Gerda,-ich-liebe-dich

oder der Geist des Elia ist auch für einfache Menschen
Mein Freund holte ein dickes, längliches weißes Buch hervor, das einen Tempel auf dem Einband eingeprägt hatte. „Das ist mein Buch der Erinnerung”, sagte er. Ich erkannte einige der Photos — Orson Pratt, George Q. Cannon, Woodruff, Beesley. Könige und Königinnen und Herzöge waren dort beschrieben. Nach den Stammbäumen kamen Seiten um Seiten von Biographien, Selbstbeschreibungen, Anekdoten, Erlebnisse bedeutender Pioniere und ihrer Frauen. Erinnerungen an die Freundschaft mit dem Propheten Joseph Smith. Ich war überwältigt. Als wir die Seiten umblätterten, beneidete ich ihn um seine Vergangenheit. Als Bekehrte teilte ich nur in gewissem Sinne das Erbe der Mormonen, d. h. von Momonenpionieren. Wohl war ich stolz darauf, als ich die Worte des Liedes „Kommt, Heil'ge kommt” lernte. Meine Vorfahren waren Bauern in irgendeinem Teil Europas gewesen. Es gab nichts Zauberhaftes über meine Herkunft.
„Linda, ich beneide dich!” sagte mein Freund. Das riß mich aus meinen selbstmitleidigen Träumen. Mein Freund schloß das Buch und fuhr fort: „Alle Arbeit, die hierin steckt, wurde von einem anderen geleistet. Alle Daten, Geschichten und Bilder wurden von einem Cousin 3. Grades in St. George, Utah, zusammengetragen. Aber du — du kannst völlig neu anfangen und alles für dich entdecken. Denke nur, wie nahe das dich deinen Müttern und Vätern bringen wird. Du wirst sie wirklich kennenlernen.”
Meine Väter und Mütter kennenlernen? Darüber hatte ich nie zuvor nachgedacht. Mütter und Väter müssen nicht berühmt oder königlich sein. Sie müssen nur zu mir gehören und ich zu ihnen. Ich bereute meinen Neid und eilte nach Hause vom Geiste des Elia erfüllt und mit einigen leeren Ahnentafeln in der Hand.
Ich füllte die Daten für meine Eltern und mich aus, aber hatte nicht alle Daten meiner Großeltern. Dann fielen mir einige alte Schachteln mit Familiendingen ein, die meine Mutter einmal erwähnt hatte. Im Keller des Hauses fand ich, zwischen alten Reifen und umgeben vom Staub und Geruch des 19. Jahrhunderts, zwei Zigarrenkisten. Ich hatte Schatzkisten gefunden! Ich setzte mich auf den kalten Beton, umgeben von Eisenwaren, Schläuchen und Schimmel, und begann, mich mit meinen Vorfahren bekannt zu machen. In diesen Kisten fand ich einen Zeitungsausschnitt mit der Todesanzeige meines Urgroßvaters aus dem Jahr 1907, die Meldekarte meines Großonkels aus Schweden im Jahre 1883, eine Locke von Großmutters goldenem Haar, einen Umschlag mit fünf Generationen von Namen meiner Vorfahren auf der Rückseite, eine Menge unbeschrifteter Photos, einige Briefe in schwedisch aus der Zeit, als mein Großvater in den 1860er Jahren um meine Großmuttter warb.
Ich sprach ein tränenreiches Dankgebet in diesem dunklen, muffigen Keller, und ich wußte, daß ich nicht allein war, als ich dort betete.
In den folgenden Monaten untersuchte ich diese Schätze. Ich bohrte bei meiner Mutter nach allem, was sie über ihre Familie noch wußte. Sie half mir, die Bilder zu beschriften und Verwandtschaftslinien einzuordnen. Ich informierte mich über alte schwedische Bräuche. Ich untersuchte alte Landkarten der Gebiete, wo meine Vorfahren herkamen. Ich hörte schwedische Volksmusik, und ich lernte sogar ein wenig Schwedisch. Ich lernte, was für Leute meine Vorfahren wirklich waren. Gerda — die Mutter meiner Mutter, eine einfühlsame, fleißige und schöne Krankenschwester; Carl Johans — der Bahnhofsvorsteher mit dem fließenden Bart, der Rat gab und Streit schlichtete wie ein Rechtsanwalt; Maria Christina — die robuste, stämmige, ergebene Frau Carl Johans, die eine eifrige Leserin der Bibel war; Agnes Sigrid Alfreda, die sich freiwillig den ersten Versuchsimpfungen gegen Kinderlähmung unterzog und unglücklicherweise verkrüppelte, und mein lieber Ururgroßvater Anders, der 1880 schrieb: „Wenn der Herr mir die Gesundheit gewährt und ich Euch willkommen bin, werde ich zu Euch reisen mitsamt meiner Angelausrüstung und dem Material für Holzschuhe.” Ich liebte sie, als wären sie lebende Menschen; meine Eltern.
Die Ahnentafeln waren allerdings noch leer. Es war nun Zeit, die Daten und Orte, die ich hatte, für die stellvertretende Arbeit zu sichten. Streifen um Streifen von mikroverfilmten Geburtsurkunden zog an meinen Augen vorbei. Nach anderthalb Tagen mit falschen Angaben, falschen Landkreisen, falschen Städten, falschen Jahren und einer einsetzenden Übelkeit vor dem Mikrofilm-Lesegerät stieß ich auf einige vertraute Namen: „Gerda Regina, 22 Mars. 1880, far Carl Johan Nilsson, mor Maria Christina Andersdotter.” Ich hatte die Geburtsurkunde meiner Großmutter gefunden! Wieder sprach ich ein Dankgebet. Wieder wußte ich, daß ich nicht allein war.
Nach etlichen weiteren falschen Filmen und vielen Stunden Suchens hatte ich neue Namen gesammelt, um alle Namen zu überprüfen, die ich gesammelt hatte. Jetzt konnte ich die Anträge ausfüllen, sie prüfen lassen und sie nach Salt Lake City schicken, um Sie bearbeiten zu lassen.
Während ich weiter an der Erforschung meiner Vorfahren arbeite, fällt mir ein Ausspruch des amerikanischen Staatsmannes Daniel Webster (1782—1852) ein:
„Wenn wir unseren Vorfahren nahe sind, indem wir ihrem Beispiel folgen, ihren Charakter kennenlernen; indem wir an dem teilhaben, was sie bewegt hat, und ihren Geist in uns aufnehmen, sie bei ihren schweren Arbeiten begleiten, ihnen in ihrem Leiden Trost spenden und mit ihnen in ihren Erfolgen und Triumphen jauchzen, verbinden wir unsere Existenz mit ihrer, und wir scheinen zum gleichen Jahrhundert zu gehören. Wir werden ihre Zeitgenossen; leben das Leben, das sie gelebt haben, erleiden, was sie erlitten, und haben Teil am Lohn dessen sie sich erfreuten.”
Wie großartig ist es doch für uns als Mitglieder der Kirche, unsere Vorfahren an dem Lohn teilhaben zu lassen, dessen wir uns erfreuen, nämlich der siegelnden Vollmacht des Priestertums. Ich weiß von der Göttlichkeit des Geistes des Elia, und ich kenne und liebe meine Mütter und Väter. Ich spürte ihre Gegenwart, als ich weiß gekleidet und naß dastand und für sie im Tempel getauft wurde und ein würdiger Mann immer und immer wieder die Worte sprach: „Schwester Linda Kay Hoffman, stellvertretend für die verstorbene . . . , beauftragt von Jesus Christus, taufe ich dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.” Ich habe auf heilige Weise erfahren, daß einige die stellvertretende Arbeit angenommen haben. Meine Mütter und Väter waren weder berühmt noch königlich, aber nun sind sie für alle Ewigkeit mein, und ich gehöre zu ihnen.
Linda K Hoffmann, März 1977
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Gerechtigkeit-für-die-Verstorbenen

„Wenn ein Kind stirbt, bevor es die Jahre der Verantwortlichkeit erreicht hat, ist es erlöst und kommt in das celestiale Reich” (Joseph Smith).
Da der Allmächtige das gesamte Universum nach unveränderlichem Gesetz regiert, sollten alle Menschen anerkennen, daß auch der Mensch, die erhabenste all seiner Schöpfungen, diesem Gesetz unterworfen ist. Der Herr hat diese Wahrheit präzise und überzeugend in einer Offenbarung an die Kirche verkündet:
„Allen Reichen ist ein Gesetz gegeben.
Und es gibt viele Reiche, denn es gibt keinen Raum, worin kein Reich ist; auch gibt es kein Reich, weder ein großes noch ein kleines, worin kein Raum ist.
Jedem Reiche ist ein Gesetz gegeben; und jedes Gesetz hat auch gewisse Grenzen und Bedingungen.
Und es gibt viele Reiche, denn es gibt keinen Raum, worin kein Reich ist; auch gibt es kein Reich, weder ein großes noch ein kleines, worin kein Raum ist.
Jedem Reich ist ein Gesetz gegeben; und jedes Gesetz hat auch gewisse Grenzen und Bedingungen.
Alle Wesen, die nicht unter diesen Bedingungen bleiben, sind nicht gerechtfertigt (LuB 88:36-39).”
Diese Wahrheit spricht für sich. So ist es also nur vernünftig anzunehmen, daß das Reich Gottes durch Gesetze regiert wird und daß alle, die hineinzukommen wünschen, sich diesen Gesetzen unterwerfen müssen. „Siehe, mein Haus ist ein Haus der Ordnung, spricht Gott der Herr und nicht ein Haus der Verwirrung (LuB132:8).”
Der Herr hat dem Menschen ein Gesetzbuch gegeben, wir nennen es das Evangelium Jesu Christi. Die Menschen mögen zwar bezüglich dieser Gesetze verschiedener Meinung sein, da es ihnen an Inspiration und spiritueller Führung fehlt; man kann aber wohl kaum die Tatsache bestreiten, daß solche Gesetze existieren und daß alle, die Einlaß in jenes Reich begehren, ihnen unterworfen sind.
Die Grundsätze unserer Lehre sind 1. Glaube an Gott den Vater und an den Sohn und an den Heiligen Geist, 2. aufrichtige Umkehr für alle Sünder, 3. Taufe durch Untertauchen zur Vergebung der Sünden, 4. das Auflegen der Hände um den Heiligen Geistes zu spenden. Niemand kann das Reich Gottes betreten, ohne zunächst all diese Forderungen erfüllt zu haben. Dies meinte der Herr im Grunde genommen, als er zu Nikodemus sagte: „Es sei denn, daß jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen (Joh 3:.5).”
Jeder, der sich zum Glauben an den Heiland bekennt, muß hinnehmen, daß diese Verordnung wahr und endgültig ist. In den vergangenen Jahrhunderten jedoch — und sogar jetzt noch in vielen sogenannten christlichen Gemeinschaften — hat eine falsche Auslegung dieser Lehre zu ernsthaften Irrtümern und unbewußt auch zu schwerwiegenden Sünden geführt. Ich denke an die Lehre, die besagt, daß alle, die sich während des Erdenlebens nicht zum Glauben an den Herrn bekannt haben oder nicht von ihm gehört hatten, bevor der Tod sie von der Erde nahm, für immer verdammt seien und den Qualen der Hölle nicht entrinnen könnten. Diese falsche Vorstellung und Auslegung des Evangeliums besteht schon seit den frühesten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung im sogenannten Christentum, ist aber niemals Bestandteil des Evangeliums Jesu Christi gewesen.
In der „Göttlichen Komödie” beschreibt Dante die Lehre von der Verdammnis unglücklicher Seelen, die ohne ein Wissen von Christus sterben, so wie es im 13. Jahrhundert gelehrt wurde. Der Erzählung nach verirrt sich Dante in den Wäldern und trifft dort den römischen Dichter Vergil. Dieser verspricht, ihm die Höllenstrafen und das Fegefeuer zu zeigen und später auch einen Blick ins Paradies zu gewähren. Er folgt Vergil durch die Hölle und geht dann mit ihm in den Limbus, die Vorhölle. Hier sind die Seelen derer eingesperrt, die zwar tugendhaft und würdig lebten, aber doch Strafe verdienen, weil sie nicht getauft wurden. Sie sind für immer von den Segnungen der Erlösung ausgeschlossen. Als Dante diese bemitleidenswerten Seelen im oberen Teil der Hölle betrachtet und, wie es in der Erzählung heißt: die „vielen Kinder und Frauen und Männer” sieht, wundert er sich.
Sein Führer fragt ihn:
„Du frägst mich nicht, wer diese Vielen sind, die du hier siehst?”
Dante bekundet seinen Wunsch, es zu erfahren, und so fährt der Führer fort: „Noch eh du weiter gehst, sollst du es wissen: Daß sie nicht sündigten, genügte nicht zu ihrem Heil; die Taufe fehlte ihnen, des Glaubens Teil, der auch der deine ist. Denn da sie vor dem Christentum lebten, vermochten sie Gott würdig nicht zu ehren, deshalb gehör auch ich zu diesen Scharen: Aus diesem Grund allein sind wir verloren, nicht aus der Schuld, doch ist es unser Leiden, daß hoffnungslos an Sehnsucht wir verschmachten.”
Die ernsthafte Frage seines sterblichen Gastes, der zu wissen wünscht, ob jemand, der so bestraft wurde, jemals die Möglichkeit habe, diesem traurigen Zustand der Qual zu entrinnen, diese Frage beantwortet der Geist des Dichters damit, daß die Rechtschaffenen, die von Gott wußten — von der Zeit unserer Stammeltern bis hin zur Zeit Christi — erhöht worden seien; aber von den Unglücklichen, die niemals von Christus gehört haben, sagt er: „Und wissen sollst du, daß vor diesen Großen kein einziger gerettet worden war.”
Dante war allerdings nicht der Urheber dieser unglückseligen und falschen Lehre. Sie stammt vielmehr aus den ersten Tagen des Abfalls von der wahren Lehre Jesu Christi.
Der Historiker Motley berichtet in dem Werk „Aufstieg der niederländischen Republik” von dem folgenden Ereignis, das sich zutrug, als das Christentum in Westeuropa eingeführt wurde. Radbod, ein friesischer Häuptling, war offensichtlich bekehrt worden und wollte sich taufen lassen. An jenem Tage ging man dann auch hinunter ins Wasser und ließ sich untertauchen. Während er so im Wasser stand und darauf wartete daß die heilige Handlung vollzogen würde, wandte sich Radbod an den Priester Wolfram und sagte: „Wo sind in diesem Augenblick meine verstorbenen Vorfahren?” Der Priester legte mehr Eifer als Weisheit an den Tag und antwortete: „In der Hölle mit all den andern Ungläubigen zusammen.” „Gut, wenn das so ist”, antwortete der heidnische Häuptling und verließ zornig das Wasser, „will ich lieber mit meinen Vorfahren in den Hallen Wotans Feste feiern als mit deiner kleinen Schar christlicher Hungerleider im Himmel wohnen.” Welche Antwort hätten Sie unter ähnlichen Umständen gegeben?
Welch eine Schande, daß diese selbe schreckliche Lehre immer noch aus jenen fernen Tagen geistiger Dunkelheit herübertönt und seitdem immer wieder schrecklich und qualvoll ernsthaften Seelen in den Ohren klingt, die sich um die Erlösung lieber Menschen, die ihnen vorangegangen sind, Sorgen machen. Ich kann mich noch gut an die Pein einer innig liebenden Mutter erinnern, der von einem wohlmeinenden, aber irregeleiteten Priester gesagt wurde, ihr totes Kind sei auf ewig verloren, weil es nicht getauft worden sei.
Ich hatte diese Mutter einmal besucht, und sie erzählte mir die folgende Geschichte. Vor mehreren Jahren hatte sie ein kleines Kind verloren. Es war nicht zum Besprengen zum Geistlichen gebracht worden und in diesem Zustand gestorben. Die Eltern suchten den Geistlichen auf und baten ihn um ein christliches Begräbnis für ihr Kindchen. Diese demütige Bitte wurde jedoch feierlich, aber nichtsdestoweniger brutal abgeschlagen. Den Eltern wurde mitgeteilt, ihr Kind sei für immer verloren. Mit gebrochenem Herzen vergruben sie ihr Kindchen wie einen Ausgestoßenen ohne die heiligen Handlungen jener Kirche und ohne ein „christliches Begräbnis”. Was haben diese liebenden Eltern gelitten! Wie sehr waren sie doch innerlich zerrissen!
Mehrere Jahre lang litt diese Mutter im Glauben an die Lehren jenes Priesters unter den bittersten Seelenqualen. Sie wußte, es lag nicht an ihrem Kind, daß es nicht getauft worden war. Es war von jeglicher Schuld frei. War nicht sie selbst an allem schuld? Und wegen dieser falschen Lehre fragte sie sich, ob nicht sie für die ewigen Qualen dieses Kindes verantwortlich sei. Es war ihr zumute wie einem bußfertigen Mörder, der das Leben, das er genommen hatte, nicht zurückgeben konnte; in diesem Seelenschmerz litt sie die Qual der Verdammten.
Es war ein glücklicher Tag für diese betrübte Mutter, als ich sie besuchte. Ich habe noch deutlich die Freude vor Augen, die ihr gequältes Gesicht ausstrahlte, als ich ihr erklärte, daß diese Lehre falsch sei, so falsch wie die Tiefen der Hölle, aus der sie stamme. Ich teilte ihr mit, daß dies nicht die Lehre Jesu Christi sei, der kleine Kinder liebte und erklärte, daß ihr Platz im Himmelreich sei. Ich las ihr aus dem Buch Mormon und die Worte Mormons an seinen Sohn Moroni vor und erklärte ihr, was der Herr Joseph Smith offenbart hatte, nämlich: „Wenn ein Kind stirbt, bevor es die Jahre Verantwortlichkeit erreicht hat” — d. h. 8 Jahre ist — „ist es erlöst und kommt in das celesti Reich des Himmels10.” Ja, der Herr hat in die glorreichen Zeit der Wiederherstellung verkünde
„Alle, die gestorben sind, ohne das Evangelium kennengelernt zu haben, es aber angenommen hätten, wenn sie bis dahin hätten leben dürfen, werden Erben des celestialen Reiches Gott ebenso werden alle, die fortan sterben, ohne davon zu wissen, es aber von ganzem Herzen angenommen hätten, Erben jenes Reiches werden, denn i der Herr, werde alle Menschen nach ihren Taten u nach den Wünschen ihres Herzens richten".”
Das Evangelium Jesu Christi ist das Evangelium der Barmherzigkeit. Es ist auch das Evangelium der Gerechtigkeit. Das muß so sein, denn kommt von einem Gott der Barmherzigkeit, nicht von einem grausamen Ungeheuer, wie einige religiöse Eiferer immer noch glauben und fälschlich verkünden:
„Nach dem Ratschluß Gottes zur Offenbarung seiner Herrlichkeit sind einige Menschen und Engel zu ewigem Leben und andere zu ewigem Tode vorherbestimmt. Diese Engel und Menschen, auf diese Weise vorherbestimmt, sind genau zu diesem Zwecke und unwiderruflich ausersehen; und auch ihre Zahl steht so unveränderlich fest, dass sie weder vergrößert noch vermindert werden kann.”
Ist es nicht schrecklich, darüber nachzudenken, daß hier eine Evangeliumswahrheit solange verkehrt und entweiht wurde, bis eine solche Schändlichkeit daraus wurde? Gerechtigkeit wie auch Barmherzigkeit sprechen für die Verstorbenen, die ohne Kenntnis des Evangeliums gestorben sind Wo bliebe denn die Gerechtigkeit, wenn all die ungezählten Scharen, die ohne Kenntnis von Jesus Christus gestorben sind, hoffnungslos und für immer in die Hölle verdammt würden, auch wenn sie nur die Qualen der Vorhölle zu ertragen hätten?
Die Schrift sagt: „Gerechtigkeit und Gericht sind deines Thrones Stütze, Gnade und Treue gehen vor dir einher (Ps 89:15).”
Die Gnade und Liebe eines gerechten Gottes umfaßt alle seine Kinder. Bei der Wiederherstellung des Evangeliums durch den Propheten Joseph Smith verkündigte der Herr aufs neue die Erlösung für die Verstorbenen; er hat erklärt:
„Laßt eure Herzen frohlocken und überaus fröhlich sein! Die Erde breche aus in Gesängen! Laßt die Toten ihre Hymnen zum ewigen Preise des Königs Immanuel darbringen, der, ehe die Welt war, das vorherbestimmte, was uns befähigt, sie aus dem Gefängnis zu befreien, denn die Gefangenen sollen frei werden
Joseph Fielding Smith, Oktober 1972
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Dreihundert-Pergamentrollen

„Laßt die Toten ewige Lobeshymnen auf den König Immanuel anstimmen, der … das verordnet hat, was uns befähigt, sie aus ihrem Gefängnis zu erlösen.” (LuB 128:22,)

Ich war in Barcelona gewesen, um die Angaben durchzusehen, die ein Vorfahr meines Mannes aus dem 18. Jahrhundert gesammelt hatte. Mein Mann ist übrigens kein Mitglied. Ich hatte fast zweihundert Namen zusammen, die hauptsächlich aus Tagebüchern in Katalanisch, meiner Muttersprache, stammten. Ich wußte, daß die Familie meines Mannes darüber hinaus noch ungefähr dreihundert Pergamentrollen mit genealogischen Angaben besaß, die aus dem fünfzehnten Jahrhundert stammten und alle in lateinischer Sprache verfaßt waren.
Aus familiären Gründen konnte ich nur sehr kurz bleiben, um das lateinische Material durchzusehen, aber ich konnte die Schrift nicht entziffern. Ich hatte auch kein Geld, um Fotokopien zu machen, und deshalb und wegen der kurz bemessenen Zeit sprach ich mit einer Freundin darüber, daß ich mir Sorgen um die Seele der Betreffenden machte, die nun noch länger darauf warten müßten, daß die Arbeit für sie getan werde.
Meine Freundin schlug vor, ich solle mir einen Priestertumssegen geben lassen. Das tat ich auch, nachdem ich vorher gefastet hat, und ich spürte, wie mir der Segen geistig Kraft gab. Aber die gewaltige Aufgabe machte mir noch immer Angst, und deshalb legte ich. die Schriftrollen noch eine Weile beiseite.
Schließlich, als ich nur noch eine Woche Zeit für die Übersetzung hatte, kniete ich nieder und flehte um Hilfe. Wenn es der Wille des Herrn sei, so betete ich, dann solle er es mir doch ermöglichen, ein Werkzeug in seiner Hand zu sein und mitzuhelfen, diese Menschen aus dem Gefängnis wurde es einfacher; ich las immer schneller, Irgendwie fand ich auch die Abgeschiedenheit, die ich brauchte, und obwohl ich fast jede Nacht durcharbeitete und nur wenig schlief, war ich nicht müde. Mir war, als spürte ich die Gegenwart derjenigen, für die ich arbeitete, und das gab mir den geistigen Ansporn, den ich so dringend brauchte.
Ich stellte fest, daß Ratten im Laufe der Jahrhunderte an den Rollen genagt und einige Angaben weggefressen hatten. Aber fast immer fand ich fehlende Angaben an einer anderen Stelle der Dokumente. Wenn ich vergessen hatte, etwas aufzuschreiben, spürte ich, daß ich die Pergamentrolle noch einmal lesen mußte. Wenn ich sie entrollte, sprang mir die fehlende Angabe direkt in die Augen. Immer wenn die Übersetzung schwierig wurde, betete ich aufrichtig um Hilfe, und diese Hilfe wurde mir auch jedesmal zuteil.

Ich beendete die Übersetzung innerhalb von vier Tagen, kurz vor meiner Abreise. Die Angaben, die ich zusammengetragen hatte, reichten bis ins Jahr 1212 zurück. Ich hatte keine Engel und keine Vision gesehen, aber ich hatte trotzdem jeden Tag ein Wunder erlebt – ein Wunder, das so natürlich war wie der Sonnenaufgang.
Ich werde dein himmlischen Vater immer dankbar dafür sein, daß er mir geholfen hat. Jetzt ist mein Zeugnis, daß der Geist des Elija in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zu finden ist, fester denn je, und dieser Geist ermöglicht es uns, die Toten aus ihrem Gefängnis zu erlösen. Ich weiß. daß die Gefangenen durch diesen Geist freigelassen werden (siehe LuB 128:22,).
Mariona Washburn,, November 1990
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Ein-Schatz-aus-China

Zuerst erfuhr ich von dem Schatz an einem wunderschönen australischen Morgen im Oktober 1992. Mein Ehemann, der kein Mitglied der Kirche ist, erwachte und beschrieb mir einen bemerkenswerten Traum. Er sagte, in diesem Traum habe ihn jemand aus meiner Familie gebeten, mir die Erlaubnis zu geben, in die Volksrepublik China zu fahren und die genealogischen Aufzeichnungen meiner Familie zu holen.
Ich fragte meinen Mann, was er darauf geantwortet habe. Er meinte, er wolle nicht dafür verantwortlich gemacht werden, daß er mich nicht habe gehen lassen.
Ich war verblüfft. Ich selbst hatte bereits mit dem Gedanken gespielt, in einigen Monaten nach Hongkong zur Hochzeit meiner Tochter zu fahren. Nach der Hochzeit hätte ich dann in das Dorf auf dem chinesischen Festland reisen können, in dem meine Vorfahren gelebt hatten und wo unsere Aufzeichnungen aufbewahrt sind. Wegen meines Mannes Traum beschloß ich, die Reise zu machen.
Einerseits war ich begeistert, andererseits hatte ich aber auch ein wenig Angst, allein nach China zu fahren. Hier sorgte der Herr für eine Lösung. Mein Schwiegersohn wollte auch nach Hongkong gehen, und er bot an, mich nach China zu begleiten.
Am 16. Dezember 1992 bestiegen wir den Zug von Hongkong nach Guangzhou, China. Von Guangzhou aus nahmen wir einen anderen Zug nach Maomeng; dieser Teil der Reise dauerte elf Stunden. Von Maomeng aus fuhren wir mit einem Motorrad mit Beiwagen, bis wir drei Stunden später in dem Dorf ankamen. Bei unserer Ankunft war mein Onkel sehr überrascht, denn er hatte den Brief, der unsere Ankunft ankündigte, erst am Abend zuvor erhalten. Ich erkannte meinen Onkel sofort, denn er sah genau wie mein Vater aus. Nachdem wir uns alle bekanntgemacht hatten, fragte ich nach den Aufzeichnungen.
Mein Onkel brachte sieben Bände, und mit Hilfe der darin enthaltenen Daten konnte meine Familie fast siebenhundert Jahre weit zurückverfolgt werden. Zu jedem einzelnen Vorfahren waren nicht nur das Geburts- und das Sterbedatum angegeben, sondern auch noch ein Teil der persönlichen Geschichte. Ich war begeistert.
Jedoch stand ich vor einem großen Problem. Das Dorf war so abseits, daß es kein fließendes Wasser gab, geschweige denn einen Fotokopierer. Die Berichte per Hand zu kopieren, würde Monate beanspruchen. Als ich meine Sorge äußerte, lächelte mein Onkel. Er sagte, er besitze eine zusätzliche Kopie, die ich mitnehmen dürfte. Mein Schwiegersohn und ich schauten uns verwundert an. Diese Leute sind nicht reich, und die Anfertigung dieser zusätzlichen Kopie muß viel Geld gekostet haben.
Daß ich keine genealogische Arbeit für meine Familie tat, hatte ich jahrelang damit entschuldigt, daß mir die Aufzeichnungen fehlten. Von jetzt an gab es keine Entschuldigung mehr. Dieses Erlebnis hat mich davon überzeugt, daß viele meiner Vorfahren das Evangelium in der Geisterwelt angenommen haben, und daß aus diesem Grund der Weg für mich geöffnet wurde, in den Besitz der Aufzeichnungen zu gelangen — in der Tat ein Schatz von unermeßlichem Wert.
Jenny Shaylor, April 1994
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Die-Macht-des-Elia

Das Alte Testament berichtet von vielen großen Propheten. Der letzte Prophet im alten Israel, der alle göttliche Vollmacht besaß, war Elia der Thisbiter'. Eine Hungersnot kam ins Land, als Elia auf Gottes Geheiß die Himmel verschloß, so daß es nicht mehr regnete. Während dieser Hungersnot wurde er am Bach Krith, der in den Jordan fließt, auf wunderbare Weise von Raben mit Nahrung versorgt.
Dann sandte Gott ihn in die Stadt Zarpath und sagte ihm, er habe dort einer Witwe geboten, ihn zu versorgen. Elia traf die Witwe vor der Stadt und bat sie, ihm etwas zu essen zu geben.
„Sie sprach: So wahr der Herr, dein Gott, lebt: ich habe nichts Gebackenes, nur eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Und siehe, ich hab ein Scheit Holz oder zwei aufgelesen und gehe heim und will mir und meinem Sohn zurichten, daß wir essen — und sterben".”
Elia verhieß ihr dann im Namen des Herrn, daß es ihr niemals an Nahrung mangeln würde, wenn sie ihm zu essen gäbe. Ich habe oft über den Glauben dieser Frau nachgedacht, die auf die Verheißung eines einfachen Dieners Gottes hin ihr Leben und das ihres Sohnes in die Waagschale warf. Gehorsam bereitete sie etwas Gebackenes zu und brachte es Elia, und dann geschah das Wunder, wie der Prophet es verheißen hatte: „Das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt, und dem Ölkrug mangelte nichts nach dem Wort des Herrn, das er durch Elia geredet hatte.”
Wenn die Macht des Elia schon in zeitlichen Angelegenheiten so bedeutsam ist, wie groß muß dann erst seine spirituelle Macht sein. Bekanntlich war das, was er auf Erden band oder siegelte, auch im Himmel gebunden, und das, was er auf Erden löste, auch im Himmel los:
Zu seiner Zeit band er wegen der Gottlosigkeit der Menschen die Himmel, so daß es nicht regnete. Und es fiel so lange kein Regen, bis er dem Volk die Ohnmacht und Unfähigkeit der 450 Baalspriester gezeigt hatte. Nachdem sie vernichtet waren und das Volk sich gedemütigt hatte, öffnete Elia durch die Macht Gottes die Himmel, so daß es wieder regnete und die Hungersnot ein Ende nahm. Diese siegelnde Macht ist ein charakteristisches Merkmal der Propheten Gottes, die alle göttliche Vollmacht besitzen.
Jesus verhieß Petrus, daß er diese siegelnde Macht besitzen würde: „Ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben, und alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein.”
Petrus empfing diese Macht jedoch erst eine Woche später, als Jesus mit ihm, Jakobus und Johannes auf einen hohen Berg ging. Dort wurden sie verklärt, und Mose und Elia erschienen ihnen und übertrugen ihnen auf Weisung Jesu Christi alle göttliche Priestertumsvollmacht. Elia, der als letzter Prophet des Alten Testaments diese siegelnde Vollmacht besessen hatte, übertrug sie auf die Propheten des Neuen Testaments. Im Priestertum herrscht eine feste Ordnung, und die Schlüsselgewalt wird auf die Weise des Herrn und auf sein Geheiß hin übertragen. Nachdem diese Vollmacht wiederhergestellt war, konnte sie — der Schrift zufolge — auf alle Apostel übertragen werden. Jesus sprach zu den Zwölfen: „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los sein."
Es herrscht beträchtliche Verwirrung über die Macht des Elias und die Macht des Elia. Es hat einen Propheten namens Elias gegeben, der uns wohl besser als Noah bekannt ist. Das Amt des Elias ist das eines Wegbereiters oder Vorläufers. Wer mit dieser Macht ausgestattet ist, bereitet den Weg für Größeres vor. Propheten, die diese Macht besitzen, tragen den Titel Elias.
Als die Zwölf hörten, daß Mose und Elia erschienen waren, baten sie Jesus um eine Erklärung; denn sie hatten die Schrift so verstanden, daß zuerst Elia (Elias) kommen müsse. Jesus sagte ihnen, dies sei richtig. Dann erklärte er ihnen, daß Johannes der Täufer dieser Elias gewesen sei, der ihm den Weg bereiten sollte, aber das Volk habe ihn nicht als solchen erkannt. Auf diesen Vorläufer folgt Elia mit der Vollmacht, die siegelnde Macht des Melchisedekischen Priestertums auf das Haus Israel zu übertragen. Darauf folgt der Messias, der Gesalbte, der Erlöser, der alle Macht in sich vereint.
So ist es auch in unserer Zeit gewesen. Johannes der Täufer erschien als Elias und stellte die Vollmacht des Aaronischen Priestertums wieder her. Er bereitete damit den Weg für die Wiederherstellung des Priestertums vor. Dann erschienen Petrus, Jakobus und Johannes und stellten das höhere oder Melchisedekische Priestertum wieder her. Unsere Zeit aber ist die letzte Zeit, die Zeit der Erfüllung, von der Petrus gesprochen hat. Deshalb muß in dieser Zeit „alles wiedergebracht (werden), wovon Gott geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten von Anbeginn”.
Ehe Christus in Macht und Herrlichkeit erscheint, muß daher alles vorbereitet und wiederhergestellt werden — auch die siegelnde Macht des Elia.
So muß also die Prophezeiung Maleachis erfüllt werden. Ich zitiere diese Verheißung, wie Moroni sie wiedergegeben hat, als er zu Beginn dieser Evangeliumszeit gesandt worden ist, um Joseph Smith zu belehren.
„Siehe, ich will dir das Priestertum offenbaren durch den Propheten Elia, ehe der große und schreckliche Tag des Herrn kommt.
Und er wird in die Herzen der Kinder die den Vätern gegebenen Verheißungen pflanzen, und die Herzen der Kinder sollen sich zu ihren Vätern kehren.
Wäre dem nicht so, dann würde bei seiner Wiederkunft die ganze Erde völlig verwüstet werden.”
Diese Schriftstelle ist so bedeutsam, daß sie meines Wissens die einzige ist, die in allen vier Standardwerken beinah wörtlich wiedergegeben wird. Der Prophet Elia ist — der Verheißung gemäß — gekommen und hat die siegelnde Vollmacht wiedergebracht. Diese Schlüsselgewalt wurde ebenso wie auf dem Berg der Verklärung in vollkommener Ordnung wiederhergestellt. Jeder Prophet, der eine besondere Priestertumsvollmacht besessen hatte, erschien und übertrug sie auf den Propheten Joseph Smith. Mose erschien, Elias kam. Dann erschien Elia und sprach:
„Sehet, die Zeit ist völlig da, von der Maleachi gesprochen, der bezeugte, ehe der große und schreckliche Tag des Herrn komme, werde er, Elia, gesandt werden, um die Herzen der Väter zu den Kindern zu bekehren, und die Kinder zu den Vätern, damit nicht das ganze Erdreich mit einem Fluche geschlagen werde.
Deshalb sind die Schlüssel dieser Evangeliumszeit in eure Hände gelegt worden, und hierdurch könnt ihr wissen, daß der große und schreckliche Tag des Herrn nahe ist, ja vor der Türe steht.”
Somit ist die Prophezeiung erfüllt und alle frühere Priestertumsvollmacht auf Erden wiederhergestellt. Es sind Tempel errichtet worden, in denen alle, die würdig sind und sich durch Glauben und einen rechtschaffenen Lebenswandel darauf vorbereiten, die heiligen Handlungen des Priestertums empfangen können. Wir haben die Vollmacht erhalten, vor der Wiederkunft des Heilands ein großes Werk zu vollbringen. Wir sollen die Familien in patriarchalischer Ordnung miteinander verbinden, damit wir — sofern wir würdig sind — dereinst als Kinder Gottes mit einem auferstandenen Körper aus Fleisch und Bein im celestialen Reich in der Gegenwart Gottes, des ewigen Vaters, leben können.
Kraft dieser Priestertumsvollmacht, die wieder auf Propheten Gottes übertragen worden ist, können wir uns auf Erden als Familie aneinander siegeln lassen, und diese Siegelung ist auch im Himmel gültig. Als bevollmächtigte Jünger Jesu Christi können wir somit nicht nur uns und unsere Familie erlösen, sondern auch unsere Vorfahren. Wir brauchen nur zu glauben und der Verheißung zu folgen, wie es die Witwe aus Zarpath getan hat. Sie gab ihre letzte Nahrung zum Zeichen ihres Glaubens an Gott. Sicherlich können wir, die wir so reich gesegnet sind, einen Teil unserer Zeit und unserer Mittel zur Verfügung stellen, um auf Weisung neuzeitlicher Propheten, die mit derselben Priestertumsvollmacht ausgestattet sind wie Elia der Thisbiter, dieses spirituelle Werk für die Lebenden und die Verstorbenen zu tun. Präsident Kimball hat diese siegelnde Vollmacht: Was er auf Erden bindet, ist auch im Himmel gebunden. Er ist ein wahrer Prophet Gottes. Ich bezeuge es im Namen Jesu Christi. Amen.
Theodore M. Burton, Januar 1975
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Denen,-die-warten

Segnungen und Inspiration sind der Lohn für genealogische Arbeit

Wir finden in diesem Leben wohl kaum reicheren spirituellen Lohn als in der genealogischen Arbeit, ganz besonders dann, wenn wir durch Glauben, Beten und Fasten direkte und deutlich erkennbare Hilfe von denen erhalten, die hinter dem Vorhang darauf warten, daß die erlösenden heiligen Handlungen stellvertretend für sie vollzogen werden.

Sie sind heute in ihrer Welt ebenso wirklich und lebendig wie zu der Zeit, als sie noch einen irdischen Körper gehabt und auf der Erde gelebt haben. Sie wissen, wo und wann sie geboren sind, gelebt haben und gestorben sind. Sie kennen die Namen ihrer Eltern und aller Familienangehörigen.

Die Chroniken über die genealogische Arbeit der Heiligen der Letzten Tage enthalten zahlreiche Berichte darüber, wie diese Verstorbenen ihren lebenden Nachkommen beistehen, die bemüht sind, ihnen zu helfen.

*Gertrude Todd, eine erfahrene Genealogin, forschte jahrelang vergeblich nach der Familie des Großvaters ihres Mannes. Der Großvater hieß Abraham Todd, und man wußte nicht mehr von ihm als die Namen seiner Eltern und daß er 1850 in Forncett in der Grafschaft Norfolk in England geboren wurde.

Schwester Todd schrieb zahllose Briefe an alle möglichen Stellen und Leute, die möglicherweise einen kleinen Hinweis geben konnten. Sie durchforschte tagelang die Urkunden in der genealogischen Bibliothek. Ein innerer Zwang, den sie nicht übergehen konnte, trieb sie an, weiterzusuchen.

Eines Morgens schließlich legte sie alle Briefe und Urkunden auf den Tisch, kniete nieder und bat den Herrn um Hilfe. Sie hatte schon oft um Hilfe gebeten und gefastet. Als sie sich wieder erhob, sah sie voll Verwunderung und Freude auf dem obersten Blatt in schwarzen altenglischen Buchstaben das Wort Methodist stehen.

Unverzüglich schrieb sie einen weiteren Brief. und zwar an den Superintendenten der Methodistenkirche in Forncett.

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Gleichzeitig erhielt sie noch einen zweiten Brief. Er kam von einem älteren, im Ruhestand lebenden Pfarrer, mit dem sich der Superintendent in Verbindung gesetzt hatte. Dieser Pfarrer war ein Neffe Abraham Todds. Seine Mutter war die Schwester Abraham Todds gewesen.

Können Sie sich vorstellen, wie froh und dankbar Schwester Todd gewesen ist, als sie nun die so dringend benötigten Daten auf brieflichem Wege zusammentragen konnte? Doch ihre Freude und Zufriedenheit währten nicht lange. Irgend etwas stimmte nicht. Sie hatte das sichere Gefühl, daß noch ein Mitglied der Familie fehlte; und wieder spürte sie den inneren Zwang weiterzuforschen.

Anhand der vorhandenen Hinweise suchte sie also weiter, bis der fehlende Name gefunden war. Es war ein kleines Mädchen namens Susan, das selbst dem Neffen unbekannt war. Der Name war weder in den Familienurkunden, noch in amtlichen Urkunden, noch im Kirchenregister verzeichnet; man entdeckte ihn jedoch im Volkszählungsbericht einer anderen Stadt, wo die Familie Todd kurze Zeit gelebt hatte.

Die Familie wurde aneinander gesiegelt, und Schwester Todd verspürte eine tiefe innere Zufriedenheit. Seltsamerweise verblaßte der Schriftzug Methodist nach und nach, doch nicht eher, als bis man ihn mit den Familienurkunden aus Forncett verglichen und völlige Übereinstimmung mit einigen darin enthaltenen Schriftzügen festgestellt hatte.


*Lida Prince ist es ähnlich ergangen. Sie hatte ihrem sterbenden Onkel versprochen, daß sie die genealogische Arbeit für die Familie Lee durchführen wolle. Sie bat ihn jedoch darum, daß er hinter dem Schleier die betreffenden Vorfahren ausfindig und ihre Hilfe erbitten solle.

Ihr Vetter, Harold B. Lee, damals ein Mitglied des Rates der Zwölf, hatte ihr außerdem in einem Segen verheißen, daß sie von jenseits des Grabes Hilfe erhalten würde, wenn es nötig sei.

Lange Zeit forschte sie vergeblich nach der Linie ihrer Großmutter Jane Vail Johnson. Schließlich betete und fastete sie, um die Hilfe zu erhalten, die ihr verheißen worden war. Ihre Gebete wurden auf wunderbare Weise beantwortet. In der Nacht erschien ihr ein schwarz gekleideter junger Mann. Er stand am Fußende ihres Bettes. Das Licht im Zimmer brannte, und sie war noch wach. Sie schrieb alles auf, was sie sah und hörte.

Der junge Mann zeigte ihr ein Buch mit dem Titel Mahlon Johnson Family — Ancestors and Descendants (Vorfahren und Nachkommen der Familie Mahlon Johnson). Auf der Innenseite des Buchdeckels stand: Littletown, N.J. 1775 – 1857. Der unbekannte Bote sagte ihr: „Dieses Buch enthält Großmutters Daten.”

Die genealogische Bibliothek besaß dieses Buch nicht, jedoch die Bibliothek des Kongresses. Dort sagte man ihr auch, wo sie es bekommen könne. Ihr Sohn besorgte ein Exemplar des Buches. Es enthielt ein Literaturverzeichnis, in dem besonders auf das Buch Fits Randolph Traditions hingewiesen wurde. Schwester Prince beschaffte sich auch dieses Buch; und anhand dieser beiden Bücher stellte sie über 500 Familiengruppenbogen zusammen. Außerdem konnte sie die direkte Linie über 26 Generationen zurückverfolgen.


*Henry Christiansen, leitender Mitarbeiter der Genealogischen Gesellschaft und anerkannter Genealoge, durchforschte die Regale der Bibliothek im Auftrag eines Klienten, dessen Vorfahren angeblich zu den „New Yorker Holländern” gehört hatten. Er hatte schon alle bekannten Quellen über diese Siedler durchforscht, ohne jedoch irgendeinen Anhaltspunkt zu finden.

Unschlüssig, wohin er sich wenden sollte, ließ er den Blick über die Buchtitel schweifen. Plötzlich fiel sein Blick auf ein Buch über holländische Siedler in Pennsylvanien. Der umfangreiche Band mit über 500 kleingedruckten Seiten hatte kein Inhaltsverzeichnis und enthielt auch sonst keinerlei Hinweise, die das Auffinden eines speziellen Gegenstandes erleichtert hätten. So stellte er das Buch wieder zurück und ging weiter.

Als er jedoch ein zweites Mal die Reihen entlangging, fiel sein Blick wieder auf dasselbe Buch, und er fühlte den starken Drang, noch einmal hineinzuschauen. Er blieb stehen und griff beinah unbewußt danach. Als er es herauszog, rutschte es ihm aus der Hand. Instinktiv wollte er es festhalten, damit es nicht auf den Boden fiel, und gab ihm einen Stoß, so daß es auf einem kleinen Tisch landete. Dabei öffnete es sich, und seine Hand lag nun quer über den aufgeschlagenen Seiten. Beim Hinschauen erkannte er, daß sein Zeigefinger genau auf den Namen des Mannes wies, den er suchte.

*Schwester Maureen Wahlquist hatte mit ihrem Mann schon mehrmals den Kreis Chickasaw in Mississippi aufgesucht, wo ihre Vorfahren gelebt hatten. Ihre Forschungsreisen waren stets von Gebeten begleitet und niemals vergeblich gewesen. Doch als sie 1969 erneut aufbrachen, um in diesem Kreis Ahnenforschung zu betreiben, knüpften sie ganz bestimmte Erwartungen daran.

Schwester Wahlquists Vater, der in Memphis lebte, begleitete sie; denn die Suche galt dem Großvater seiner Frau.

Sie erhielten die Erlaubnis, im Kreisgericht in Houston die Testamentsurkunden durchzusehen, doch fand sich im Testamentsregister keine Eintragung unter dem gesuchten Familiennamen. Sie konnten anscheinend nichts weiter tun, als aufs Geratewohl weiterzusuchen, obwohl nur geringe Aussicht auf Erfolg bestand. Schwester Wahlquists Vater blätterte wahllos in einigen Akten und zog dann mit einem eigens dafür vorgesehenen Haken einen Ordner aus der obersten Reihe — in 2,70 m Höhe — heraus.

Dabei fielen einige lose Papiere zu Boden. Zu ihrer großen Freude stellten sie fest, daß eine Landübertragungsurkunde darunter war, die den Namen des gesuchten Urgroßvaters enthielt. Ihre freudige Erregung legte sich jedoch bald, als sie unter den Dokumenten nichts weiter fanden, was für sie von Interesse war.

Als Bruder Wahlquist den Ordner an seinen Platz zurückstellen wollte, ließ dieser sich nicht ganz hineinschieben. Irgend etwas hatte sich dahinter verklemmt, er holte eine Leiter, stieg hinauf, faßte hinter den Ordner und zog ein weiteres Papier hervor. Es war das Testament von Schwester Wahlquists Urgroßvater, und es enthielt die Namen seiner Frau und seiner neun Kinder und weitere Angaben, anhand deren sie noch eine weitere Generation fanden.

Hoyt Palmer, Januar 1975

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Hindernisse,-Glaube-und-Wunder

In den vergangenen Jahren war der Feind „Angst” mit dem damit verbundenen Gefühl der Unzulänglichkeit eines der großen Hindernisse für diejenigen, die angefangen haben, sich mit Genealogie zu befassen. Unsere verstorbenen Vorfahren ausfindig zu machen und sicherzustellen, daß die heiligen Handlungen der Erhöhung für sie vollzogen werden, ist ein Auftrag, den wir vom himmlischen Vater und seinem geliebten Sohn erhalten haben. Sie lassen uns damit nicht allein, sondern erhören unsere Gebete und bereiten uns — manchmal auf außergewöhnliche Weise — den Weg.

 
Vor einigen Jahren erschien eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuter in den Tageszeitungen, die davon berichtete, wie ein Amerikaner, der seine schon lange aus den Augen verlorenen Verwandten in Großbritannien ausfindig machen wollte, für den Preis eines Luftpostbriefes nach London fündig wurde. Mike Archdale, 25 Jahre alt, aus Miles City in Montana wußte nur, daß sein Großvater Lionel Dawson Archdale gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts aus Nordirland in die Vereinigten Staaten ausgewandert war. Also schrieb Mike Archdale an die einzige Adresse, die er in London kannte: die des britischen Fremdenverkehrsamts – und bat um Auskunft darüber, wie er nach seinen Verwandten suchen konnte.
Sein Brief wurde vom Pressechef des Fremdenverkehrsamts geöffnet – er hieß Gilbert Archdale. Gilben Archdale forschte ein wenig nach und antwortete Mike dann: „Hallo. Ich bin Ihr Cousin!”
So nahm die Geschichte ihren Lauf.
Diejenigen von uns, deren Vorfahren aus Skandinavien stammen, stoßen auf eine weitere Schwierigkeit, nämlich das Patronymikum. Um denen, die nicht skandinavischer Abstammung sind, einen kleinen Einblick in unsere Schwierigkeiten zu geben: mein Großvater hieß Nels Monson; sein Vater hieß jedoch keinesfalls Monson – er hieß Mons Okeson; sein Vater wiederum hieß Oke Pederson, dessen Vater Peter Monson hieß – hier sind wir wieder bei Monson –, dessen Vater wiederum hieß Mons Lustig, ein Name, den ihm die schwedische Armee gegeben hatte, um die Petersons, die Juhnsons und die Monsons voneinander zu unterscheiden, wenn sie in die Armee eintraten. Auch diese Schwierigkeiten sind zu bewältigen, wenn man einmal den Vorgang der Namensgebung verstanden hat.
Als das Priestertums-Genealogie-Komitee ins Leben gerufen wurde, erklärte Präsident Hugh B. Brown, daß die Missionsarbeit in der Geisterwelt immer schneller vorwärtsschreitet. Er zitierte Joseph F. Smith, der einmal gesagt hatte, daß alle, die im irdischen Leben nicht die Möglichkeit hatten, das immenvährende Evangelium zu hören, jetzt davon erfahren. Präsident Smith hatte gesagt. „Dieses Evangelium, das dem Propheten Joseph Smith offenbart wurde, wird bereits den Geistern im Gefängnis gepredigt, denen, die die Bühne dieses Lebens bereits verlassen haben und ohne Kenntnis vom Evangelium in der Geisterwelt leben. Joseph Smith predigt ihnen das Evangelium. Ebenso Hyrum Smith. Ebenso Brigham Young und alle treuen Apostel, die in dieser Evangeliumszeit unter der Führung des Propheten Joseph Smith gelebt haben.."t
Und Präsident Smith sagte im Jahr 1916: „Durch unsere Bemühungen um sie werden die Ketten ihrer Knechtschaft abfallen, und die Finsternis rund um sie wird sich erhellen, so daß Licht auf sie fallen kann und sie in der Geisterwelt von der Arbeit hören, die hier von ihren Kindern verrichtet wird, und sie werden sich mit uns an dieser. Pflichterfüllung freuen..
Das Wort Pflichterfüllung gefällt mir. Für mich ist eine Pflicht etwas Heiliges. Dabei muß ich an die Worte von Harry Emerson Fosdick denken, der einmal gesagt hat: „Ein Mensch arbeitet hart für Geld. Härter arbeitet er für einen anderen. Am härtesten arbeitet der Mensch jedoch, wenn es ihm um eine Sache geht. Wenn nicht die Bereitwilligkeit größer ist als der Zwang, kämpft der Mensch als Söldner und folgt der Flagge nicht als Patriot. Die Pflicht wird erst dann auf würdige Weise erfüllt, wenn sie von jemand erfüllt wird, der gern mehr tun würde, wenn er könnte.” Diese Beschreibung trifft auf alle zu, die sich der Genealogie verschrieben haben. Sie sind wirklich engagiert.
Auch wenn uns bei der Ahnenforschung manches Hindernis zeitweise unüberwindlich erscheint, liegt doch nach vielen Schwierigkeiten oft auf wundersame Weise plötzlich ein klarer Weg vor uns.
Vor einigen Jahren berichtete Alice E. Smith aus Yuba City in Kalifornien von einem glaubensstärkenden Erlebnis, nämlich wie sie die Sterbedaten ihres Urgroßvaters fand. Sie kehrte mit ihrem Mann von dem jährlichen Besuch bei ihrer Tochter, die in der Nähe von Seattle in Washington lebte, zurück. Obwohl Schwester Smith wußte, wie ungern ihr Mann auf der Rückreise anhielt, bat sie ihn, kurz zu einem Friedhof zu fahren, um herauszufinden, ob es dort Angaben über den Tod ihres Urgroßvaters gab. Sie war überrascht und erfreut, daß ihr Mann gern bereit war, den kleinen Umweg in Kauf zu nehmen und zu einer kleinen Stadt am Columbia River zu fahren.
Einer Ahnung folgend fuhren sie zum nächstgelegenen der drei Friedhöfe, parkten in einem älteren Teil des Friedhofs und begannen mit der Suche. Schon nach zehn Minuten rief die jüngste Tochter aus: „Hier heißt jemand Bailey. Ich glaube, das ist er!”
Mit Hilfe einer Gießkanne und einem Lappen aus dem Auto entfernte der Ehemann vorsichtig das Moos, das sich mit den Jahren angesammelt hatte, und zum Vorschein kamen der Name, die vollständigen Daten sowie eine kleine Inschrift. Achten Sie auf die Inschrift: Hier ist mein Herz, 0 nimm es und siegle es; siegle es für Dein Reich im Himmel. Gewiß war es vom Himmel gesandte Hilfe, die sie zu dieser Botschaft ihres gläubigen methodistischen Vorfahren geführt hatte.
Ein anderes Familienmitglied fand heraus, daß die Inschrift einem alten Kirchenlied entnommen war) Diese Familie wird die Botschaft dieses Liedes immer im Herzen tragen. Das Wort siegeln hat für sie an Bedeutung gewonnen.
Der Herr hat nie gesagt, daß sein Werk nur unser irdisches Leben betrifft. Der Prophet Joseph Smith hat verkündet: Alles, was wir für unsere eigene Errettung tun, muß auch für die Errettung unserer Lieben getan werden, denn die Errettung ist für alle gleich.
Wir dürfen nicht müde werden, Gutes zu tun. Wenn wir meinen, unser Beitrag in diesem heiligen Werk sei nur gering und unbedeutend, dürfen wir nicht vergessen, daß „die Seelen großen Wert in den Augen Gottes (haben]". Kein Wunder, daß wir, wenn wir ein Zeugnis von diesem Werk empfangen, so viel zu seinem Fortschritt und Wachstum beitragen wollen! Hindernisse lösen sich auf wie Nebel in der Morgensonne. Wenn wir unsere Arbeit mit festem Glauben tun, qualifizieren wir uns für die gewünschten Segnungen.
Als ich als Präsident der Kanadischen Mission mit Hauptsitz in Toronto diente, gab es eine eifrige Ahnenforscherin in der Mission, die Myrtle Barnum hieß. Oh, wie eifrig sie in diesem heiligen Werk war! Sie hatte eine Menge Angaben aus der Gegend um den St.-Lorenz-Strom gesammelt. Doch sie war am Ende ihrer Ahnenreihe angekommen. Sie wußte nicht, wohin sie sich wenden sollte. Sie las. Sie suchte. Sie betete. Und sie gab niemals auf. Auch wenn sie nach monatelanger vergeblicher Suche niedergeschlagen war, weil sie scheinbar nicht in der Lage war, das zu finden, was sie brauchte, verlor sie niemals die Hoffnung.
Eines Tages ging sie an einem Secondhand-Laden vorbei und fühlte sich gedrängt, hineinzugehen. Als sie den Blick über die Regale schweifen ließ, fielen ihr zwei Bücher auf. Warum, das kann sie nur der Inspiration des Herrn zuschreiben. Die beiden Bücher trugen den Titel: Pionierleben an der Bucht von Quinte, Band 1 und 2. Das klang nach einem Roman. Sie holte die beiden verstaubten Bücher unser aus dem Regal, schlug sie auf und staunte. Es waren keine Erzählungen.
Es waren genealogische Aufzeichnungen über sämtliche Personen, die in der Gegend der Bucht von Quinte gelebt hatten von der Zeit an, als man dort überhaupt begonnen hatte, Aufzeichnungen zu führen. Schnell suchte sie Seite für Seite durch und fand die Angaben, die ihr die Tür zu weiteren Forschungen öffneten.
Ein Älrestenkollegium in dieser Gegend sammelte eine beträchtliche Summe, damit die beiden Bücher gekauft werden konnten. Sie wurden an den Hauptsitz der Kirche in Sah Lake City gesandt, und ich erhielt einen Brief mit der Nachricht, daß anhand dieser beiden Bücher Tausende von Namen derer, die sich auf der anderen Seite des Schleiers befinden, zu Ahnenreihen verbunden werden konnten. Sehr viele Menschen freuten sich, als sie von diesem Schatz hörten, der ihre Ahnenreihen verband, einschließlich Präsident Henry D. Moyle, der damals Mitglied der Ersten Präsidentschaft war. Einer seiner Großväter stammte aus dieser Gegend. All das geschah, weil eine gläubige Dienerin des Herrn nicht aufgab, sich nicht entmutigen ließ und nicht von sich sagte „Ich allein kann doch nichts ausrichten.”
Meine Brüder und Schwestern, möge der himmlischer Vater die so wichtige und lohnende genealogische Arbeit segnen.
Präsident Thomas S. Monson, Juni 1996 



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Ein-wundersames-Werk

Als ich mich 1973 der Kirche anschloß, drang mir die Lehre von der Erlösung der Toten tief ins Herz. Als neues Mitglied der Kirche verpflichtete ich mich dazu, für meine Vorfahren, die gestorben waren, ohne das Evangelium zu kennen, die stellvertretende Arbeit zu verrichten.
Ich wohnte damals in Madrid, rund 500 Kilometer von Asturins, meinem kleinen Geburtsort, entfernt, wo, wie ich annahm, der größere Teil der Unterlagen über meine Vorfahren lagerte. Ich nutzte viele Urlaubstage und Wochenenden dazu, nach diesen Aufzeichnungen zu suchen, und reiste dafür Hunderte von Kilometern. Manchmal schloß ich mich ganze Tage in den Pfarrämtern der katholischen Kirche ein, wo ich von alten, häufig unleserlichen Aufzeichnungen umgehen war.
Die Liebe, die ich für meine Vorfahren empfand, half mir, diese Unannehmlichkeiten auf mich zu nehmen. Ich wischte den Staub ab, flickte die zerrissenen Bücher und Seiten und lernte, die vielen, vielen Bücher, die ich in die Hand nahm, zu lesen. Mit Hilfe dieser Kirchenhücher und mit Hilfe von standesamtlichen Unterlagen, Familienaufzeichnungen, Testamenten, Zeitungen und Fotos stellte ich allmählich ein Bild vom Leben meiner Vorfahren zusammen. Ich lernte sie in gewissem Maße kennen und freute mich über ihr Glück und trauerte mit ihnen über ihren Kummer.
Aber dann kam die Zeit, wo ich anscheinend nichts mehr tun konnte. Allzu viele Unterlagen waren zerstört worden. Asturias gehört zu den am heftigsten umkämpften Gebieten der spanischen Geschichte, und in diesen Auseinandersetzungen sind viele Aufzeichnungen zerstört worden. Ich versuchte mir Familienquellen weiterzumachen, hatte aber nicht viel Erfolg.
Manchmal war ich entmutigt, wenn ich daran dachte, wie leicht es doch für manche Menschen ist, Familienforschung zu betreiben. Ich las im Liahona wundersame Berichte darüber, wie andere die benötigten Angaben gefunden hatten. Warum konnte das nicht mir passieren? Die Aufzeichnungen, die ich brauchte, mußten doch irgendwo sein.
1994 beschloß ich, in einer bestimmten Gegend Urlaub zu machen und die dortigen Kirchengemeinden noch einmal zu besuchen. Wie gewöhnlich war ich am Ende meiner Nachforschungen genauso weit wie zuvor. Ich war ziemlich entmutigt. Seit zwanzig Jahren hatte ich jeden Urlaub damit zugebracht, war Tausende von Kilometern gereist, hatte bergeweise Bücher durchgesucht, hatte mit Hunderten von Menschen gesprochen und sehr viel Geld ausgegeben. Aber wofür?
Meine Frau und ich packten unsere Koffer, um nach Madrid zurückzufahren. Dann beschloß ich im letzten Augenblick, noch einen einzigen Versuch zu machen. Ich fuhr noch einmal zu einer der Kirchen zurück, die ich schon so viele Male besucht hatte.
Aber als ich diesmal in einem bestimmten Buch suchte, erschienen genau die Namen und Daten, die ich brauchte, plötzlich vor meinen Augen! Mir zitterten die Knie, und ich stieß einen Freudenschrei aus. Die Tränen schossen mir in die Augen, so daß ich nichts mehr sah.
Bei meinen bisherigen Versuchen hatte ich die Angaben nicht gefunden, weil die Namen nicht korrekt eingetragen waren. Aher nachdem ich dieses kostbare Buch erst einmal gefunden hatte, verwies es mich sogar noch an weitere Bücher, die nicht im Krieg zerstört worden waren — Aufzeichnungen, von deren Existenz ich nichts gewusst hatte. Jetzt konnte für diese Vorfahren die Tempelarbeit verrichtet werden.
Ich konnte mit dem Gefühl nach Madrid zurückfahren, daß ich überreich gesegnet worden war. Wie Nephi weiß ich, daß unser Vater im Himmel uns liebt und daß er uns nie ein Gebot gibt, ohne uns den Weg zu bereiten, damit
wir es ausführen können.

Marcelino Fernändez Rebollos Suärez
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Ein-wundersames-Werk

Als ich mich 1973 der Kirche anschloß, drang mir die Lehre von der Erlösung der Toten tief ins Herz. Als neues Mitglied der Kirche verpflichtete ich mich dazu, für meine Vorfahren, die gestorben waren, ohne das Evangelium zu kennen, die stellvertretende Arbeit zu verrichten.

Ich wohnte damals in Madrid, rund 500 Kilometer von Asturins, meinem kleinen Geburtsort, entfernt, wo, wie ich annahm, der größere Teil der Unterlagen über meine Vorfahren lagerte. Ich nutzte viele Urlaubstage und Wochenenden dazu, nach diesen Aufzeichnungen zu suchen, und reiste dafür Hunderte von Kilometern. Manchmal schloß ich mich ganze Tage in den Pfarrämtern der katholischen Kirche ein, wo ich von alten, häufig unleserlichen Aufzeichnungen umgehen war.

Die Liebe, die ich für meine Vorfahren empfand, half mir, diese Unannehmlichkeiten auf mich zu nehmen. Ich wischte den Staub ab, flickte die zerrissenen Bücher und Seiten und lernte, die vielen, vielen Bücher, die ich in die Hand nahm, zu lesen. Mit Hilfe dieser Kirchenhücher und mit Hilfe von standesamtlichen Unterlagen, Familienaufzeichnungen, Testamenten, Zeitungen und Fotos stellte ich allmählich ein Bild vom Leben meiner Vorfahren zusammen. Ich lernte sie in gewissem Maße kennen und freute mich über ihr Glück und trauerte mit ihnen über ihren Kummer.

Aber dann kam die Zeit, wo ich anscheinend nichts mehr tun konnte. Allzu viele Unterlagen waren zerstört worden. Asturias gehört zu den am heftigsten umkämpften Gebieten der spanischen Geschichte, und in diesen Auseinandersetzungen sind viele Aufzeichnungen zerstört worden. Ich versuchte mir Familienquellen weiterzumachen, hatte aber nicht viel Erfolg.

Manchmal war ich entmutigt, wenn ich daran dachte, wie leicht es doch für manche Menschen ist, Familienforschung zu betreiben. Ich las im Liahona wundersame Berichte darüber, wie andere die benötigten Angaben gefunden hatten. Warum konnte das nicht mir passieren? Die Aufzeichnungen, die ich brauchte, mußten doch irgendwo sein.

1994 beschloß ich, in einer bestimmten Gegend Urlaub zu machen und die dortigen Kirchengemeinden noch einmal zu besuchen. Wie gewöhnlich war ich am Ende meiner Nachforschungen genauso weit wie zuvor. Ich war ziemlich entmutigt. Seit zwanzig Jahren hatte ich jeden Urlaub damit zugebracht, war Tausende von Kilometern gereist, hatte bergeweise Bücher durchgesucht, hatte mit Hunderten von Menschen gesprochen und sehr viel Geld ausgegeben. Aber wofür?

Meine Frau und ich packten unsere Koffer, um nach Madrid zurückzufahren. Dann beschloß ich im letzten Augenblick, noch einen einzigen Versuch zu machen. Ich fuhr noch einmal zu einer der Kirchen zurück, die ich schon so viele Male besucht hatte.

Aber als ich diesmal in einem bestimmten Buch suchte, erschienen genau die Namen und Daten, die ich brauchte, plötzlich vor meinen Augen! Mir zitterten die Knie, und ich stieß einen Freudenschrei aus. Die Tränen schossen mir in die Augen, so daß ich nichts mehr sah.

Bei meinen bisherigen Versuchen hatte ich die Angaben nicht gefunden, weil die Namen nicht korrekt eingetragen waren. Aher nachdem ich dieses kostbare Buch erst einmal gefunden hatte, verwies es mich sogar noch an weitere Bücher, die nicht im Krieg zerstört worden waren — Aufzeichnungen, von deren Existenz ich nichts gewusst hatte. Jetzt konnte für diese Vorfahren die Tempelarbeit verrichtet werden.

Ich konnte mit dem Gefühl nach Madrid zurückfahren, daß ich überreich gesegnet worden war. Wie Nephi weiß ich, daß unser Vater im Himmel uns liebt und daß er uns nie ein Gebot gibt, ohne uns den Weg zu bereiten, damit
wir es ausführen können.

Marcelino Fernändez Rebollos Suärez
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Als ich mich 1973 der Kirche anschloß, drang mir die Lehre von der Erlösung der Toten tief ins Herz. Als neues Mitglied der Kirche verpflichtete ich mich dazu, für meine Vorfahren, die gestorben waren, ohne das Evangelium zu kennen, die stellvertretende Arbeit zu verrichten.
Ich wohnte damals in Madrid, rund 500 Kilometer von Asturins, meinem kleinen Geburtsort, entfernt, wo, wie ich annahm, der größere Teil der Unterlagen über meine Vorfahren lagerte. Ich nutzte viele Urlaubstage und Wochenenden dazu, nach diesen Aufzeichnungen zu suchen, und reiste dafür Hunderte von Kilometern. Manchmal schloß ich mich ganze Tage in den Pfarrämtern der katholischen Kirche ein, wo ich von alten, häufig unleserlichen Aufzeichnungen umgehen war.
Die Liebe, die ich für meine Vorfahren empfand, half mir, diese Unannehmlichkeiten auf mich zu nehmen. Ich wischte den Staub ab, flickte die zerrissenen Bücher und Seiten und lernte, die vielen, vielen Bücher, die ich in die Hand nahm, zu lesen. Mit Hilfe dieser Kirchenhücher und mit Hilfe von standesamtlichen Unterlagen, Familienaufzeichnungen, Testamenten, Zeitungen und Fotos stellte ich allmählich ein Bild vom Leben meiner Vorfahren zusammen. Ich lernte sie in gewissem Maße kennen und freute mich über ihr Glück und trauerte mit ihnen über ihren Kummer.
Aber dann kam die Zeit, wo ich anscheinend nichts mehr tun konnte. Allzu viele Unterlagen waren zerstört worden. Asturias gehört zu den am heftigsten umkämpften Gebieten der spanischen Geschichte, und in diesen Auseinandersetzungen sind viele Aufzeichnungen zerstört worden. Ich versuchte mir Familienquellen weiterzumachen, hatte aber nicht viel Erfolg.
Manchmal war ich entmutigt, wenn ich daran dachte, wie leicht es doch für manche Menschen ist, Familienforschung zu betreiben. Ich las im Liahona wundersame Berichte darüber, wie andere die benötigten Angaben gefunden hatten. Warum konnte das nicht mir passieren? Die Aufzeichnungen, die ich brauchte, mußten doch irgendwo sein.
1994 beschloß ich, in einer bestimmten Gegend Urlaub zu machen und die dortigen Kirchengemeinden noch einmal zu besuchen. Wie gewöhnlich war ich am Ende meiner Nachforschungen genauso weit wie zuvor. Ich war ziemlich entmutigt. Seit zwanzig Jahren hatte ich jeden Urlaub damit zugebracht, war Tausende von Kilometern gereist, hatte bergeweise Bücher durchgesucht, hatte mit Hunderten von Menschen gesprochen und sehr viel Geld ausgegeben. Aber wofür?
Meine Frau und ich packten unsere Koffer, um nach Madrid zurückzufahren. Dann beschloß ich im letzten Augenblick, noch einen einzigen Versuch zu machen. Ich fuhr noch einmal zu einer der Kirchen zurück, die ich schon so viele Male besucht hatte.
Aber als ich diesmal in einem bestimmten Buch suchte, erschienen genau die Namen und Daten, die ich brauchte, plötzlich vor meinen Augen! Mir zitterten die Knie, und ich stieß einen Freudenschrei aus. Die Tränen schossen mir in die Augen, so daß ich nichts mehr sah.
Bei meinen bisherigen Versuchen hatte ich die Angaben nicht gefunden, weil die Namen nicht korrekt eingetragen waren. Aher nachdem ich dieses kostbare Buch erst einmal gefunden hatte, verwies es mich sogar noch an weitere Bücher, die nicht im Krieg zerstört worden waren — Aufzeichnungen, von deren Existenz ich nichts gewusst hatte. Jetzt konnte für diese Vorfahren die Tempelarbeit verrichtet werden.
Ich konnte mit dem Gefühl nach Madrid zurückfahren, daß ich überreich gesegnet worden war. Wie Nephi weiß ich, daß unser Vater im Himmel uns liebt und daß er uns nie ein Gebot gibt, ohne uns den Weg zu bereiten, damit
wir es ausführen können.

Marcelino Fernändez Rebollos Suärez
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