

Ein Schatz aus China

geschrieben von mormon | 28 Apr, 2008
Zuerst erfuhr ich von dem Schatz an einem wunderschönen australischen Morgen im Oktober 1992. Mein Ehemann, der kein Mitglied der Kirche ist, erwachte und beschrieb mir einen bemerkenswerten Traum. Er sagte, in diesem Traum habe ihn jemand aus meiner Familie gebeten, mir die Erlaubnis zu geben, in die Volksrepublik China zu fahren und die genealogischen Aufzeichnungen meiner Familie zu holen.
Ich fragte meinen Mann, was er darauf geantwortet habe. Er meinte, er wolle nicht dafür verantwortlich gemacht werden, daß er mich nicht habe gehen lassen.
Ich war verblüfft. Ich selbst hatte bereits mit dem Gedanken gespielt, in einigen Monaten nach Hongkong zur Hochzeit meiner Tochter zu fahren. Nach der Hochzeit hätte ich dann in das Dorf auf dem chinesischen Festland reisen können, in dem meine Vorfahren gelebt hatten und wo unsere Aufzeichnungen aufbewahrt sind. Wegen meines Mannes Traum beschloß ich, die Reise zu machen.
Einerseits war ich begeistert, andererseits hatte ich aber auch ein wenig Angst, allein nach China zu fahren. Hier sorgte der Herr für eine Lösung. Mein Schwiegersohn wollte auch nach Hongkong gehen, und er bot an, mich nach China zu begleiten.
Am 16. Dezember 1992 bestiegen wir den Zug von Hongkong nach Guangzhou, China. Von Guangzhou aus nahmen wir einen anderen Zug nach Maomeng; dieser Teil der Reise dauerte elf Stunden. Von Maomeng aus fuhren wir mit einem Motorrad mit Beiwagen, bis wir drei Stunden später in dem Dorf ankamen. Bei unserer Ankunft war mein Onkel sehr überrascht, denn er hatte den Brief, der unsere Ankunft ankündigte, erst am Abend zuvor erhalten. Ich erkannte meinen Onkel sofort, denn er sah genau wie mein Vater aus. Nachdem wir uns alle bekanntgemacht hatten, fragte ich nach den Aufzeichnungen.
Mein Onkel brachte sieben Bände, und mit Hilfe der darin enthaltenen Daten konnte meine Familie fast siebenhundert Jahre weit zurückverfolgt werden. Zu jedem einzelnen Vorfahren waren nicht nur das Geburts- und das Sterbedatum angegeben, sondern auch noch ein Teil der persönlichen Geschichte. Ich war begeistert.
Jedoch stand ich vor einem großen Problem. Das Dorf war so abseits, daß es kein fließendes Wasser gab, geschweige denn einen Fotokopierer. Die Berichte per Hand zu kopieren, würde Monate beanspruchen. Als ich meine Sorge äußerte, lächelte mein Onkel. Er sagte, er besitze eine zusätzliche Kopie, die ich mitnehmen dürfte. Mein Schwiegersohn und ich schauten uns verwundert an. Diese Leute sind nicht reich, und die Anfertigung dieser zusätzlichen Kopie muß viel Geld gekostet haben.
Daß ich keine genealogische Arbeit für meine Familie tat, hatte ich jahrelang damit entschuldigt, daß mir die Aufzeichnungen fehlten. Von jetzt an gab es keine Entschuldigung mehr. Dieses Erlebnis hat mich davon überzeugt, daß viele meiner Vorfahren das Evangelium in der Geisterwelt angenommen haben, und daß aus diesem Grund der Weg für mich geöffnet wurde, in den Besitz der Aufzeichnungen zu gelangen — in der Tat ein Schatz von unermeßlichem Wert.
Jenny Shaylor, April 1994

Die Macht des Elia

geschrieben von mormon | 27 Apr, 2008
Das Alte Testament berichtet von vielen großen Propheten. Der letzte Prophet im alten Israel, der alle göttliche Vollmacht besaß, war Elia der Thisbiter'. Eine Hungersnot kam ins Land, als Elia auf Gottes Geheiß die Himmel verschloß, so daß es nicht mehr regnete. Während dieser Hungersnot wurde er am Bach Krith, der in den Jordan fließt, auf wunderbare Weise von Raben mit Nahrung versorgt.
Dann sandte Gott ihn in die Stadt Zarpath und sagte ihm, er habe dort einer Witwe geboten, ihn zu versorgen. Elia traf die Witwe vor der Stadt und bat sie, ihm etwas zu essen zu geben.
„Sie sprach: So wahr der Herr, dein Gott, lebt: ich habe nichts Gebackenes, nur eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Und siehe, ich hab ein Scheit Holz oder zwei aufgelesen und gehe heim und will mir und meinem Sohn zurichten, daß wir essen — und sterben".”
Elia verhieß ihr dann im Namen des Herrn, daß es ihr niemals an Nahrung mangeln würde, wenn sie ihm zu essen gäbe. Ich habe oft über den Glauben dieser Frau nachgedacht, die auf die Verheißung eines einfachen Dieners Gottes hin ihr Leben und das ihres Sohnes in die Waagschale warf. Gehorsam bereitete sie etwas Gebackenes zu und brachte es Elia, und dann geschah das Wunder, wie der Prophet es verheißen hatte: „Das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt, und dem Ölkrug mangelte nichts nach dem Wort des Herrn, das er durch Elia geredet hatte.”
Wenn die Macht des Elia schon in zeitlichen Angelegenheiten so bedeutsam ist, wie groß muß dann erst seine spirituelle Macht sein. Bekanntlich war das, was er auf Erden band oder siegelte, auch im Himmel gebunden, und das, was er auf Erden löste, auch im Himmel los:
Zu seiner Zeit band er wegen der Gottlosigkeit der Menschen die Himmel, so daß es nicht regnete. Und es fiel so lange kein Regen, bis er dem Volk die Ohnmacht und Unfähigkeit der 450 Baalspriester gezeigt hatte. Nachdem sie vernichtet waren und das Volk sich gedemütigt hatte, öffnete Elia durch die Macht Gottes die Himmel, so daß es wieder regnete und die Hungersnot ein Ende nahm. Diese siegelnde Macht ist ein charakteristisches Merkmal der Propheten Gottes, die alle göttliche Vollmacht besitzen.
Jesus verhieß Petrus, daß er diese siegelnde Macht besitzen würde: „Ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben, und alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein.”
Petrus empfing diese Macht jedoch erst eine Woche später, als Jesus mit ihm, Jakobus und Johannes auf einen hohen Berg ging. Dort wurden sie verklärt, und Mose und Elia erschienen ihnen und übertrugen ihnen auf Weisung Jesu Christi alle göttliche Priestertumsvollmacht. Elia, der als letzter Prophet des Alten Testaments diese siegelnde Vollmacht besessen hatte, übertrug sie auf die Propheten des Neuen Testaments. Im Priestertum herrscht eine feste Ordnung, und die Schlüsselgewalt wird auf die Weise des Herrn und auf sein Geheiß hin übertragen. Nachdem diese Vollmacht wiederhergestellt war, konnte sie — der Schrift zufolge — auf alle Apostel übertragen werden. Jesus sprach zu den Zwölfen: „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los sein."
Es herrscht beträchtliche Verwirrung über die Macht des Elias und die Macht des Elia. Es hat einen Propheten namens Elias gegeben, der uns wohl besser als Noah bekannt ist. Das Amt des Elias ist das eines Wegbereiters oder Vorläufers. Wer mit dieser Macht ausgestattet ist, bereitet den Weg für Größeres vor. Propheten, die diese Macht besitzen, tragen den Titel Elias.
Als die Zwölf hörten, daß Mose und Elia erschienen waren, baten sie Jesus um eine Erklärung; denn sie hatten die Schrift so verstanden, daß zuerst Elia (Elias) kommen müsse. Jesus sagte ihnen, dies sei richtig. Dann erklärte er ihnen, daß Johannes der Täufer dieser Elias gewesen sei, der ihm den Weg bereiten sollte, aber das Volk habe ihn nicht als solchen erkannt. Auf diesen Vorläufer folgt Elia mit der Vollmacht, die siegelnde Macht des Melchisedekischen Priestertums auf das Haus Israel zu übertragen. Darauf folgt der Messias, der Gesalbte, der Erlöser, der alle Macht in sich vereint.
So ist es auch in unserer Zeit gewesen. Johannes der Täufer erschien als Elias und stellte die Vollmacht des Aaronischen Priestertums wieder her. Er bereitete damit den Weg für die Wiederherstellung des Priestertums vor. Dann erschienen Petrus, Jakobus und Johannes und stellten das höhere oder Melchisedekische Priestertum wieder her. Unsere Zeit aber ist die letzte Zeit, die Zeit der Erfüllung, von der Petrus gesprochen hat. Deshalb muß in dieser Zeit „alles wiedergebracht (werden), wovon Gott geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten von Anbeginn”.
Ehe Christus in Macht und Herrlichkeit erscheint, muß daher alles vorbereitet und wiederhergestellt werden — auch die siegelnde Macht des Elia.
So muß also die Prophezeiung Maleachis erfüllt werden. Ich zitiere diese Verheißung, wie Moroni sie wiedergegeben hat, als er zu Beginn dieser Evangeliumszeit gesandt worden ist, um Joseph Smith zu belehren.
„Siehe, ich will dir das Priestertum offenbaren durch den Propheten Elia, ehe der große und schreckliche Tag des Herrn kommt.
Und er wird in die Herzen der Kinder die den Vätern gegebenen Verheißungen pflanzen, und die Herzen der Kinder sollen sich zu ihren Vätern kehren.
Wäre dem nicht so, dann würde bei seiner Wiederkunft die ganze Erde völlig verwüstet werden.”
Diese Schriftstelle ist so bedeutsam, daß sie meines Wissens die einzige ist, die in allen vier Standardwerken beinah wörtlich wiedergegeben wird. Der Prophet Elia ist — der Verheißung gemäß — gekommen und hat die siegelnde Vollmacht wiedergebracht. Diese Schlüsselgewalt wurde ebenso wie auf dem Berg der Verklärung in vollkommener Ordnung wiederhergestellt. Jeder Prophet, der eine besondere Priestertumsvollmacht besessen hatte, erschien und übertrug sie auf den Propheten Joseph Smith. Mose erschien, Elias kam. Dann erschien Elia und sprach:
„Sehet, die Zeit ist völlig da, von der Maleachi gesprochen, der bezeugte, ehe der große und schreckliche Tag des Herrn komme, werde er, Elia, gesandt werden, um die Herzen der Väter zu den Kindern zu bekehren, und die Kinder zu den Vätern, damit nicht das ganze Erdreich mit einem Fluche geschlagen werde.
Deshalb sind die Schlüssel dieser Evangeliumszeit in eure Hände gelegt worden, und hierdurch könnt ihr wissen, daß der große und schreckliche Tag des Herrn nahe ist, ja vor der Türe steht.”
Somit ist die Prophezeiung erfüllt und alle frühere Priestertumsvollmacht auf Erden wiederhergestellt. Es sind Tempel errichtet worden, in denen alle, die würdig sind und sich durch Glauben und einen rechtschaffenen Lebenswandel darauf vorbereiten, die heiligen Handlungen des Priestertums empfangen können. Wir haben die Vollmacht erhalten, vor der Wiederkunft des Heilands ein großes Werk zu vollbringen. Wir sollen die Familien in patriarchalischer Ordnung miteinander verbinden, damit wir — sofern wir würdig sind — dereinst als Kinder Gottes mit einem auferstandenen Körper aus Fleisch und Bein im celestialen Reich in der Gegenwart Gottes, des ewigen Vaters, leben können.
Kraft dieser Priestertumsvollmacht, die wieder auf Propheten Gottes übertragen worden ist, können wir uns auf Erden als Familie aneinander siegeln lassen, und diese Siegelung ist auch im Himmel gültig. Als bevollmächtigte Jünger Jesu Christi können wir somit nicht nur uns und unsere Familie erlösen, sondern auch unsere Vorfahren. Wir brauchen nur zu glauben und der Verheißung zu folgen, wie es die Witwe aus Zarpath getan hat. Sie gab ihre letzte Nahrung zum Zeichen ihres Glaubens an Gott. Sicherlich können wir, die wir so reich gesegnet sind, einen Teil unserer Zeit und unserer Mittel zur Verfügung stellen, um auf Weisung neuzeitlicher Propheten, die mit derselben Priestertumsvollmacht ausgestattet sind wie Elia der Thisbiter, dieses spirituelle Werk für die Lebenden und die Verstorbenen zu tun. Präsident Kimball hat diese siegelnde Vollmacht: Was er auf Erden bindet, ist auch im Himmel gebunden. Er ist ein wahrer Prophet Gottes. Ich bezeuge es im Namen Jesu Christi. Amen.
Theodore M. Burton, Januar 1975

Denen, die warten

geschrieben von mormon | 26 Apr, 2008
Segnungen und Inspiration sind der Lohn für genealogische Arbeit
Wir finden in diesem Leben wohl kaum reicheren spirituellen Lohn als in der genealogischen Arbeit, ganz besonders dann, wenn wir durch Glauben, Beten und Fasten direkte und deutlich erkennbare Hilfe von denen erhalten, die hinter dem Vorhang darauf warten, daß die erlösenden heiligen Handlungen stellvertretend für sie vollzogen werden.
Sie sind heute in ihrer Welt ebenso wirklich und lebendig wie zu der Zeit, als sie noch einen irdischen Körper gehabt und auf der Erde gelebt haben. Sie wissen, wo und wann sie geboren sind, gelebt haben und gestorben sind. Sie kennen die Namen ihrer Eltern und aller Familienangehörigen.
Die Chroniken über die genealogische Arbeit der Heiligen der Letzten Tage enthalten zahlreiche Berichte darüber, wie diese Verstorbenen ihren lebenden Nachkommen beistehen, die bemüht sind, ihnen zu helfen.

*Gertrude Todd, eine erfahrene Genealogin, forschte jahrelang vergeblich nach der Familie des Großvaters ihres Mannes. Der Großvater hieß Abraham Todd, und man wußte nicht mehr von ihm als die Namen seiner Eltern und daß er 1850 in Forncett in der Grafschaft Norfolk in England geboren wurde.
Schwester Todd schrieb zahllose Briefe an alle möglichen Stellen und Leute, die möglicherweise einen kleinen Hinweis geben konnten. Sie durchforschte tagelang die Urkunden in der genealogischen Bibliothek. Ein innerer Zwang, den sie nicht übergehen konnte, trieb sie an, weiterzusuchen.
Eines Morgens schließlich legte sie alle Briefe und Urkunden auf den Tisch, kniete nieder und bat den Herrn um Hilfe. Sie hatte schon oft um Hilfe gebeten und gefastet. Als sie sich wieder erhob, sah sie voll Verwunderung und Freude auf dem obersten Blatt in schwarzen altenglischen Buchstaben das Wort Methodist stehen.
Unverzüglich schrieb sie einen weiteren Brief. und zwar an den Superintendenten der Methodistenkirche in Forncett.
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Gleichzeitig erhielt sie noch einen zweiten Brief. Er kam von einem älteren, im Ruhestand lebenden Pfarrer, mit dem sich der Superintendent in Verbindung gesetzt hatte. Dieser Pfarrer war ein Neffe Abraham Todds. Seine Mutter war die Schwester Abraham Todds gewesen.
Können Sie sich vorstellen, wie froh und dankbar Schwester Todd gewesen ist, als sie nun die so dringend benötigten Daten auf brieflichem Wege zusammentragen konnte? Doch ihre Freude und Zufriedenheit währten nicht lange. Irgend etwas stimmte nicht. Sie hatte das sichere Gefühl, daß noch ein Mitglied der Familie fehlte; und wieder spürte sie den inneren Zwang weiterzuforschen.
Anhand der vorhandenen Hinweise suchte sie also weiter, bis der fehlende Name gefunden war. Es war ein kleines Mädchen namens Susan, das selbst dem Neffen unbekannt war. Der Name war weder in den Familienurkunden, noch in amtlichen Urkunden, noch im Kirchenregister verzeichnet; man entdeckte ihn jedoch im Volkszählungsbericht einer anderen Stadt, wo die Familie Todd kurze Zeit gelebt hatte.
Die Familie wurde aneinander gesiegelt, und Schwester Todd verspürte eine tiefe innere Zufriedenheit. Seltsamerweise verblaßte der Schriftzug Methodist nach und nach, doch nicht eher, als bis man ihn mit den Familienurkunden aus Forncett verglichen und völlige Übereinstimmung mit einigen darin enthaltenen Schriftzügen festgestellt hatte.

*Lida Prince ist es ähnlich ergangen. Sie hatte ihrem sterbenden Onkel versprochen, daß sie die genealogische Arbeit für die Familie Lee durchführen wolle. Sie bat ihn jedoch darum, daß er hinter dem Schleier die betreffenden Vorfahren ausfindig und ihre Hilfe erbitten solle.
Ihr Vetter, Harold B. Lee, damals ein Mitglied des Rates der Zwölf, hatte ihr außerdem in einem Segen verheißen, daß sie von jenseits des Grabes Hilfe erhalten würde, wenn es nötig sei.
Lange Zeit forschte sie vergeblich nach der Linie ihrer Großmutter Jane Vail Johnson. Schließlich betete und fastete sie, um die Hilfe zu erhalten, die ihr verheißen worden war. Ihre Gebete wurden auf wunderbare Weise beantwortet. In der Nacht erschien ihr ein schwarz gekleideter junger Mann. Er stand am Fußende ihres Bettes. Das Licht im Zimmer brannte, und sie war noch wach. Sie schrieb alles auf, was sie sah und hörte.
Der junge Mann zeigte ihr ein Buch mit dem Titel Mahlon Johnson Family — Ancestors and Descendants (Vorfahren und Nachkommen der Familie Mahlon Johnson). Auf der Innenseite des Buchdeckels stand: Littletown, N.J. 1775 - 1857. Der unbekannte Bote sagte ihr: „Dieses Buch enthält Großmutters Daten.”
Die genealogische Bibliothek besaß dieses Buch nicht, jedoch die Bibliothek des Kongresses. Dort sagte man ihr auch, wo sie es bekommen könne. Ihr Sohn besorgte ein Exemplar des Buches. Es enthielt ein Literaturverzeichnis, in dem besonders auf das Buch Fits Randolph Traditions hingewiesen wurde. Schwester Prince beschaffte sich auch dieses Buch; und anhand dieser beiden Bücher stellte sie über 500 Familiengruppenbogen zusammen. Außerdem konnte sie die direkte Linie über 26 Generationen zurückverfolgen.

*Henry Christiansen, leitender Mitarbeiter der Genealogischen Gesellschaft und anerkannter Genealoge, durchforschte die Regale der Bibliothek im Auftrag eines Klienten, dessen Vorfahren angeblich zu den „New Yorker Holländern” gehört hatten. Er hatte schon alle bekannten Quellen über diese Siedler durchforscht, ohne jedoch irgendeinen Anhaltspunkt zu finden.
Unschlüssig, wohin er sich wenden sollte, ließ er den Blick über die Buchtitel schweifen. Plötzlich fiel sein Blick auf ein Buch über holländische Siedler in Pennsylvanien. Der umfangreiche Band mit über 500 kleingedruckten Seiten hatte kein Inhaltsverzeichnis und enthielt auch sonst keinerlei Hinweise, die das Auffinden eines speziellen Gegenstandes erleichtert hätten. So stellte er das Buch wieder zurück und ging weiter.
Als er jedoch ein zweites Mal die Reihen entlangging, fiel sein Blick wieder auf dasselbe Buch, und er fühlte den starken Drang, noch einmal hineinzuschauen. Er blieb stehen und griff beinah unbewußt danach. Als er es herauszog, rutschte es ihm aus der Hand. Instinktiv wollte er es festhalten, damit es nicht auf den Boden fiel, und gab ihm einen Stoß, so daß es auf einem kleinen Tisch landete. Dabei öffnete es sich, und seine Hand lag nun quer über den aufgeschlagenen Seiten. Beim Hinschauen erkannte er, daß sein Zeigefinger genau auf den Namen des Mannes wies, den er suchte.

*Schwester Maureen Wahlquist hatte mit ihrem Mann schon mehrmals den Kreis Chickasaw in Mississippi aufgesucht, wo ihre Vorfahren gelebt hatten. Ihre Forschungsreisen waren stets von Gebeten begleitet und niemals vergeblich gewesen. Doch als sie 1969 erneut aufbrachen, um in diesem Kreis Ahnenforschung zu betreiben, knüpften sie ganz bestimmte Erwartungen daran.
Schwester Wahlquists Vater, der in Memphis lebte, begleitete sie; denn die Suche galt dem Großvater seiner Frau.
Sie erhielten die Erlaubnis, im Kreisgericht in Houston die Testamentsurkunden durchzusehen, doch fand sich im Testamentsregister keine Eintragung unter dem gesuchten Familiennamen. Sie konnten anscheinend nichts weiter tun, als aufs Geratewohl weiterzusuchen, obwohl nur geringe Aussicht auf Erfolg bestand. Schwester Wahlquists Vater blätterte wahllos in einigen Akten und zog dann mit einem eigens dafür vorgesehenen Haken einen Ordner aus der obersten Reihe — in 2,70 m Höhe — heraus.
Dabei fielen einige lose Papiere zu Boden. Zu ihrer großen Freude stellten sie fest, daß eine Landübertragungsurkunde darunter war, die den Namen des gesuchten Urgroßvaters enthielt. Ihre freudige Erregung legte sich jedoch bald, als sie unter den Dokumenten nichts weiter fanden, was für sie von Interesse war.
Als Bruder Wahlquist den Ordner an seinen Platz zurückstellen wollte, ließ dieser sich nicht ganz hineinschieben. Irgend etwas hatte sich dahinter verklemmt, er holte eine Leiter, stieg hinauf, faßte hinter den Ordner und zog ein weiteres Papier hervor. Es war das Testament von Schwester Wahlquists Urgroßvater, und es enthielt die Namen seiner Frau und seiner neun Kinder und weitere Angaben, anhand deren sie noch eine weitere Generation fanden.
Hoyt Palmer, Januar 1975

Hindernisse, Glaube und Wunder

geschrieben von mormon | 21 Apr, 2008

In den vergangenen Jahren war der Feind „Angst” mit dem damit verbundenen Gefühl der Unzulänglichkeit eines der großen Hindernisse für diejenigen, die angefangen haben, sich mit Genealogie zu befassen. Unsere verstorbenen Vorfahren ausfindig zu machen und sicherzustellen, daß die heiligen Handlungen der Erhöhung für sie vollzogen werden, ist ein Auftrag, den wir vom himmlischen Vater und seinem geliebten Sohn erhalten haben. Sie lassen uns damit nicht allein, sondern erhören unsere Gebete und bereiten uns — manchmal auf außergewöhnliche Weise — den Weg.

  Vor einigen Jahren erschien eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuter in den Tageszeitungen, die davon berichtete, wie ein Amerikaner, der seine schon lange aus den Augen verlorenen Verwandten in Großbritannien ausfindig machen wollte, für den Preis eines Luftpostbriefes nach London fündig wurde. Mike Archdale, 25 Jahre alt, aus Miles City in Montana wußte nur, daß sein Großvater Lionel Dawson Archdale gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts aus Nordirland in die Vereinigten Staaten ausgewandert war. Also schrieb Mike Archdale an die einzige Adresse, die er in London kannte: die des britischen Fremdenverkehrsamts – und bat um Auskunft darüber, wie er nach seinen Verwandten suchen konnte.
Sein Brief wurde vom Pressechef des Fremdenverkehrsamts geöffnet – er hieß Gilbert Archdale. Gilben Archdale forschte ein wenig nach und antwortete Mike dann: „Hallo. Ich bin Ihr Cousin!”
So nahm die Geschichte ihren Lauf.
Diejenigen von uns, deren Vorfahren aus Skandinavien stammen, stoßen auf eine weitere Schwierigkeit, nämlich das Patronymikum. Um denen, die nicht skandinavischer Abstammung sind, einen kleinen Einblick in unsere Schwierigkeiten zu geben: mein Großvater hieß Nels Monson; sein Vater hieß jedoch keinesfalls Monson – er hieß Mons Okeson; sein Vater wiederum hieß Oke Pederson, dessen Vater Peter Monson hieß – hier sind wir wieder bei Monson –, dessen Vater wiederum hieß Mons Lustig, ein Name, den ihm die schwedische Armee gegeben hatte, um die Petersons, die Juhnsons und die Monsons voneinander zu unterscheiden, wenn sie in die Armee eintraten. Auch diese Schwierigkeiten sind zu bewältigen, wenn man einmal den Vorgang der Namensgebung verstanden hat.
Als das Priestertums-Genealogie-Komitee ins Leben gerufen wurde, erklärte Präsident Hugh B. Brown, daß die Missionsarbeit in der Geisterwelt immer schneller vorwärtsschreitet. Er zitierte Joseph F. Smith, der einmal gesagt hatte, daß alle, die im irdischen Leben nicht die Möglichkeit hatten, das immenvährende Evangelium zu hören, jetzt davon erfahren. Präsident Smith hatte gesagt. „Dieses Evangelium, das dem Propheten Joseph Smith offenbart wurde, wird bereits den Geistern im Gefängnis gepredigt, denen, die die Bühne dieses Lebens bereits verlassen haben und ohne Kenntnis vom Evangelium in der Geisterwelt leben. Joseph Smith predigt ihnen das Evangelium. Ebenso Hyrum Smith. Ebenso Brigham Young und alle treuen Apostel, die in dieser Evangeliumszeit unter der Führung des Propheten Joseph Smith gelebt haben.."t
Und Präsident Smith sagte im Jahr 1916: „Durch unsere Bemühungen um sie werden die Ketten ihrer Knechtschaft abfallen, und die Finsternis rund um sie wird sich erhellen, so daß Licht auf sie fallen kann und sie in der Geisterwelt von der Arbeit hören, die hier von ihren Kindern verrichtet wird, und sie werden sich mit uns an dieser. Pflichterfüllung freuen..
Das Wort Pflichterfüllung gefällt mir. Für mich ist eine Pflicht etwas Heiliges. Dabei muß ich an die Worte von Harry Emerson Fosdick denken, der einmal gesagt hat: „Ein Mensch arbeitet hart für Geld. Härter arbeitet er für einen anderen. Am härtesten arbeitet der Mensch jedoch, wenn es ihm um eine Sache geht. Wenn nicht die Bereitwilligkeit größer ist als der Zwang, kämpft der Mensch als Söldner und folgt der Flagge nicht als Patriot. Die Pflicht wird erst dann auf würdige Weise erfüllt, wenn sie von jemand erfüllt wird, der gern mehr tun würde, wenn er könnte.” Diese Beschreibung trifft auf alle zu, die sich der Genealogie verschrieben haben. Sie sind wirklich engagiert.
Auch wenn uns bei der Ahnenforschung manches Hindernis zeitweise unüberwindlich erscheint, liegt doch nach vielen Schwierigkeiten oft auf wundersame Weise plötzlich ein klarer Weg vor uns.
Vor einigen Jahren berichtete Alice E. Smith aus Yuba City in Kalifornien von einem glaubensstärkenden Erlebnis, nämlich wie sie die Sterbedaten ihres Urgroßvaters fand. Sie kehrte mit ihrem Mann von dem jährlichen Besuch bei ihrer Tochter, die in der Nähe von Seattle in Washington lebte, zurück. Obwohl Schwester Smith wußte, wie ungern ihr Mann auf der Rückreise anhielt, bat sie ihn, kurz zu einem Friedhof zu fahren, um herauszufinden, ob es dort Angaben über den Tod ihres Urgroßvaters gab. Sie war überrascht und erfreut, daß ihr Mann gern bereit war, den kleinen Umweg in Kauf zu nehmen und zu einer kleinen Stadt am Columbia River zu fahren.
Einer Ahnung folgend fuhren sie zum nächstgelegenen der drei Friedhöfe, parkten in einem älteren Teil des Friedhofs und begannen mit der Suche. Schon nach zehn Minuten rief die jüngste Tochter aus: „Hier heißt jemand Bailey. Ich glaube, das ist er!”
Mit Hilfe einer Gießkanne und einem Lappen aus dem Auto entfernte der Ehemann vorsichtig das Moos, das sich mit den Jahren angesammelt hatte, und zum Vorschein kamen der Name, die vollständigen Daten sowie eine kleine Inschrift. Achten Sie auf die Inschrift: Hier ist mein Herz, 0 nimm es und siegle es; siegle es für Dein Reich im Himmel. Gewiß war es vom Himmel gesandte Hilfe, die sie zu dieser Botschaft ihres gläubigen methodistischen Vorfahren geführt hatte.
Ein anderes Familienmitglied fand heraus, daß die Inschrift einem alten Kirchenlied entnommen war) Diese Familie wird die Botschaft dieses Liedes immer im Herzen tragen. Das Wort siegeln hat für sie an Bedeutung gewonnen.
Der Herr hat nie gesagt, daß sein Werk nur unser irdisches Leben betrifft. Der Prophet Joseph Smith hat verkündet: Alles, was wir für unsere eigene Errettung tun, muß auch für die Errettung unserer Lieben getan werden, denn die Errettung ist für alle gleich.
Wir dürfen nicht müde werden, Gutes zu tun. Wenn wir meinen, unser Beitrag in diesem heiligen Werk sei nur gering und unbedeutend, dürfen wir nicht vergessen, daß „die Seelen großen Wert in den Augen Gottes (haben]". Kein Wunder, daß wir, wenn wir ein Zeugnis von diesem Werk empfangen, so viel zu seinem Fortschritt und Wachstum beitragen wollen! Hindernisse lösen sich auf wie Nebel in der Morgensonne. Wenn wir unsere Arbeit mit festem Glauben tun, qualifizieren wir uns für die gewünschten Segnungen.
Als ich als Präsident der Kanadischen Mission mit Hauptsitz in Toronto diente, gab es eine eifrige Ahnenforscherin in der Mission, die Myrtle Barnum hieß. Oh, wie eifrig sie in diesem heiligen Werk war! Sie hatte eine Menge Angaben aus der Gegend um den St.-Lorenz-Strom gesammelt. Doch sie war am Ende ihrer Ahnenreihe angekommen. Sie wußte nicht, wohin sie sich wenden sollte. Sie las. Sie suchte. Sie betete. Und sie gab niemals auf. Auch wenn sie nach monatelanger vergeblicher Suche niedergeschlagen war, weil sie scheinbar nicht in der Lage war, das zu finden, was sie brauchte, verlor sie niemals die Hoffnung.
Eines Tages ging sie an einem Secondhand-Laden vorbei und fühlte sich gedrängt, hineinzugehen. Als sie den Blick über die Regale schweifen ließ, fielen ihr zwei Bücher auf. Warum, das kann sie nur der Inspiration des Herrn zuschreiben. Die beiden Bücher trugen den Titel: Pionierleben an der Bucht von Quinte, Band 1 und 2. Das klang nach einem Roman. Sie holte die beiden verstaubten Bücher unser aus dem Regal, schlug sie auf und staunte. Es waren keine Erzählungen.
Es waren genealogische Aufzeichnungen über sämtliche Personen, die in der Gegend der Bucht von Quinte gelebt hatten von der Zeit an, als man dort überhaupt begonnen hatte, Aufzeichnungen zu führen. Schnell suchte sie Seite für Seite durch und fand die Angaben, die ihr die Tür zu weiteren Forschungen öffneten.
Ein Älrestenkollegium in dieser Gegend sammelte eine beträchtliche Summe, damit die beiden Bücher gekauft werden konnten. Sie wurden an den Hauptsitz der Kirche in Sah Lake City gesandt, und ich erhielt einen Brief mit der Nachricht, daß anhand dieser beiden Bücher Tausende von Namen derer, die sich auf der anderen Seite des Schleiers befinden, zu Ahnenreihen verbunden werden konnten. Sehr viele Menschen freuten sich, als sie von diesem Schatz hörten, der ihre Ahnenreihen verband, einschließlich Präsident Henry D. Moyle, der damals Mitglied der Ersten Präsidentschaft war. Einer seiner Großväter stammte aus dieser Gegend. All das geschah, weil eine gläubige Dienerin des Herrn nicht aufgab, sich nicht entmutigen ließ und nicht von sich sagte „Ich allein kann doch nichts ausrichten.”
Meine Brüder und Schwestern, möge der himmlischer Vater die so wichtige und lohnende genealogische Arbeit segnen.
Präsident Thomas S. Monson, Juni 1996 

Ein wundersames Werk

geschrieben von mormon | 15 Apr, 2008
Als ich mich 1973 der Kirche anschloß, drang mir die Lehre von der Erlösung der Toten tief ins Herz. Als neues Mitglied der Kirche verpflichtete ich mich dazu, für meine Vorfahren, die gestorben waren, ohne das Evangelium zu kennen, die stellvertretende Arbeit zu verrichten.
Ich wohnte damals in Madrid, rund 500 Kilometer von Asturins, meinem kleinen Geburtsort, entfernt, wo, wie ich annahm, der größere Teil der Unterlagen über meine Vorfahren lagerte. Ich nutzte viele Urlaubstage und Wochenenden dazu, nach diesen Aufzeichnungen zu suchen, und reiste dafür Hunderte von Kilometern. Manchmal schloß ich mich ganze Tage in den Pfarrämtern der katholischen Kirche ein, wo ich von alten, häufig unleserlichen Aufzeichnungen umgehen war.
Die Liebe, die ich für meine Vorfahren empfand, half mir, diese Unannehmlichkeiten auf mich zu nehmen. Ich wischte den Staub ab, flickte die zerrissenen Bücher und Seiten und lernte, die vielen, vielen Bücher, die ich in die Hand nahm, zu lesen. Mit Hilfe dieser Kirchenhücher und mit Hilfe von standesamtlichen Unterlagen, Familienaufzeichnungen, Testamenten, Zeitungen und Fotos stellte ich allmählich ein Bild vom Leben meiner Vorfahren zusammen. Ich lernte sie in gewissem Maße kennen und freute mich über ihr Glück und trauerte mit ihnen über ihren Kummer.
Aber dann kam die Zeit, wo ich anscheinend nichts mehr tun konnte. Allzu viele Unterlagen waren zerstört worden. Asturias gehört zu den am heftigsten umkämpften Gebieten der spanischen Geschichte, und in diesen Auseinandersetzungen sind viele Aufzeichnungen zerstört worden. Ich versuchte mir Familienquellen weiterzumachen, hatte aber nicht viel Erfolg.
Manchmal war ich entmutigt, wenn ich daran dachte, wie leicht es doch für manche Menschen ist, Familienforschung zu betreiben. Ich las im Liahona wundersame Berichte darüber, wie andere die benötigten Angaben gefunden hatten. Warum konnte das nicht mir passieren? Die Aufzeichnungen, die ich brauchte, mußten doch irgendwo sein.
1994 beschloß ich, in einer bestimmten Gegend Urlaub zu machen und die dortigen Kirchengemeinden noch einmal zu besuchen. Wie gewöhnlich war ich am Ende meiner Nachforschungen genauso weit wie zuvor. Ich war ziemlich entmutigt. Seit zwanzig Jahren hatte ich jeden Urlaub damit zugebracht, war Tausende von Kilometern gereist, hatte bergeweise Bücher durchgesucht, hatte mit Hunderten von Menschen gesprochen und sehr viel Geld ausgegeben. Aber wofür?
Meine Frau und ich packten unsere Koffer, um nach Madrid zurückzufahren. Dann beschloß ich im letzten Augenblick, noch einen einzigen Versuch zu machen. Ich fuhr noch einmal zu einer der Kirchen zurück, die ich schon so viele Male besucht hatte.
Aber als ich diesmal in einem bestimmten Buch suchte, erschienen genau die Namen und Daten, die ich brauchte, plötzlich vor meinen Augen! Mir zitterten die Knie, und ich stieß einen Freudenschrei aus. Die Tränen schossen mir in die Augen, so daß ich nichts mehr sah.
Bei meinen bisherigen Versuchen hatte ich die Angaben nicht gefunden, weil die Namen nicht korrekt eingetragen waren. Aher nachdem ich dieses kostbare Buch erst einmal gefunden hatte, verwies es mich sogar noch an weitere Bücher, die nicht im Krieg zerstört worden waren — Aufzeichnungen, von deren Existenz ich nichts gewusst hatte. Jetzt konnte für diese Vorfahren die Tempelarbeit verrichtet werden.
Ich konnte mit dem Gefühl nach Madrid zurückfahren, daß ich überreich gesegnet worden war. Wie Nephi weiß ich, daß unser Vater im Himmel uns liebt und daß er uns nie ein Gebot gibt, ohne uns den Weg zu bereiten, damit wir es ausführen können.
Marcelino Fernändez Rebollos Suärez

Ernte im Winter

geschrieben von mormon | 9 Mär, 2008
      Ich war fast vier Monate arbeitslos gewesen, und nun endlich: Arbeit! Am 12. Januar 1987 sollte ich anfangen. Dennoch - ganz glücklich war ich darüber nicht. Statt dessen spürte ich deutlich, daß ich in die Bundesrepublik fahren und genealogische Forschung betreiben solle. Also betete ich. Beim Beten wurde dieses Gefühl noch stärker. Nicht zu arbeiten war Sünde, die neue Arbeit anzunehmen schien wie eine Sünde. Ich fastete und betete; ich sprach mit meinem Mann, und der sagte: „Wenn du das so empfindest, dann solltest du die Arbeit vielleicht nicht annehmen.” Aber das fand ich auch nicht richtig. Wieder betete ich. Danach sprach ich mit unserem Zweigpräsidenten. Er schlug vor, daß ich zuerst in die Bundesrepublik fahren und dann meine neue Stelle antreten solle, aber das würde mir nur etwa zehn Tage Zeit lassen. Er bot sogar an, uns hinzufahren. „Vom 12. Januar an habe ich eine Woche Urlaub”, sagte er, „und ich wollte immer schon mal Norddeutschland sehen.” Ob ich wohl den Arbeitsbeginn um eine Woche verschieben könnte? Am 2. Januar rief der Zweigpräsident an und teilte uns mit, daß er doch nicht fahren könne, weil der Distriktspräsident unbedingt mit ihm reden müsse. Er würde uns aber gern sein Auto leihen. Mein Mann nahm sich eine Woche frei. In nur zwei Stunden mußten wir eine Mitgliederfamilie in Lübeck wegen der Übernachtungen anrufen, Karten für die Fähre kaufen, das Auto abholen und die Koffer packen. Diese Hast schien unsinnig, aber tief im Innern wußte ich, daß der Herr es so wollte.

   Während dieser Zeit wurde ich eines Wir nahmen die Fähre von Trelleborg nach Travemünde. Schon eine halbe Stunde nach unserer Ankunft waren wir bei unseren guten Freunden in Lübeck. Sie fragten sich: Aber warum denn diese Eile? Schließlich war es immer noch früh am Morgen.

  Wohin sollten wir uns nun wenden? Nachdem wir gebetet hatten, machten wir uns auf den Weg zum Kirchenamt von Bad Segeberg, mit dem ich schon brieflich in Verbindung gestanden hatte. Wir kamen um 9 Uhr morgens dort an. Ein junger Mann empfing uns und erzählte, daß die ältere Dame, mit der ich korrespondiert hatte, vor zwei Tagen in den Ruhestand getreten war. Er selbst war neu und konnte uns noch nicht helfen. Er erwähnte aber, daß die besagte Dame am nächsten Tag mal hereinschauen werde. Ob ich dann wohl nochmal wiederkommen wolle? Ich schickte ein Stoßgebet zum Himmel und sagte: „Fein, aber haben Sie eine Ahnung, was wir heute noch tun können?” - „Ja, vielleicht . . . ja, ich glaube, ich habe da eine Idee”, sagte er, führte vier Telefongespräche und gab uns dann vier Adressen. Die erste war die Anschrift eines Archivs, aber dort konnte man uns nicht weiterhelfen. Die zweite war die eines Geistlichen, aber der war nicht zu Hause. Die dritte Adresse war ein Haus in dem Dorf, in dem mein Vater geboren worden war, aber auch dort klingelten wir vergebens. Wir waren schon recht entmutigt, aber wir sprachen ein kurzes Gebet und klingelten nochmal. Da kam eine Frau aus dem Nachbarhaus und sagte, daß der Mann, den wir suchten, weggefahren sei und erst in einer Woche zurückkommen würde. Wir erzählten ihr, war uns hergeführt hatte. Daraufhin sagte sie, daß er wahrscheinlich doch nicht viel für uns hätte, aber sie empfahl uns, seine Schwester zu fragen, die in der Nähe wohnte. Sie müßte wohl eine Ahnentafel besitzen.

  Wir klingelten bei der Schwester, und eine neunzigjährige Frau kam an die Tür. Wir zeigten ihr unsere Ahnentafel, und sie erzählte uns, daß einst mein Großvater in dem Haus gewohnt hatte, von dem wir gerade gekommen waren. Sie empfahl uns das Museum in Reinfeld, wo es sicher noch weitere Informationen gäbe.

  Der Museumsdirektor hieß uns herzlich willkommen und erzählte uns vieles von der Familie meines Großvaters, was ich selbst noch gar nicht gewußt hatte. Er hatte einen Kaufvertrag des Hauses, bei dem wir zuvor gewesen waren. Er sagte, wenn wir am folgenden Tag wiederkämen, würde er uns eine Kopie des Vertrages und auch Kopien anderer interessanter Dokumente geben. Nachdem wir unserer Tochter das Grab meines Großvaters und das meines Urgroßvaters gezeigt hatten, kehrten wir nach Lübeck zurück.

  Am nächsten Tag, es war Dienstag, suchten wir den Geistlichen auf, der vorher nicht zu Hause gewesen war. Er nannte uns einige Bauernhöfe in der Gegend. Auf einem Stand ein kleines weißes Haus, aber es war gerade niemand zu Hause. Auf vielen Höfen ließ man uns die Ahnentafeln abschreiben.

  Am Nachmittag erreichten wir ein Haus, wo nur die Frau daheim war. Zuerst war sie uns gegenüber mißtrauisch, aber als wir ihr unsere Ahnentafel zeigten, bat sie uns herein. Bald kam auch ihr Mann zurück. Ich stellte bald fest, daß er mit mir verwandt war. An der Kaffeetafel erzählten die beiden von Salt Lake City und den großen Archiven der Mormonen. Der Mann fragte: „Sind sie vielleicht Mormonen?” Wir sagten ja, und er fuhr fort: „Wir auch, obwohl wir nicht aktiv sind.” Wir konnten unser Zeugnis geben. Als wir nach dem Abendbrot gehen wollten, sagte der Mann: „Zu Weihnachten habe ich eine Kantate von Bach gehört. Sie enthält ein Gebet, daß Gott uns seine Engel senden möge. Ich habe zu Gott gebetet, daß er seine Engel zu uns senden möge. Und jetzt weiß ich, daß er mein Gebet erhört hat.” Wie unbedeutend und unwürdig fühlten wir uns da, und doch, wie glücklich! Sie waren die einzigen Mitglieder der Kirche weit und breit, und der Herr hatte uns zu ihnen geführt.

  Tags darauf gingen wir wieder ins Museum. Der Direktor hatte uns Kopien gemacht und eine ganze Ahnenlinie erforscht. Er versprach uns noch mehr Namen, wenn wir gegen Ende der Woche zurückkämen. Als wir das Museum verließen, kam uns die Idee, eine Anzeige in der Zeitung aufzugeben. Anschließend fuhren wir nochmals zum kleinen weißen Haus, aber wieder vergebens. Wir suchten noch weitere Höfe auf und durften zahlreiche Ahnentafelnabschreiben. Jemand erzählte uns von einem Archiv in Lübeck, das aber nur einmal in der Woche geöffnet sei. Dort würden wir wohl weitere Namen finden.

  Der nächste Tag war Donnerstag, und wir hatten nur noch zwei Tage, ehe wir wieder nach Schweden zurückkehren mußten. Wir besuchten einen Mann, an den wir verwiesen worden waren. Er hatte eine Ahnentafel, die uns ein freundlicher Bankangestellter kopierte. Im Postamt lieh ich mir die Telefonbücher all der Orte, in denen wir gewesen waren. Daraus schrieb ich die Namen ab, die ich aus meiner Forschung kannte. Als ich diese Leute dann anrief, waren die meisten bereit, uns zu helfen. Ich erhielt noch mehr Namen. Am Nachmittag verhinderte ein Schneesturm jedoch, daß wir die kleineren Dörfer aufsuchten, also fuhren wir wieder ins Museum in Reinfeld. Leider war der Direktor an diesem Tag nicht da. Nach einem Gebet beschlossen wir, zum Kirchenamt zu gehen. Mein Mann hielt das Auto an, um einen Passanten nach dem Weg dorthin zu fragen - und zu unser aller Überraschung war es der Museumsdirektor! Wir fuhren ihn nach Hause und erhielten noch einige Namen von ihm.

  Am Tag darauf waren wir wieder bei dem kleinen weißen Haus. Diesmal kam ein Mann an die Tür. Er ließ uns einen Stammbaum von etwa 80 Seiten abschreiben, der über 250 Namen enthielt. Auf der Fahrt nach Lübeck sah ich diese Unterlagen durch und entdeckte, daß seine und meine ältesten Vorfahrinnen Schwestern waren. Um halb sechs am Freitag nachmittag hatten wir mit allen Leuten Kontakt aufgenommen, wie wir es vorgehabt hatten. Wir waren dem Herrn für seinen Beistand überaus dankbar.

  Als wir am nächsten Tag Lübeck in Richtung Travemünde verließen, war Schneesturm auf der Autobahn. 15 Zentimeter hoher Matsch auf der Fahrbahn machten das Fahren gefährlich, und wir sagten uns: „Wenn es hier schon so übel ist, wie muß es dann erst in Schweden aussehen?” In Südschweden waren die Straßen aber trocken. So kamen wir sicher nach Hause. Am Tag nach unserer Rückkehr machte ein wilder Schneesturm alle Straßen in der Umgebung unseres Ortes unpassierbar, und so blieb es eine ganze Woche lang. Wären wir nur einen Tag später zurückgekommen, hätten wir eine Woche lang in Malmö festgesessen, rund 200 Kilometer von zu Hause. Das war uns ein Zeugnis davon, daß der Herr unsere Reise eine Woche zuvor gewollt hatte. Ich konnte nun, wie geplant, am 12. Januar meine Arbeitsstelle antreten.

  Doch noch wichtiger als die neue Arbeit war das, was ich mit Hilfe des Herrn in meiner deutschen Heimat vollbracht hatte. Ich war mit den Daten von über 600 Vorfahren* nach Schweden zurückgekehrt, für die das stellvertretende Werk im Stockholm-Tempel getan werden konnte.

  Edith Wiklöf wohnt zur Zeit in Göteborg, Schweden.

  Bei einem späteren Besuch in der Bundesrepublik fand Schwester Wiklöf auf der Rückseite einer Ahnentafel einen Zeitungsausschnitt, der sie zu einer Frau führte, die über 40 Jahre lang genealogische Forschung betrieben hatte. Schwester Wiklöf erhielt von dieser Frau 51 Ahnentafeln mit Daten von insgesamt 7000 Vorfahren, für die die stellvertretende Arbeit im Tempel getan werden konnte.

Meine schwarzen Vorfahren ausfindig machen

geschrieben von mormon | 4 Mär, 2008
Bald nachdem ich mich zur Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage bekehrt hatte, erhielt ich meinen Patriarchalischen Segen. Darin wurde mir geraten, Genealogie zu betreiben. Das überraschte mich, denn weil ich schwarz war, hatte ich immer gemeint, es sei hoffnungslos, Genealogie zu betreiben. Wie sollte ich Aufzeichnungen über meine Vorfahren finden? Sklaven wurden nur als namenloser Besitz aufgeführt.
Doch obwohl ich nicht die Erfahrung, die Zeit und auch nicht das Geld für ausgedehnte Nachforschungen hatte, hatte ich doch meinen Patriarchalischen Segen, der mich aufforderte, meine Vorfahren ausfindig zu machen und zuzusehen, daß für sie die Tempelarbeit getan wurde. So fing ich also an.
Nachdem ich monatelang vergeblich nachgeforscht hatte, hatte ich eines Nachts einen Traum. Ich sah, wie das Bild meiner Ururgroßmutter, das bei uns im Wohnzimmer an der Wand hängt, abgenommen und mir gegeben wurde. Ich hatte bisher vergeblich nach Aufzeichnungen über sie gesucht. Aber der Traum war so lebendig, daß ich das Bild am nächsten Tag gespannt anstarrte und mich fragte, was es für mich bereithielt und warum ich es im Traum gesehen hatte.
Immer wieder zog es mich an jenem Tag zu dem Bild zurück. Langsam, aber immer stärker, spürte ich, daß ich an die Mississippi-Archive schreiben und dort um Informationen bitten sollte. Das schien zwar nicht logisch zu sein, aber ich folgte doch dem Impuls.
Eine Woche später erhielt ich die Kopie einer Urkunde, die die Geburt meiner Ururgroßmutter bestätigte und mir alle weiteren Angaben zugänglich machte, die ich brauchte. jetzt freue ich mich darauf, für sie die errettenden heiligen Handlungen im Atlanta-Tempel an mir vollziehen zu lassen.
Ich habe auf dem Bild im Wohnzimmer früher immer nur meine Ururgroßmutter gesehen. Jetzt erinnert es mich daran, daß ich meinte, es sei unmöglich, Angaben über meine Vorfahren zu finden, der Herr jedoch mir einen Weg dazu wies.

Wie Carol Batey die Geschichte Brad Wilcox erzählt hat, Oktober 1987

Mit dem Wunsch eines Sterbenden begann die Suche nach Fanlilienangehörigen

geschrieben von mormon | 3 Mär, 2008

Mit dem Wunsch eines Sterbenden begann die Suche nach Fanlilienangehörigen, die schließlich vier Jahrhunderte zurückreichte und sich auf zwei Kontinente erstreckte
Dreißig Jahre lang forschte Derteano und sammelte Angaben über seine Familie. Dabei gab er die Hoffnung nie auf, daß er eines Tages den Grund dafür verstehen werde.

Als ich Präsident des Distrikts Barquisimeto in Venezuela war, forderte ich in dieser Eigenschaft die Mitglieder in meinem Bereich immer wieder auf, genealogische Forschungen zu betreiben. Ich selbst widmete mich eifrig dieser Aufgabe, war aber oft enttäuscht, weil einige Unterlagen meiner Eltern und Großeltern in Peru, meinem Heimatland, waren. Ich gab mir große Mühe, Angaben von meinen dortigen Verwandten zu bekommen, aber sie gehörten nicht der Kirche an und hatten deshalb keine große Lust, mir zu helfen. Das größte Problem bestand aber darin, daß meine Vorfahren einmal aus Europa gekommen waren.
Ich hatte aber nicht nur nicht genug Geld, um nach Europa zu fahren, sondern wußte noch nicht einmal genau, aus welchem Land genau meine Vorfahren stammten.
Die Zeit verging, und ich mußte aus beruflichen Gründen nach Valencia fahren. Damals wurde ich sehr geprüft; nicht nur mein Zeugnis von der Kirche wurde auf die Probe gestellt, sondern ich hatte auch mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen. In Valencia hörte ich von einem Schriftsteller namens Kepa De Derteano y Basterra, der denselben Familiennamen hatte wie ich. Bob Steelheart, ein Mitglied der Gemeinde in Valencia, bot an, mir bei der Suche nach dem Schriftsteller zu helfen. Wir sahen also in den vielen Büchern nach, die Derteano veröffentlicht hatte, und fanden schließlich seine Anschrift. Der erste Besuch bei ihm war vergebens - er und seine Frau waren nicht zu Hause. Seine Tochter meinte jedoch, ich sollte es später am Abend noch einmal versuchen.
Wir gingen also noch einmal hin, und diesmal war Derteano zu Hause. Wir führten ein ganz besonderes Gespräch, bei dem wir bald auf unsere Vorfahren zu sprechen kamen. Wir hatten zwar denselben Nachnamen, aber er war spanischer Baske, ich dagegen Peruaner. Derteano zeigte mir seine genealogischen Aufzeichnungen, und ich stellte erstaunt fest, daß sie bis ins 16. Jahrhundert zurückreichten. Als er mir dann sagte, warum er die Aufzeichnungen gesammelt hatte, war ich beinahe sprachlos.
Er erzählte, ein Großonkel - Abt in der katholischen Kirche - habe ihn auf dem Totenbett gebeten, die genealogischen Aufzeichnungen der Familie Derteano zusammenzustellen. Derteano versprach es ihm, obwohl er den Wunsch mehr für das zusammenhanglose Gerede eines Sterbenden hielt. Aber weil er es versprochen hatte, begann er nach einiger Zeit damit, Aufzeichnungen über die Derteanos zu suchen.
Er mußte viel Zeit, Mühe und Geld aufwenden, um die notwendigen Angaben zu finden. Oft hätte er das Projekt am liebsten aufgegeben. Aber als er einmal beschlossen hatte, mit der Suche aufzuhören, erschien ihm sein Onkel im Traum und erinnerte ihn an sein Versprechen.
So forschte Derteano dreißig Jahre lang weiter und fand in vielen Teilen der Welt Angehörige seiner Familie. Er wußte allerdings nicht, warum er die Angaben sammelte, natürlich abgesehen davon, daß er damit den Wunsch eines Sterbenden erfüllte. Er erzählte, er arbeite sozusagen blind und hoffe, daß er eines Tages den Grund verstehen würde.
Ich sagte, daß ich ihm den Grund nennen könne, und erzählte ihm von der Kirche und warum wir im Tempel stellvertretend heilige Handlungen für die Verstorbenen vollziehen.
Ich las ihm 1 Petrus 3:18-20 vor, wo es heißt, daß der Erretter das Evangelium in der Geisterwelt verkündet hat. Dann las ich ihm aus ,Lehre und Bündnisse', Abschnitt 138 vor und erklärte, wie sehr die Geister sich freuen, wenn sie das Evangelium hören, und daß sie hoffen, ihre Nachkommen würden an sie denken, da sie ohne uns nicht alles erreichen können.
Derteano war außer sich vor Freude, als er den Grund für seine Nachforschungen begriff. Jetzt - im Alter von 63 Jahren - fühlte er sich endlich der Verpflichtung ledig, die sein Großonkel ihm übertragen hatte.
Er gab mir eine Kopie aller Geburts- und Heiratsurkunden, die er gesammelt hatte, und dazu Namen und Adresse anderer Derteanos in anderen Ländern. Ich war überwältigt vor Freude, als wir in seinen Unterlagen zusammen einen gemeinsamen Vorfahren fanden und so die Verbindung von meiner Familie zu seiner herstellen konnten.
Derteano schenkte mir eins seiner Bücher, in das er folgende Widmung geschrieben hatte: „Für Luis Roberto und Rosa Liliana Derteano - Verwandte, nach denen ich mein ganzes Leben gesucht habe. Ohne Zweifel hat uns nicht der Zufall zusammengeführt.

Kepa De Derteano y Basterra. Mai 1988

Die Eltern, die du nicht gekannt hast

geschrieben von mormon | 2 Mär, 2008

Genealogie und Missionsarbeit gehen Hand in Hand. Beide bringen Gottes Kindern das Evangelium und die errettenden Verordnungen die eine Arbeit den Verstorbenen, die andere den Lebenden. Meine Mission gab mir die Möglichkeit, beides zu tun.
Ich bin in Weonju in Südkorea geboren, irgendwann im Jahr 1958, und wurde später von einer amerikanischen Familie adoptiert. Als ich vierzehn war, schloß ich mich der Kirche an. Ein Jahr später, als ich mir Gedanken machte, was ich nach meinem Schulabschluß tun sollte, entschloß ich mich, meinen Patriarchalischen Segen zu empfangen. Zuerst sprach ich mit dem Patriarchen, der mir riet, bezüglich dem, was ich wissen wollte, zu fasten und zu beten. Das tat ich auch, und als ich den Segen erhielt, hatte ich ein gutes Gefühl, was die Verheißungen anging, die mir gegeben wurden. Doch ein Abschnitt verwirrte mich:
„Du wirst den Vorzug haben, für deine Familie und zu ihren Gunsten ein Werk zu tun, für die Eltern, die du nicht gekannt hast. Wenn du nach Aufzeichnungen über deine Familie forschst, wirst du Hilfe vom Himmel erhalten. Gott wird deine Gebete beantworten, wenn du fastest und betest und deine Zeit und deine Talente treu in den Dienst der Sache stellst.”
Ich wußte, daß ich meine Arbeit im Bereich der Genealogie tun sollte, doch ich verstand nicht, was mit der Stelle die Eltern, die du nicht gekannt hast gemeint war. Ich hatte keine Ahnung, wer meine natürlichen Eltern waren oder wie ich das herausfinden konnte.
Soviel ich wußte, war ich ein Waisenkind, als ich adoptiert wurde.
Während des letzten Semesters am College hatte ich, nach aufrichtigem Beten und tiefem Nachsinnen, das sichere Gefühl, ich solle auf Mission gehen. Ich reichte meine Papiere ein, doch ich befürchtete, daß ich nach Korea berufen werden würde. Ich wollte nicht unbedingt nach Korea gehen. Nach einigen Wochen kam die Berufung in die Seoul-West-Mission in Korea.
Ich kämpfte, ob ich die Berufung annehmen sollte, doch als der Tag der Abreise näherrückte, dachte ich an die Verheißung in meinem Patriarchalischen Segen. Wie sonst sollte ich nach meinen Vorfahren forschen können? Ich musste nach Korea gehen.
Nachdem ich im Missionsheim in Korea angekommen war, fragte mich der Missionspräsident: „Möchten Sie Familienforschung betreiben, während Sie hier sind?” Überrascht und von seiner Frage ermutigt, antwortete ich: „Ja, sehr gern sogar.”
Drei Monate vergingen. Ich konzentrierte mich darauf, Koreanisch zu lernen, und hatte im Bereich der Genealogie noch nichts getan. Dann bat ich eines Tages meine koreanische Mitarbeiterin und einen anderen koreanischen Mitarbeiter und einen anderen koreanischen Missionar, mir bei meiner Suche zu helfen. Sie willigten ein, also machten wir uns am Vorbereitungstag auf die Suche nach der Vermittlungsstelle, die meine Adoption geregelt hatte. Als die Beamten erfuhren, daß ich nach meinen Vorfahren forschen wollte, sahen sie ihre Unterlagen durch, bis sie meine fanden.

Noch ein kleines Mädchen?

Neben meinen Unterlagen waren die eines anderen kleinen Mädchens, das auf dem Bild genauso aussah wie ich auf meinen Babybildern. Ich dachte, die Unterlagen seien vielleicht vertauscht worden, doch die Beamten erklärten mir, daß die Wörter hyungje im, die neben unsere Namen geschrieben waren, Geschwister bedeuteten. Ich hatte eine Schwester!
Die Adoptionsunterlagen enthielten unsere amerikanischen Namen und unsere Adressen, also schrieb ich meiner eben entdeckten Schwester in Oklahoma und erklärte ihr, warum ich in Korea war und nach unseren Unterlagen suchte.
Da sich meine Adresse in der Zwischenzeit geändert hatte, war ich darauf gefaßt, daß sich auch ihre vielleicht geändert hatte. Und da sie ja nun zu einer anderen Familie gehörte, war ich auch darauf vorbereitet, daß sie vielleicht gar kein Interesse an mir und meiner Suche hatte.
Eineinhalb Monate gingen vorbei, ohne daß ich eine Antwort erhielt. Obwohl ich wußte, daß ich vielleicht nie von ihr hören würde, verlor ich nie die Hoffnung. Auch meine amerikanische Familie wollte gerne etwas über sie erfahren. Mein Vater war sogar bereit, nach ihr zu suchen, wenn ich auf meinen Brief keine Antwort erhielt. Doch dann, am 14. Februar, erhielt ich einen Brief von Lila Lew Miller meiner Schwester. Ihre Eltern hatten immer noch dieselbe Adresse in Oklahoma. Meine Schwester hatte mit dem Brief ein Bild geschickt, auf dem sie mit ihrem Mann und ihrem kleinen Jungen zu sehen war. Sie schrieb, sie wolle mich unbedingt kennenlernen.
In unseren Unterlagen war auch der Name des Waisenhauses in Weonju erwähnt, von wo aus die Vermittlungsstelle unsere Namen erhalten hatte. Es hieß Weonju Yangnyoe Weonjang. In meinem koreanischen Wörterbuch gab es keine direkte Übersetzung dafür, doch es gab zwei Möglichkeiten: Yangnyoe, was adoptierte Tochter bedeutet, oder Yangno, was Altersheim bedeutet.
Ich fragte mehrere Missionare in Weonju, ob sie etwas über die Waisenhäuser herausfinden konnten, die zwischen Ende 1950 und 1960 mit der Vermittlungsstelle zusammengearbeitet hatten. Doch trotz monatelanger Suche konnten sie nichts herausfinden.

Waisenhaus oder Altersheim
Während dieser Zeit arbeitete ich in der Umgebung von Seoul. Präsident Ch'oi Dong Wan, ein Mitglied der Pfahlpräsidentschaft des Pfahles Seoul West, wurde ein guter Freund. Einmal, als wir bei ihm eingeladen waren, sprach ich von der Verheißung, die ich in meinem Patriarchalischen Segen erhalten hatte. Er bot mir seine Hilfe an. Ein paar Wochen später machten er, meine Mitarbeiterin und ich uns am Vorbereitungstag auf den Weg nach Weonju, um festzustellen, was wir herausfinden konnten.
In einem Waisenhaus erfuhren wir, daß eine christliche Missionarin aus Kanada, Schwester O'Connor, die Berichte über die Waisen geführt hatte, doch sie war in den sechziger Jahren nach Kanada zurückgekehrt. Es gab noch einen Ort, wo wir hingehen konnten ﷓ das Waisenhaus, das in unseren Unterlagen erwähnt worden war, Weonju Yangnyoe Weonjang. Doch es war kein Waisenhaus, es war ein Altersheim! Dennoch überkam mich ein seltsames Gefühl als sei ich schon einmal dortgewesen. Nun war ich wirklich verwirrt. Ich konnte nicht verstehen, woher dieses Gefühl kam.
Nach unserer scheinbar nutzlosen Suche waren wir enttäuscht, doch wir gaben nicht auf. Präsident Ch'oi und ich hatten das Gefühl, wir sollten noch einmal zu der Vermittlungsstelle gehen und meine Unterlagen überprüfen. Als wir meine Unterlagen noch einmal durchsahen, bemerkten wir, daß der Name „O'Connor” auf koreanisch oben in die Ecke geschrieben war. Ich erfuhr, daß das Altersheim einmal ein Waisenhaus gewesen war und wirklich der Ort war, wo meine Schwester und ich bis zu unserer Adoption geblieben waren. Wir wußten nun, wo meine Schwester und ich hergekommen waren.
Präsident Ch'oi schlug daraufhin vor, daß wir in einer der Zeitungen Seouls einen Artikel über meine Suche veröffentlichen sollten. Er erzählte mir, daß seit dem Krieg viele Menschen mit Hilfe der Zeitung versuchten, verlorene Familienangehörige wiederzufinden. Wir trafen uns mit einem Reporter, der eine kurze Beschreibung von meiner Schwester und mir niederschrieb sowie unsere Geschichte, soweit wir sie kannten. Am 2. Juni 1984 erschien der Artikel in der Zeitung. Sofort erhielten wir viele Telefonanrufe von Menschen, die glaubten, wir könnten vielleicht zu ihrer Familie gehören.

Ein ungewöhnlicher Telefonanruf
Einer der Anrufe war ziemlich ungewöhnlich. Ich konnte nicht alles verstehen, was der Mann sagte, doch mit Hilfe meiner Mitarbeiterin erfuhr ich, daß er Ko In Soo hieß. Er rief aus Shillim an, einem kleinen Dorf, das außerhalb von Weonju lag. Er erzählte von Zwillingsschwestern, die seine Familie Ende der Fünfziger Jahre zur Adoption freigegeben hatte. Ich zweifelte daran, daß meine Schwester und ich Zwillinge waren. Auf den Babybildern sahen wir uns zwar ähnlich, doch wir hatten nicht dasselbe Geburtsdatum.
Doch Ko In Soo lud uns ein, ihn zu besuchen. Er fragte uns, ob es uns möglich sei, zuerst seinen Sohn Ko Hun Kyu aufzusuchen, der in Seoul lebte. Ko Hun Kyu und seine Mutter waren die beiden, die die beiden Mädchen ins Waisenhaus gebracht hatten. Also riefen wir ihn an und verabredeten uns Und wenn es wahr war, was der Mann erzählte? Ko Hun Kyu wäre dann einer meiner Verwandten! Ich war nicht sicher, ob ich bereit war, ihm zu begegnen. Als ich mich mit Ko Hun Kyu und seiner Frau traf, starrte er mich an und sagte, ich sähe genauso aus wie seine Tante. Mit Tränen in den Augen begann er, die Geschichte zu erzählen. Er brachte zum Ausdruck, daß sie es tief bereut hatten, die Zwillinge zur Adoption freigegeben zu haben. Doch ich war skeptisch und wollte Beweise sehen ﷓ Bilder und Urkunden. Und was war mit den verschiedenen Geburtsdaten?
Ko Hun Kyu lud uns zu sich nach Hause ein, damit er mir das Familienalbum zeigen konnte. Leider hatte er keine Bilder von der Frau, die er meine Mutter nannte. Ich hegte immer noch Zweifel, und wir riefen daher die Familie in Shillim an und verabredeten einen Besuch.
Shillim ist ein kleines Dorf so klein, daß es nicht einmal eine Bushaltestelle gibt. Doch der Busfahrer hielt extra für uns an. Die Luft war rein, frisch und warm, als wir auf dem Weg zwischen den Reisfeldern entlanggingen. Ko Hun Kyu ging voraus. Wir kamen ins Dorf ﷓ ein kleiner Laden und ein paar Häuser. Wir gingen über die Straße und sahen einen alten Mann, der am Tor auf uns wartete. Er war klein und von der koreanischen Sonne gebräunt.

Mein koreanischer Großvater?
Er schien aufgeregt zu sein, und er starrte mich unverwandt an. Das Haus war aus verwittertem Holz, Lehm und Pappe. Wir gingen auf das Haus zu, zogen die Schuhe aus und traten in den Raum ein. Auf der einen Seite war der ganze Besitz der Familie an der Wand aufgestellt ein paar Kisten, ein zusammenklappbarer Tisch, ein paar Kissen und ein paar Kleider.
Die ganze Familie stand um mich herum. Sie starrten mich an und sprachen über meine Augen und meine Gesichtszüge sie sagten, ich hätte dieselben Augen und Gesichtszüge wie die Frau, die sie für meine Mutter hielten. Sie waren überzeugt davon, daß ich eine der Zwillingsschwestern war, die sie zur Adoption freigegeben hatten. Als ich sie bat, mir ihre Unterlagen zu zeigen, brachten sie mir ihre staubbedeckten Fotoalben. Sie zeigten mir vor allem ein Bild. Ein älteres Ehepaar stand auf der einen Seite des verblichenen Familienfotos. Die Tochter des Ehepaars die Frau, die sie meine Mutter nannten stand in der Mitte, der Sohn, Ko In Soo, stand mit seiner Frau auf der anderen Seite. Ko Hun Kyu war mit einigen anderen Kindern in der vorderen Reihe. Ich sah keine Ähnlichkeit zwischen mir und der Frau, von der sie behaupteten, sie sei meine Mutter, obwohl ich eine gewisse Ähnlichkeit zwischen mir und dem älteren Ehepaar sah. War diese Frau wirklich meine Mutter? Sie sah winzig und zerbrechlich aus und viel jünger als sechsundzwanzig.
Ko In Soo erzählte uns den Rest der Geschichte. Seine Schwester, Ko In Soon, hatte Kim Chin Ku geheiratet, der aus einem anderen Dorf stammte. Sie waren dann nach Ch'ungpoong gezogen, wo sie einige Zeit später einen Sohn geboren hatte. Ein Jahr nach der Geburt ihres Sohnes hatte sie Zwillinge geboren zwei Mädchen, doch sie starb kurz darauf. Als Ko In Soo vom Tod seiner Schwester erfahren hatte, war er nach Ch'ungpoong gegangen und hatte die drei Kinder nach Shillim geholt. Da er selbst einige Kinder hatte und nicht die Mittel hatte, alle zu versorgen, hatte er sich entschieden, die Zwillinge in ein Waisenhaus zu bringen. Dort hatten die Verwalter verschiedene Geburtsdaten aufgeschrieben, da sie meinten, daß Zwillinge kaum eine Chance hätten, gemeinsam adoptiert zu werden.
Inzwischen hatte Kim Chin Ku, mein Vater, wieder geheiratet. Er wollte die Kinder holen und mußte erfahren, daß die Zwillinge adoptiert worden waren. Daraufhin hatte er seinen Sohn mit sich nach Ch'ungpoong genommen. Ko In Soo erzählte mir, er habe gehört, daß die Familie immer noch dort lebe, doch der Vater sei sehr krank. Als er mit seinem Bericht zu Ende war, fragte ich Ko In Soo, ob sie noch weitere Familienunterlagen besaßen. Er ging zu den Schubladen, die auf der einen Seite des Raumes standen, und holte ein Buch aus Reispapier hervor, das mit den Jahren verblichen war. Ich öffnete das Buch und sah, daß darin der Stammbaum der Familie in chinesischen und koreanischen Schriftzeichen festgehalten war. Was für ein kostbarer Schatz Ich verließ Shillim mit dem Gefühl, daß ich gefunden hatte, was ich gesucht hatte.

Die Suche nach meinem Vater
Der nächste Schritt war, nach Ch'ungpoong zu gehen, um meinen Vater und meinen Bruder ausfindig zu machen. Ch'ungpoong liegt südwestlich von Jechon in einem abgelegenen Teil Koreas. Einige Zeit später fuhren wir mit dem Bus über ungepflasterte Straßen zwischen Reisfeldern dorthin. Als wir ankamen, fragten wir beim Meldebüro nach, doch die Beamten hatten noch nie etwas von Kim Chin Ku gehört. Wir gingen auch zur Schule, um dort die Unterlagen einzusehen. Die Schule besaß keine Unterlagen vom Sohn, doch wir trafen dort jemand, der die Familie kannte. Er erzählte uns, daß sie unter einem anderen Namen registriert waren (was nicht unüblich ist für Koreaner). Wir sahen wieder nach und fanden einen Hinweis auf eine Schule in Taegu, einer anderen Stadt in Südkorea.
Wieder in Seoul, setzte sich Präsident Ch'oi mit einigen Führern der Kirche in Taegu in Verbindung, und ihnen gelang es, mit Hilfe der Schulunterlagen zwei Adressen ausfindig zu machen: eine in Young Duk, wo Kim Chin Ku gelebt hatte, ehe er meine Mutter geheiratet hatte, und eine in Taegu. Wir wollten beide überprüfen. Präsident Ch'ois Sohn, der uns begleitete, hatte das Gefühl, wir sollten zuerst nach Young Duk gehen. Als wir im Dorf ankamen, gingen wir zur Polizeiwache. Der Beamte, der gerade Dienst hatte, kannte die Familie und bot uns an, uns zu ihr zu bringen.
Wir fuhren in einen anderen abgelegenen Teil Koreas durch Reisfelder und Berge, ehe wir in einem kleinen Dorf am Fluß einer Schlucht ankamen. Wir stiegen aus dem Taxi, und Bruder Ch'oi sprach mit einem der Dorfbewohner. Der Mann erzählte uns, daß Kim Chin Ku im Dorf wohnte und auf den Feldern arbeitete. Der Taxifahrer bot uns an, ihn zu suchen und zu uns zu bringen. Während wir warteten, stieg Panik in mir auf. Wenn der Mann nun wirklich mein Vater war?
Das Taxi kam näher. Auf dem Rücksitz saßen zwei Männer ﷓ ein kleiner Junge und ein alter Mann. Wir begrüßten uns. Der alte Mann hatte viele Falten und war von der Sonne gealtert, doch er hatte eine freundliche, aufrichtige Ausstrahlung. Ich hatte das sichere Gefühl, daß er mein Vater war.
Sein wirklicher Name war Kim Hong Suk, doch er war auch als Kim Chin Ku bekannt. Er lud uns zu sich nach Hause ein. Wir gingen eine ungepflasterte Straße entlang und betraten den Hof, wo ein Ochse an einen Baum gebunden war. Auf der anderen Seite des Hauses befand sich ein Schuppen. Im Haus lag eine Strohmatte auf dem Boden. Wir setzten uns, und dieser Mann ﷓ mein Vater ﷓ setzte sich neben mich. Er starrte mich an, und ich ihn. Nach und nach kamen die Dorfbewohner vorbei, um uns zu sehen. Wir erzählten ihm von unserer Suche, und er bestätigte, was uns Ko In Soo berichtet hatte.
Dann fragten wir nach dem Sohn ﷓ meinem Bruder. Er hieß Kim Do Yun und besuchte die technische Hochschule in Taegu. Mein Vater sagte, er würde ihn anrufen und mit ihm verabreden, daß wir ihn treffen konnten. Während er telefonierte, fragte ich die anderen Familienangehörigen, ob sie irgendwelche Unterlagen über die Familie hatten. Sie brachten mir ein umfassendes veröffentlichtes Buch über ihre Abstammung.

Von den Missionaren belehrt
Mein Vater hatte mit Kim Do Yun verabredet, daß wir ihn noch am selben Abend in einem Restaurant in Pohang treffen sollten. Als ich ihn sah, hatte ich ein warmes, friedliches Gefühl. Ich wußte, daß dies die richtige Familie war meine koreanische Familie. Mein Bruder war sehr aufgewühlt. Er zitterte und war tief bewegt, als wir ihm unsere Geschichte erzählten und die Unterlagen zeigten. Bis dahin hatte er nicht gewußt, daß die Frau, die er für seine Mutter gehalten hatte, seine Stiefmutter war. Doch nachdem er den ersten Schock überwunden hatte, schien er sich sehr zu freuen, daß er mein älterer Bruder war.
Ich wußte, daß meine Gebete erhört worden waren. Jedesmal, wenn wir eine neue Spur gefunden oder jemand aus meiner Familie getroffen hatten, hatte ich ein merkwürdig friedliches Gefühl. Als es um die Familie Ko und die Familie Kim ging, hatte ich ein anderes Gefühl als bei den vielen anderen Familien, die ich getroffen hatte und die behaupteten, ich sei ihre Tochter. Nach unserer ersten erfolglosen Fahrt nach Weonju hatte ich den Herrn angefleht, er solle es mich doch wissen lassen, wenn ich die richtige Familie traf. Das tat er auch. Wenn ich nun über meine Suche nachdenke, kann ich erkennen, daß ich nur ein Werkzeug in den Händen des Herrn war, um sein Werk zu tun. Eine starke, reale Kraft trieb mich an. Zuerst konnte ich mit diesen Gefühlen nichts anfangen, doch nun bin ich so dankbar, daß ich meine Familie gefunden habe.
Während der letzten vier Monate auf Mission konnte ich bei der Taufe meines Bruders und eines Cousins dabeisein. Es war ein erhebendes Gefühl, daß nach der langen Suche jemand aus meiner eben erst entdeckten Familie das Evangelium angenommen hatte.
Im letzten Jahr konnten mein Mann und ich nach Korea zurückkehren, wo wir noch einmal meine Familie besuchten. Mein Bruder Kim Do Yun hat eine liebe Frau aus seiner Gemeinde geheiratet. Sie haben eine kleine Tochter. Ihr Zeugnis von der Kirche und vom Evangelium hat mich mit großer Freude erfüllt.

JuLee Dunnaway, August 1993

Durch den Schleier

geschrieben von mormon | 27 Feb, 2008

In meinem letzten Schuljahr im Gymnasium hatte ich eines Tages plötzlich das Gefühl. mein Großvater wolle mich sehen. Als die Schule aus war, nahm ich mir ein Ringbuch mit und ging zu Onkel Jacob Cline hinüber. bei dem Großvater seit Großmutters Tod wohnte. Als ich ankam, saß Großvater aufrecht in seinem Bett. „Komm herein. Ray”. sagte er. „Ich habe schon auf dich gewartet.“

Er wollte mir seine Familiengeschichte erzählen. und ich sollte alles genau aufschreiben. In dem Moment wußte ich auch, warum ich mein Ringbuch mitgenommen hatte. Während der nächsten Stunde erzählte mein Großvater mir alles über seine Verwandte aus vier Generationen – Namen, Daten. Orte und Begebenheiten. Als er mir alles erzählt hatte, legte er mir seine Hand auf die Schulter und sagte sehr feierlich: „Ray, ich betraue dich mit der Aufgabe, all dieses Wissen aufzubewahren: eines Tages wirst du es brauchen. Und wenn der Tag kommt, wirst du meine Stimme hören und wissen, dass der Zeitpunkt gekommen ist, und du wirst wissen, warum ich dir all das erzählt habe.”

Es lief mir kalt über den Rücken, doch zugleich spürte ich, wie es mir ganz warm ums Herz wurde, während ich wie gebannt in die durchdringenden Augen meines Großvaters sah. Ich versprach ihm. alles. was ich aufgeschrieben hatte. aufzubewahren, auch wenn ich eigentlich gar nicht verstand, warum ich es tun sollte. Großvater starb zwei Wochen später.

Die Jahre vergingen, und ich besuchte eine Radar-Fachschule der amerikanischen Luftwaffe in Boloxi im Staate Mississippi. Einmal erwähnte einer meiner Lehrer, nämlich Norman M. Hale. bei einem Gespräch, daß er Mormone sei. Als ich abends im Bett lag, ging mir das Gespräch immer wieder durch den Kopf. Schließlich stand ich auf, zog mich an und ging zum Haus des Lehrers. Es war schon nach Mitternacht. Ich klopfte an und holte ihn mit folgender Begrüßung aus dem Bett: „Hallo, würden Sie mir wohl etwas über die Mormonenkirche erzählen?”

Hale und sein Freund, mit dem er zusammen wohnte, waren zusammen auf Mission gewesen. Sie verbrachten den Rest der Nacht damit, mir die Diskussionen zu geben. Als sie über Tempel, Genealogie und stellvertretende Arbeit für die Verstorbenen sprachen, vernahm ich eine Stimme, Großvaters Stimme, und wieder hörte ich, wie er mir feierlich meine Aufgabe anvertraut hatte. Es wurde mir warm ums Herz, und ich wußte, daß das, was ich gehört hatte, die Wahrheit war. In der kommenden Woche besuchte ich die Kirche der Heiligen der Letzten Tage zum ersten Mal. Im Oktober 1954 wurde ich dann getauft.

Meine Eltern waren über meine Taufe nicht gerade erfreut. Ich mußte meinem Vater sogar mein Wort gehen, daß ich ihm nie Mormonenlehre predigen würde. Es vergingen zehn Jahre. In dieser Zeit lernte ich eine junge Dame kennen, sprach mit ihr über das Evangelium, taufte sie und heiratete sie im Tempel in Idaho Falls. Obwohl wir aktive Mitglieder der Kirche waren, hielt ich mein Wort und verlor meinem Vater gegenüber all die Jahre hindurch niemals ein Wort über die Kirche.

Eines Tages sagte er schließlich zu mir: „Du wirst sie wirklich nie erwähnen?” Wir beide wußten, wovon er sprach. Nein“, erwiderte ich.

„Würdest du mir denn wenigstens ein paar Fragen beantworten?“ fragte er. An seinen Fragen merkte man, daß er viel darüber nachgedacht hatte. Als ich seine Fragen beantwortet hatte, sagte ich nichts weiter. obwohl ich es ihm ansehen konnte, daß er gern noch mehr wissen wollte.

„Na los“. sagte er ungeduldig. Willst du mir nicht noch ein bißchen mehr erzählen?“

„Nein”. antwortete ich. Dann war es lange Zeit still. Schließlich sagte ich: „Ich sehe, daß du viel über das Evangelium nachgedacht hast. Da wir uns so nahe stehen, wäre es wohl nicht so gut, wenn ich den Versuch machen würde, dich zu belehren. Aber ich kenne zwei nette junge Männer, die deine Fragen beantworten und dir mehr über das Evangelium erzählen können.”

„Ray, ich habe schon von den zwei netten jungen Männern gehört. Man stellt ihnen nur ein paar Fragen und im Handumdrehen ist man getauft.“

„Paß auf”, sagte ich. „Ich werde ihnen sagen, daß sie ihre Diskussionen hier als reine Information geben sollen. Wenn sie auch nur den leisesten Versuch unternehmen, dich zu irgend etwas zu drängen, werde ich sie selbst bitten, das Haus zu verlassen. Und wenn es dir nichts ausmacht, werde ich mir auch die Diskussionen anhören, um sicherzugehen, daß sie sich an die Abmachung halten.”

„Na gut“. sagte er. „aber wenn sie mich mit ihrer Taufe nicht in Ruhe lassen, werde ich sie vor die Tür setzen.“ Ich versicherte ihm, daß er zu nichts gedrängt werden würde. Am darauffolgenden Dienstagabend hörte ich mir mit meinen Eltern zusammen eine Diskussion an. Ich war angenehm überrascht, als mein Vater sagte, daß alles, was sie vorgetragen hätten, dem gesunden Menschenverstand entspräche, und daß er an das alles glaube. Nachdem meine Eltern die zweite Diskussion gehört hatten und mit allem einverstanden waren, taten die Missionare genau das, was sie nicht tun sollten, was ihnen jedoch der Geist eingab: Sie fragten meinen Vater. ob er sich taufen lassen wolle. Bevor ich überhaupt etwas sagen konnte. antwortete er bereits: „Ja. das möchte ich.” Auch Mutter wollte es. Dann machten sie noch Termine für die kommende Woche aus, um sich die anderen Diskussionen anzuhören.

Sonntags rief mich mein jüngster Bruder an. Er war in Tränen aufgelöst. Alles. was er herausbrachte, war: „Ray . . . Vater ist tot . . . Autounfall ...“ Ich mußte weinen, weil ich einen guten Freund, einen Vertrauten, Gefährten und Vater verloren hatte.

Ein Jahr darauf fuhren wir zum Tempel, um die Arbeit für meinen Vater zu tun. Während der Tempelsession, an der ich als sein Stellvertreter teilnahm, wußte ich durch das gute Gefühl, das ich dabei hatte, daß ich etwas tat, was mein Vater wirklich wollte.

Als wir uns im Siegelungszimmer, wo er an seine Eltern gesiegelt werden sollte, um den Altar knieten, spürte ich, wie ich von einer warmen Licht eingehüllt wurde. Ich wußte, der Geist meines Vaters war anwesend. Als ich den Tempelpräsidenten ansah, bemerkte ich, daß in seinen Augen Tränen standen. „Bruder Snelson“, sagte er zu mir. „erzählen sie mir etwas über ihren Vater.” Ich fing an ihm zu erzählen, wie sehr ich ihn liebte und wie nah ich mich ihm fühlte, da unterbrach er mich: Nein, nein — wie sah er aus?“ Als ich ihn beschrieb. kam ein friedliches Lächeln in das Gesicht des Tempelpräsidenten.

Als die Siegelung vollzogen war, bat er alle außer mir, den Raum zu verlassen. Er nahm mich bei der Hand, und wir setzten uns nebeneinander. Zu dem Zeitpunkt standen uns bereits beiden die Tränen in den Augen, und hatte das Gefühl, als wäre der Raum elektrisch geladen. Der Tempelpräsident fragte mich: Sie wissen es, nicht wahr?“

.,Ja“, sagte ich leise.

Er fügte hinzu: „Ihr Vater stand direkt hinter Ihnen.”

Wieder mußte ich weinen. aber dieses Mal vor Freude.

 Ray J. Snelson, September 1983

Genelogie und Tempelarbeit

geschrieben von mormon | 27 Feb, 2008

George Durrant  , Mai 1984
Kürzlich fragte ich anläßlich einer Diskussion den derzeitigen Geschäftsführer der Genealogischen Gesellschaft, Elder Royden G. Derrick vom Ersten Kollegium der Siebzig: „Wie sehen Sie den Zusammenhang zwischen Genealogie und Tempelarbeit?”

Er erwiderte: „Eins kann nicht ohne das andere sein.”

Genealogie und Tempelarbeit lassen sich nicht trennen. Es handelt sich um zwei untrennbare Teile einer einzigen göttlichen Verfügung, die der Herr uns zur Erlösung der Toten gegeben hat. Für einen Heiligen der Letzten Tage sollte es nicht bloß ein Steckenpferd sein, nach seinen Vorfahren zu forschen. Vom Standpunkt der Ewigkeit aus gesehen ist Genealogie ohne Tempelarbeit oder Tempelarbeit ohne Genealogie nicht sinnvoller, als wollte man mit einem halben Ball ballspielen.

Manche meinen, die Tempelarbeit sei schon von ihrem Wesen her wichtiger und heiliger — die obere Hälfte des Balls, sozusagen. Doch bei einem rollenden Ball gibt es weder oben noch unten. Ich habe Mitglieder der Kirche sagen hören: „Ich gehe gern in den Tempel, um die heiligen Handlungen zu vollziehen, aber Genealogie interessiert mich einfach nicht.” Andere meinen: „Wenn ich könnte, brächte ich meine ganze Zeit mit Genealogie zu. Ich finde es so aufregend, daß ich vom Morgen bis zum Abend in der genealogischen Bibliothek sein könnte.” Wären wir alle entweder der einen oder der anderen Ansicht, so hätten wir entweder im Tempel einen riesigen Überschuß an Namen oder lange Warteschlangen vor dem Tempel, weil es keine Namen gäbe. Elder Boyd K. Packer vom Kollegium der Zwölf machte den Zusammenhang zwischen den beiden Bereichen deutlich, indem er sagte: „Es kann einem nicht an der Tempelarbeit gelegen sein, ohne daß man zugleich der genealogischen Arbeit große Bedeutung beimißt. Die genealogische Arbeit ist als Dienst für den Tempel grundlegend. Bliebe das genealogische Programm ergebnislos, so müßten auch die Tempel geschlossen werden.” (The Holy Temple, S. 224.)

Im Oktober 1975 sagte Elder Packer vor einer Gruppe Regionalrepräsentanten:

„In den vergangenen zwei Monaten habe ich einige Hohenpriestergruppen besucht. Meistens war ich nur Zuhörer. Ich wollte herausfinden, was die Hohen Priester in diesem Punkt tun — und warum nicht! Die Ermittlung war hochinteressant...

Ich besuchte eine Hohenpriestergruppen mit 39 Mitgliedern, alle mit guter Ausbildung und gutem Einkommen und viele bereits in Pension. Während der letzten Jahre hatten sie 1122 Tempelendowments vollzogen. In derselben Zeit wurden von dieser Gruppe infolge ihrer eigenen genealogischen Forschungsarbeit in ihren eigenen Familienurkunden ganze zwei Namen eingeschickt, wovon einer noch nicht für die Tempelarbeit freigegeben war. Wie ich festgestellt habe, ist diese Situation typisch.

Die genealogische Arbeit in der Kirche wird größtenteils einigen wenigen überlassen, die sich besonders dafür interessieren, diese Arbeit aufregend finden und sich ihr voll und ganz widmen.” (Ebda.)

Manche meinen, auf irgendeine Weise gäbe es immer Namen im Tempel, ohne daß sie etwas dazutun — so wie für die Israeliten in der Wüste jeden Morgen Manna auf der Erde lag.

Wir sollen aber mit der Familie arbeiten und Namen aus der eigenen Familie bringen, damit wir, wenn wir in den Tempel gehen, es für unsere eigenen verstorbenen Vorfahren tun. Der Herr hat jeden von uns und unsere Familien durch seine Knechte aufgefordert, dafür zu sorgen, daß für unsere verstorbenen Vorfahren die heiligen Handlungen des Tempels vollzogen werden. Elder Mark E. Peterson vom Kollegium der Zwölf hat betont:

„Worin besteht also unsere Obliegenheit? Jeder von uns muß — wenn er vorgibt, überhaupt nach dem Evangelium zu leben — nach unseren Verstorbenen forschen und die errettenden heiligen Handlungen für sie vollziehen lassen.

Viele meinen, sie würden ihrer Verantwortung gerecht, indem sie einfach in den Tempel gehen. Aber das stimmt nicht ganz. Freilich müssen wir in den Tempel gehen, sogar oft. Wer noch keine Unterlagen über seine eigenen Vorfahren hat, soll natürlich anderen mit ihren Namen helfen, während er nach seinen eigenen forscht.

Aber wir müssen verstehen, daß wir unsere Pflicht nur teilweise erfüllen, wenn wir nicht für unsere eigenen Verstorbenen in den Tempel gehen, denn es wird auch von uns gefordert, daß wir ausdrücklich zur Errettung unserer eigenen Vorfahren in den Tempel gehen und die verschiedenen Generationen durch die Macht des heiligen Priestertums aneinanderbinden sollen.

Machen wir uns von dem Irrtum frei, wir erfüllten durch den Tempelbesuch unsere ganze Pflicht, denn es ist nicht so. Das allein ist nicht genug .. .

Gott macht jeden für die Errettung seiner eigenen — ausdrücklich seiner eigenen — Familie verantwortlich.” (GK, April 1976.)

Haben Sie schon erlebt, wie schön es ist, für den eigenen Großvater oder für die eigene Urgroßmutter durch den Tempel zu gehen — oder können Sie sich dieses Erlebnis vorstellen? Nichts ist uns so teuer wie die Erlebnisse, die wir geistig nennen. Und bei keiner anderen Tätigkeit in der Kirche kann man mehr davon haben, als wenn wir nach unseren Verstorbenen forschen und für sie durch den Tempel gehen. Elder Packer hat diesbezüglich gesagt:

„Keiner in der Kirche kann diese Arbeit tun, ohne daß er dadurch geistig beeinflußt wird. Dieses Werk ist vom Geist des Elija durchdrungen. Viele der kleinen Ärgernisse unseres Lebens, die kleinen Schwierigkeiten und trivialen Probleme, die uns zusetzen, werden in die richtige Perspektive gerückt, wenn wir sehen, wie die Generationen für die Ewigkeit miteinander verbunden werden. Wir werden viel geduldiger. Wer in seinem Leben von Würde, Weisheit, Inspiration und Geistigkeit beeinflußt werden will, widme sich der Tempelarbeit und der genealogischen Arbeit.” (The Holy Temple, S. 224f.)

Es ist etwas Besonderes, wenn man für jemanden durch den Tempel geht, nach dessen Namen man zusammen mit der Familie selbst gesucht, ihn vorbereitet und eingeschickt hat.

Ich habe Mitglieder sagen hören: „Die Arbeit für unsere eigenen Namen ist bereits getan.” Solange einem klar ist, daß das nur ein Scherz sein kann, mag man so etwas ruhig sagen. Elder W. Grant Bannigerer vom Ersten Kollegium der Siebzig hat darüber gesagt: „Ihre genealogische Arbeit ist nicht abgeschlossen. Meine Großeltern haben vor fünfzig Jahren die ,ganze' Tempelarbeit für ihre verstorbenen Verwandten getan, aber unsere Familie hat seither 16000 weitere Namen gefunden.” (GK, April 1982.)

Neubekehrten oder Mitgliedern, deren Genealogie aus irgendeinem Grund vernachlässigt wurde, bietet sich hier eine aufregende Möglichkeit. Für sie ist das Feld in der Tat weiß, zur Ernte bereit. Wenn alle 50000 Familien, die jedes Jahr getauft werden, nur die Namen ihres Viergenerationenprogramms und der verstorbenen Kinder dieser Vorfahren einschickten, so würden jährlich mindestens 3500000 Menschen die heiligen Handlungen empfangen.

Hegen Sie im Herzen den Wunsch, für Ihre eigenen Angehörigen zu sorgen. Es gibt in der Kirche viel zu tun. Die Genealogie soll nicht alles andere verdrängen, und das andere soll auch nicht die Genealogie verdrängen. Wenn die Bemühungen des einzelnen und der Familie gut geplant sind, kann die Durchschnittsfamilie mit normalem Arbeitsaufwand selbst die Namen ihrer verstorbenen Vorfahren ausfindig machen und für sie die heiligen Handlungen vollziehen. Und natürlich soll auch jeder die Zweite Meile gehen und im Tempel auch für andere arbeiten.

Genealogie und Tempelarbeit gehen, wie Elder Derrick gesagt hat, Hand in Hand. Große Segnungen winken dem, der weiß, daß eins ohne das andere nicht sein kann. Beides zusammen erfüllt uns die ganze Seele mit Freude darüber, daß wir im herrlichen Erlösungswerk für die Toten mitwirken können.

George Durrant ist Vater von acht Kindern, Direktor der Priestertumsgenealogie und Bischof der Gemeinde Mt. Olympus III in Salt Lake City.

Bitte verrichte meine Arbeit

geschrieben von mormon | 27 Feb, 2008
Terry Lynn Fisher, Mai 1984

Als mein Mann und ich noch unter einem Monat verheiratet waren, mußte er die militärische Grundausbildung erfüllen. Es wurde mir nicht gestattet, ihn zu begleiten, also blieb ich während der sechs Monate, in denen er fort war, in Provo, Utah und arbeitete. Das entsprach gar nicht meiner Vorstellung vom Eheleben — mein Mann fast zweitausend Kilometer entfernt und nicht einmal in der Lage, für einen Besuch nach Hause zu kommen. Ich war eine sehr unglückliche Braut.

Während dieser Zeit wurde ich eines Nachts durch eine Stimme, die mir in den Sinn kam, aus tiefem Schlaf geweckt. Während ich dem zuhörte, was gesagt wurde, erkannte ich, daß mein Ururgroßvater zu mir sprach. Ich faßte mich einen Augenblick, hörte zu und dachte nach. Mein Ururgroßvater beauftragte mich, seine Familie an ihn siegeln zu lassen. Er hatte in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten gelebt. Aufgrund des amerikanischen Bürgerkriegs und den wirtschaftlichen Zuständen vor dem Krieg war mein Ururgroßvater Georg Wilkie sehr oft fern von seiner geliebten Frau und seinen vier Söhnen. Schließlich starb er, während er seinem Land im Bürgerkrieg diente.

Ich hatte Kopien von Briefen gelesen, die George Wilkie an seine Familie nach Hause geschrieben hatte und von Briefen, die seine Familie ihm während seines oftmaligen Fernbleibens geschickt hatte. Ich hatte auch seine Tagebücher gelesen. Diese Briefe und Tagebücher spiegelten die Liebe wieder, die einer für den anderen in der Familie hatte, wie auch ihre Wünsche, wieder vereint zu sein.

Meine Vorfahren waren keine Heiligen der Letzten Tage und hatten daher nicht die Segnungen des Evangeliums. Nun, mitten in der Nacht, war hier mein Ururgroßvater Wilkie und sagte mir: „Terry Lynn, bitte sorge dafür, daß meine Familie an mich gesiegelt wird. Ich möchte mit ihnen durch alle Ewigkeit zusammen sein. Bitte verrichte die Arbeit für uns im Tempel. Du bist nun fern von deinem Mann — stell dir vor, das wäre ewig so. Es ist furchtbar. Ich möchte an meine Frau gesiegelt werden.” Dann war die Stimme so schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen war. Zuerst dachte ich, daß ich mir etwas eingebildet haben mußte. Ich lag da und dachte über meine Ururgroßeltern nach. Ich entschied mich dafür, daß ich ihre Genealogie tun und mit der Arbeit beginnen sollte, wenn ich die Zeit dafür hätte. Dann fing ich an, wieder einzuschlafen. Ich war erschrocken, als die Stimme wiederkam und in etwa das gleiche sagte, nur drängte sie mich diesmal dazu, daß ich die Arbeit bald verrichten sollte. Ich beschloß, am nächsten Tag deswegen etwas zu unternehmen. Wie auch immer, offensichtlich wußte mein Großvater, daß ich am nächsten Tag zerstreut sein würde, weil er noch ein drittes Mal zu mir sprach und mir sagte, daß ich jetzt etwas tun soll.

Ich konnte nicht ganz glauben, was geschah, doch mitten in der Nacht stand ich auf und begann, an der Genealogie zu arbeiten. Ich sah verschiedene Papiere und Aufzeichnungen durch und fand die Information, die ich brauchte, um zu beginnen. Dann schrieb ich Briefe, in denen ich um Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden bat. Als ich alles getan hatte, was ich zu der Zeit tun konnte, begab ich mich schließlich wieder ins Bett zurück.

Ich arbeitete viel an der Genealogie während der sechs Monate, in denen mein Mann fort war. Schließlich war es mir möglich, mit meinem Vetter zum Tempel zu gehen und meine Ururgroßeltern siegeln zu lassen. Ich kann bezeugen, daß ich ihre Gegenwart dort im Tempel gefühlt habe und wußte, daß sie endlich wirklich glücklich und für ewig zusammen sein konnten.

Während der nächsten vier Jahre wurde von meinem Mann erwartet, die meiste Zeit von zu Hause fernzubleiben. Ich wurde oft getröstet und gestärkt, wenn ich die Tagebücher meiner Ururgroßeltern las. Darum wissend, daß sie ähnliche Situationen erfahren hatten, half es mir irgendwie, mein Leben in die richtige Perspektive zu bringen. Ich fühlte mich ihnen sehr nahe und obwohl ich sie nie getroffen hatte, spürte ich, daß ich sie kannte. Das Beispiel, daß mir meine Ururgroßeltern unwissentlich gegeben haben, ist und bleibt eine Inspiration.

Terry L. Fischer, Mutter von drei Kindern und Teilzeit-Studentin an der Brigham-Young-Universität, ist Ratgeberin in der PV-Leitung der 102. Gemeinde der BYU.

Meine Mission über die Jahrhunderte hinweg

geschrieben von mormon | 22 Feb, 2008

Als der Patriarch die Hände von meinem Kopf nahm, konnten weder er noch ich ahnen, daß ein Großteil des Patriarchalischen Segens sich so bald und auf so überraschende Weise erfüllen würde. Die Lehre - nämlich die von meiner Verantwortung, nach meinen verstorbenen Vorfahren zu forschen -, die mich bei meiner Bekehrung zwei Jahre zuvor so freudig erregt hatte, war in meinem Segen gleich dreimal ausdrücklich erwähnt. Als ich mich aber als einziges Mitglied meiner Familie der Kirche angeschlossen hatte, war mir diese Aufgabe überwältigend vorgekommen.
Ein paar Jahre nachdem ich meinen Patriarchalischen Segen erhalten hatte, ging ich nach Frankreich und Belgien auf Mission. Ich hoffte, ich würde dort auch etwas Genealogie betreiben können. Mein Vater hatte mir irrtümlicherweise gesagt, daß Jaccard die englische Schreibweise des verbreiteten französischen Familiennamens Jacquard meines Aufenthalts in Frankreich etwas über meine Vorfahren herauszufinden.
Gegen Ende meiner Mission gab mir mein Missionspräsident den Auftrag, den Mitgliedern in Brüssel bei ihrer genealogischen Forschung und ihrer Tempelarbeit behilflich zu sein. Von einem anderen Missionar bekam ich ein kleines Buch mit dem Titel „Was weiß ich über Genealogie?”
Als ich das Buch zum ersten Mal las, fiel mir in der Liste der Verfasser ein Name auf: Dr. Joseph Jacquart. Das war eine dritte Möglichkeit, meinen Namen zu schreiben, und die Aussprache mochte die gleiche sein! Als Dr. Jacquarts Adresse war das Belgische Zentrum für genealogische und demographische Studien in Brüssel angegeben.
Ich rief sofort das Zentrum an und vereinbarte einen Termin mit Dr. Jacquart. Als wir zum vereinbarten Zeitpunkt im Zentrum ankamen, erfuhren wir, daß Dr. Jacquart krank war. Der Präsident des Zentrums führte uns freundlicherweise durch das Gebäude. Wir fragten ihn, was er denn von der Kirche wisse und ob er gern mehr erfahren würde.
Zu meiner Überraschung antwortete er „Ja! Würden Sie zu unserer nächsten monatlichen Versammlung unserer Gesellschaft kommen und einen Vortrag über die Genealogie der Mormonen halten? Inzwischen gebe ich Dr. Jacquart die Informationen in bezug auf Ihre Ahnenlinie.”
Als mein Mitarbeiter und ich am vereinbarten Tag ankamen, war der Vortragssaal voller Menschen. Als wir unsere Geräte und unser Anschauungsmaterial aufstellten, wurde ich von einem weißhaarigen Herrn begrüßt, der sich als Dr. Jacquart vorstellte. Er gab mir eine Genealogiekarte von Frankreich, Belgien und der Schweiz und erklärte mir, daß Jacquard, Jacquart, Jaccard schweizerisch seien. Er fügte noch hinzu, daß er einen Artikel über die Familie Jaccard in der Schweiz geschrieben habe und daß er die Adressen einiger Leute habe, mit denen ich wahrscheinlich verwandt sei.
Einige Wochen später wurde ich von meiner Mission entlassen. Mit den Adressen, die ich nun hatte, rief ich Dr. Robert Jaccard in Bern an. Schnell stellte er die Beziehung zwischen mir und ihm her. Er notierte die Informationen, die ich hatte, und empfahl mir, in den Archiven von Besançon in Frankreich nachzuforschen, einer Stadt, die nicht weit vom schweizerischen Dorf Sainte-Croix entfernt liegt, aus dem der Name Jaccard stammt.
In Besançon entdeckte ich in meiner Ahnenlinie das Glied zwischen Amerika und der Schweiz. Ungefähr einen Monat nachdem ich Dr. Robert Jaccard von meinen Entdeckungen berichtet hatte, schickte er mir die Namen aller direkten Vorfahren der Jaccard-Linie bis 1350 n. Chr.: Alle stammten aus Sainte-Croix. Seitdem habe ich die kompletten Familiengruppen für alle meine Vorfahren ermittelt und für viele von ihnen die Tempelarbeit durchführen lassen.
Wenn ich auf dieses Erlebnis zurückblicke, so denke ich, daß viele meiner Vorfahren jenseits des Schleiers ein aktives Interesse nicht nur an meiner Missionsarbeit gehabt haben müssen, sondern auch an meiner anderen Mission, nämlich meine Vorfahren zu ermitteln. Diese „Familienmission” umfaßt wesentlich mehr Jahre als die zweieinhalb, die ich als Missionar in Europa gedient habe
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Jerry L. Jaccard ist Bischof der Gemeinde Hartford 1 im Pfahl Hartford Connecticut, September 1987

 

Das verschwundene Buch

geschrieben von mormon | 21 Feb, 2008

Es war ein wunderschöner Sommermorgen in Norddeutschland. Ich fuhr mit meinem Mann von unserem Wohnort Frederiksberg in Dänemark zu dem Landkreis, in dem die Mutter meiner Mutter geboren war. Wie ein Kind, das sich darauf freut, daß ein großer Wunsch in Erfüllung geht, hatte ich einen Frosch im Hals, als ich zum ersten Mal auf einem Hinweisschild „Ladelund” las. Seit ich Mitglied der Kirche war, verspürte ich den brennenden Wunsch, den Namen meiner Großmutter für die Tempelarbeit einzureichen. Oft hatte ich in meiner genealogischen Forschung göttliche Führung erfahren, und ich freute mich darauf, meiner Großmutter zu helfen, die Fülle der Segnungen des Evangeliums zu erhalten.

Ich hatte nach Ladelund geschrieben, um zu erfahren, in welcher Kirchengemeinde die Urkunden über meine Großmutter zu erhalten waren. Dann hatte ich den Pfarrer angerufen und einen Termin ausgemacht, an dem ich die Bücher mit den Eintragungen ausleihen konnte..

Als wir in dem gemütlichen kleinen Haus in Ladelund ankamen, begrüßte die Pfarrsekretärin uns herzlich. Sie ging zum Safe, um das Buch zu holen, das ich ausleihen wollte, und kam völlig verblüfft zurück. „Das Buch, das Sie brauchen, ist nicht da; dabei war es gestern noch hier”, sagte sie. Gemeinsam suchten wir die Bücherregale ab, konnten es aber nicht finden.

Ich war zutiefst enttäuscht. Ich hatte mich so angestrengt. Warum half der himmlische Vater mir jetzt nicht? Ich ging zum Auto, um auf den nächsten Termin in ein paar Stunden zu warten. Während ich weinend dasaß, hatte ich die Idee, daß wir vielleicht in den kleinen Ort fahren konnten, wo die Familie meiner Großmutter gewohnt hatte. Das war zwar schon über hundert Jahre her, aber ich wollte einfach sehen, wie es dort aussah.

Wir kamen gegen Mittag an und sahen niemanden auf der Straße. Wir fuhren an etlichen Häusern vorbei, und schließlich sah ich eine Frau, die ihre Fenster putzte. Wir hielten an, und ich klingelte, um zu fragen, ob sie etwas über die Familie meiner Großmutter wußte. Als ich an der Haustür stand, sah ich auch das Namensschild. Mein Herz setzte fast aus, als ich den Namen Carstensen las. Das war der Familienname meiner Großmutter gewesen!

Da machte die Frau auch schon die Tür auf und fragte im schönsten Platt, was ich denn wolle. Nachdem ich mein Anliegen vorgetragen hatte, antwortete sie: „Ach so, Sie wollen Mutters Ahnentafel sehen. Ich hole sie Ihnen." Sie ging aus dem Zimmer und kam mit einer Ahnentafel zurück, die meine Vorfahren bis ins siebzehnte Jahrhundert verzeichnete. Neben dem Namen jedes Ehepaars waren Geburts-, Heirats- und Sterbedatum aufgeführt, dazu alle Kinder, mit Geburts- und Heiratsort. Dieses eine Dokument lieferte mir mehr Informationen über die Familie meiner Großmutter, als ich aus den Kirchenbüchern erhalten hätte. Jetzt wußte ich genau, wo ich die Kinder alle zu suchen hatte.

Als ich wieder zu Hause in Dänemark war, erhielt ich einen Brief von der Pfarrei in Ladelund. Die Sekretärin hatte mir die Angaben aus dem verschwundenen Buch geschickt und erklärt, daß es versehentlich in den falschen Schrank gestellt worden war. Dank diesem „Versehen” hatte ich allerdings nicht bloß einen, sondern über hundert Namen meiner deutschen Vorfahren gefunden. Der Herr hatte mir wirklich geholfen, auch wenn mir das erst nicht bewußt gewesen war.

 

Anna Margarethe Krogh Thomsen, Juni 1987

Als der Herr mir die Augen öffnete

geschrieben von mormon | 20 Feb, 2008

Was für eine wunderschöne Geschichte, dachte ich, hielt inne und hob den Blick. Ich hatte in 2 Könige 6 gelesen, wo es um den Propheten Elischa geht.

Israel führte gerade Krieg gegen die Aramäer, und der König von Aram ließ ein Heer zur Stadt Dotan marschieren, das Elischa gefangen nehmen sollte. Als Elischas Diener merkte, dass die Stadt von aramäischen Truppen umstellt war, rief er aus: ,Wehe, mein Herr, was sollen wir tun?" (Vers 15.)

„Fürchte dich nicht”, beruhigte Elischa ihn. „Bei uns sind mehr als hei ihnen.” (Vers 16.) Elischa bat den Herrn, seinem ängstlichen Diener die Augen zu öffnen. Und dann wurden dem Diener auf höchst dramatische Weise die Augen geöffnet, und er sah, dass der Berg, auf dem sie standen, „voll von feurigen Pferden und Wagen” war (siehe Vers 17).

Ich markierte die Verse schnell. Diese Geschichte gefiel mir ausnehmend gut, und ich dachte weiter darüber nach. Und eigentlich hoffte ich selbst auf eine ähnliche Kundgebung. Ich befasste mich gerade mit genealogischen Forschungen und war bei der Sammlung von Daten auf viele Schwierigkeiten gestoßen. Die meisten meiner Verwandten wussten kaum noch etwas über unsere Vorfahren, und ein großer Teil der Heirats- und Sterbeurkunden war vernichtet worden, als im Zweiten Weltkrieg Bomben auf die Philippinen fielen. Doch ich ließ mich nicht entmutigen und hoffte weiter auf irgendein beeindruckendes, dramatisches Ereignis. Ich hatte schon viele Leute erzählen hören, wie Gott ihnen bei der genealogischen Forschung bzw. der Tempelarbeit durch Träume und andere heilige Erlebnisse geholfen hatte, die Angaben ausfindig zu machen, die ihnen noch fehlten.

Dennoch erlebte ich beim Durchforsten alter Aufzeichnungen und beim Streifen über Friedhöfe kein Wunder. Ich hatte weder Träume, noch erschienen mir Besucher aus der Geisterwelt. Und trotzdem tat sich vor mir ein Weg auf. Als ich in der für unsere Region zuständigen Genealogie-Forschungsstelle war, ließ ein anderer Besucher einmal einen Mikrofilm draußen liegen. Als ich mir diesen Film anschaute, sah ich, dass er die Ergebnisse einer Volkszählung aus dem 19. Jahrhundert enthielt, die in meiner Heimatstadt stattgefunden hatte. Voller Begeisterung nahm ich zur Kenntnis, dass in den Aufzeichnungen Listen ganzer Familien vorhanden waren — mit allen Geburts- und Sterbedaten und der Angabe des Berufes. Wochenlang war ich nun damit beschäftigt, anhand dieses Mikrofilms meinen Stammbaum zu komplettieren. Schließlich hatte ich sechs Generationen väterlicherseits gefunden. Ich war überglücklich und zeigte das Ergebnis meiner Arbeit einer Verwandten. „Du bist erst halb so alt wie ich”, rief sie erstaunt, „und weißt trotzdem mehr über meinen Großvater als ich selbst!”

Aber noch lag eine weitere schwierige Aufgabe vor mir, denn ich wusste nur wenig über die Linie meiner Mutter. Ihre Eltern wohnen auf einer Insel ganz im Süden. Das ist ziemlich weit von uns entfernt, und ich hatte nicht genug Geld, um dorthin zu reisen.

Dann überraschte meine Mutter mich eines Tages mit der Ankündigung: „Dein Großvater möchte, dass wir alle zu einer Familienfeier nach Hause kommen:” ,Wann denn?", fragte ich fröhlich. „So bald wie möglich.”

Glücklicherweise bekamen wir das Geld für die Flugtickets zusammen. Auf der Familienfeier ergab sich für mich die Gelegenheit, von den Verwandten meiner Mutter viele Informationen zu sammeln. Umgehend reichte ich dann die Namen von 86 Vorfahren im Manila-Tempel ein. Meine Sammlung war zwar bescheiden im Vergleich mit manch anderer, aber ich war trotzdem sehr glücklich darüber.

An einem sonnigen Februarmorgen ging ich in den Manila-Tempel und ließ mich nacheinander für meine Vorfahren taufen. Als ich so im Taufecken stand, hatte ich die leise Hoffnung, meine Vorfahren sehen bzw. ihre Stimme hören zu können. Auch an den darauf folgenden Tagen ging ich in den Tempel, um meine Arbeit zu vollenden; dabei hoffte ich immer noch auf ein spektakuläres Erlebnis. Ich dachte, dass ich vielleicht von meinen Vorfahren träumen würde. Ich stellte mir vor, dass meinen Verwandten außerhalb der Kirche vielleicht das Herz erweicht würde und sie mehr über meine Forschungen wissen wollten. Es konnte ja sogar sein, dass sie sich zur Kirche bekehrten.

Aber nichts Derartiges geschah. Die Tage verflossen in der gewohnten Alltagsroutine. Ich war bestürzt und fragte mich: 'X bleiben die Segnungen des Herrn? Wo bleiben die Segnungen, die er denen verheißen hat, die mithelfen, die Toten zu erlösen? Ein paar Tage später ging ich abends wieder in den Tempel, um an einer Session teilzunehmen. Im Tempel schaute ich auf das stille Wasser im Taufbecken. Und plötzlich verstand ich etwas, was mir vorher nicht bewusst gewesen war. War das Recht, mich für meine Vorfahren taufen zulassen, nicht schon eine wundervolle Segnung an sich? Ich dachte an die vielen wertvollen Aufzeichnungen, auf die ich während meiner Forschungen gestoßen war. Hatte der Herr mir nicht den Weg bereitet? Hatte ich nicht mehr erreicht, als ich je zu hoffen gewagt hätte?

Da fiel mir die Schriftstelle aus dem Alten Testament wieder ein. Elischas Diener wurden die Augen geöffnet, und er sah das Heer des Herrn. Der Herr öffnete auch mir die Augen und ließ mich die Segnungen verstehen, die mir zuteil geworden waren. Als ich an jenem Abend wieder nach Hause ging, empfand ich nichts als Dankbarkeit.

Mir ist bewusst geworden: Wenn man seine geistigen Augen öffnet, dann merkt man, dass Segnungen nichts Dramatisches an sich haben müssen. Dann sieht man, wie sich die Liebe des Herrn kundgetan hat, und ist dankbar dafür. Zwar bin ich manchmal noch geneigt, dies zu vergessen, aber dann spreche ich das Gebet des Elischa: „Herr, öffne mir die Augen, damit ich sehe.”

Tayo M. Tuason 

Im Leben Freude finden

geschrieben von mormon | 19 Feb, 2008

Im Juni 1991 zog ich zusammen mit meiner Frau, Alla und unserem Sohn, Alex, von Weißrussland in der ehemaligen Sowjetunion nach Dänemark. Ich hin von Beruf Anästhesist und war deshalb stark daran interessiert, meine Englischkenntnisse zu verbessern. Deshalb meldete ich mich zu einem Sprachkurs an, der von zwei Missionarinnen durchgeführt wurde, die in der Dänemark-Mission Kopenhagen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage dienten.

Dort stellte ich fest, dass ich mehr lernen wollte als nur Englisch. Erst als die sowjetische Regierung nach jener bemerkenswerten Periode in der sowjetischen Geschichte, die als glasnost bezeichnet wird, das Religionsverbot aufgehoben hatte, hatte ich mich mit Jesus Christus beschäftigt. Doch die Rituale in der am weitesten verbreiteten Kirche gefielen mir gar nicht, und deshalb hatte ich diese Angelegenheit nicht weiter verfolgt. Die Missionarinnen waren anders. Ihre Freundlichkeit wärmte mir das Herz, und als sie uns erklärten, dass Menschen sind, „damit sie Freude haben können”, (2 Nephi 2:25), war ich hellauf begeistert. Ich konnte mich nämlich nur an zwei Tage erinnern, wo ich Freude empfunden hatte, nämlich am Tag, als ich Alla geheiratet hatte, und am lag, als Alex geboren wurde. Und nun konnte ich im wahrsten Sinne des Wortes die Freude im Gesicht der Missionarinnen sehen, wenn sie über das Evangelium sprachen.

Die übrigen Missionare und die Mitglieder, die Alla und ich kennen lernten, bestätigten unseren ersten Eindruck. Ich sagte zu Alla: „Wenn es in dieser Kirche so wunderbare Menschen gibt, dann muss dies wirklich die wahre Kirche sein!”

Alla und ich ließen uns im August 1991 taufen. Dabei spürten wir die Wärme im Herzen, die einem zuteil wird, wenn man die Gabe des Heiligen Geistes empfängt. Unser Körper und unsere Seele wurden rein gemacht, und wir waren glücklich wie nie zuvor. Dabei war das erst der Anfang. Bei jeder Versammlung spürten wir wieder das Gleiche, was wir schon hei unserer Taufe gespürt hatten. Wir sind ruhiger, geduldiger und freundlicher geworden. Wir sind bemüht, dem vollkommenen Beispiel Jesu Christi nachzueifern, obwohl das manchmal gar nicht so einfach ist. Im Juli 1993 wurden Alla, Alex und ich im Stockholm-Tempel aneinander gesiegelt. Als wir — umgeben von Freunden, zu denen auch Reid und Donna Johnson, der Tempelpräsident und die Oberin gehörten — am Altar im Tempel knieten, da spürten wir auch wieder die innere Wärme, die unsere Bekehrung begleitet hatte. Wir waren wie durchgefrorene, durchnässte, hungernde und ausgesetzte Kätzchen gewesen, die in der Kirche Obdach, Wärme und Nahrung gefunden hatten. Das Evangelium hatte dazu beigetragen, unser kaltes Herz zu wärmen und uns die Augen zu öffnen, so dass wir anfangen, bewusst, dass wir noch sehr viel Arbeit im Tempel zu leisten haben. Das Glück, das wir als Mitglieder der Kirche Christi spüren, wird immer größer. Je länger wir in der Kirche dienen, desto mehr Glück scheinen wir zu erfahren. Es war für uns eine unerwartete und umso schönere Überraschung, wahre Freude erleben zu dürfen.

Seit unserer Bekehrung ist jetzt schon einige Zeit vergangen. Wir hatten inzwischen viele Schwierigkeiten zu bewältigen. Die Kraft, die uns über diese Schwierigkeiten hinweg geholfen hat, ist zum größten Teil auf das Beispiel der Mitglieder zurückzuführen, die ihrerseits bemüht sind, dem Beispiel Jesu Christi nachzueifern.

Igor Burceff

 

Der Geist des Elija

geschrieben von mormon | 19 Feb, 2008

 

Auf dem unbewohnten Grundstück sah er vor seinen Füßen ein vergilbtes, schmutziges Stück Papier. Es war die Heiratsurkunde seiner Großeltern.

 

Während einer Klasse über das Buch Mormon vor vielen Jahren ist etwas geschehen, was mein Leben sehr stark beeinflusst hat. Bruder Fernand Aguilar, unser Lehrer, erzählte uns von etwas, was sein Mater Santiago Aguilar II., erlebt hatte, als er bemüht war, genealogische Daten zu seinen Vorfahren ausfindig zu machen. Er hatte auch schon viele Namen im Tempel eingereicht. Dennoch gelang es ihm nicht, in einem Zweig seiner Familie mehr über seine Großmutter und deren Vorfahren herauszufinden. Obwohl er viele Reisen unternahm und unablässig forschte, war es ihm nicht gelungen, die notwendigen Daten seiner Großmutter zu finden. Doch der Geist drängte ihn, immer weiter zu suchen.

Bruder Fernando Aguilar, der derzeit als Teilzeit-Koordinator für das Bildungswesen der Kirche in Chile arbeitet, erzählte weiter: „Eines Tages hatte mein Vater das Gefühl, er solle noch einmal in ein kleines Dorf fahren, das etwa neunzig Kilometer östlich der Stadt Osorno liegt. Dieses Dorf ist etwa fünfhundert Kilometer von seinem Wohnort Talcahuano entfernt. Dabei hatte er erst vor kurzem unsere Verwandten dort besucht und von ihnen genealogische Daten bekommen. Er konnte sich nicht vorstellen, warum er noch einmal dorthin fahren sollte. Aber das drängende Gefühl blieb. Also machte er sich mit einem Gebet um Führung wieder auf den Weg ins Dorf. Als unsere Verwandten ihn sahen, waren sie erstaunt, dass er schon wieder da war, und versicherten ihm, sie hätten ihm alle genealogischen Daten gegeben, die sie besäßen. Mein Vater sagte einfach habe das Gefühl gehabt, noch einmal herkommen zu müssen, auch wenn er nicht recht wisse, weshalb.

Den folgenden Tag brachte er damit zu, nach weiteren Daten zu forschen. Er fand aber nichts. Als er abends müde zum Haus seines Onkels ging, fühlte er sich gedrängt, einen anderen Weg einzuschlagen. Mein Vater befolgte diese Eingebung, obwohl er nicht wusste, wohin der Weg ihn führte und warum. Der neue Weg führte an einem großen Grundstück vorbei, auf dem allerlei Müll lag, und er fühlte sich gedrängt, den Pfad einzuschlagen, der über das Land führte.

Als er das Grundstück betreten hatte, blieb er plötzlich stehen und fing an, sich umzusehen, weil er wissen wollte, warum er nun hier stand — so weit entfernt von zu Hause. Als er zu Boden schaute, sah er vor seinen Füßen ein vergilbtes, schmutziges Stück Papier. Er hob es auf. Als er den Dreck abgeschüttelt hatte, sah er, dass es sich um die Heiratsurkunde seiner Großeltern handelte, auf der auch die weiteren Namen und Daten standen, die ihm fehlten. Diese Urkunde enthielt alle Informationen, die er brauchte, um die Tempelarbeit für unsere Vorfahren tun zu können.

Als Bruder Aguilar zu Ende erzählt hatte, holte er die Heiratsurkunde, die nun in einer Plastikhülle steckte, aus der Tasche. Er ließ sie im Raum umhergehen, damit jeder sie lesen konnte. Vor lauter Rührung brachten wir alle kein einziges Wort hervor.

Dann gab er Zeugnis und erklärte uns, dass der Geist des Elija ihm hei seinen Bemühungen auch weiterhin geholfen hatte. Er sagte, der Geist des Elija werde allen geschenkt, die darum beten, und forderte uns auf, uns ernstlich um diesen Geist zu bemühen.

Damals habe ich angefangen, Ahnenforschung zu betreiben, und habe schon die Daten für mehrere Generationen gefunden. Oft habe ich dabei gespürt, wie der Heilige Geist mir Eingebungen zuteil werden ließ. Ich habe zwar nicht so etwas Dramatisches erlebt wie Bruder Aguilars Vater, aber ich habe doch erfahren, dass wir alle hei der Ahnenforschung vom Geist geführt werden können.

 

Marco Antonio Panes Spano